BMW Motorrad: Auf neuen Wegen zum Höhenflug

200.000 Einheiten bis 2020

Peter Schwarzenbauer (l.) und Stephan Schaller mit der BMW eRR.
Peter Schwarzenbauer (l.) und Stephan Schaller mit der BMW eRR. © AG/Mertens

BMW Motorrad eilt von Bestwert zu Bestwert. Nun haben die Münchner bekannt gegeben, wie sie ihr Ziel von 200.000 Einheiten bis zum Jahr 2020 erreichen wollen. Dazu beitragen soll auch ein Modell unterhalb der 500 ccm.

Von Frank Mertens

Peter Schwarzenbauer und Stephan Schaller haben allen Grund zufrieden zu sein. Schließlich verantworten sie mit BMW Motorrad - der eine als Vorstand, der andere als Spartenchef - einen Unternehmensbereich, der von Jahr zu Jahr neue Rekorde vermelden kann. Und das trotz eines seit der Finanzkrise bis zur Mitte des vergangenen Jahres rückläufigen Gesamtmarktes.

Neues Rekordjahr 2015

Nach den 123.459 im Vorjahr abgesetzten Motorrädern und Scootern im Jahr 2014 wird es auch 2015 einen neuen Bestwert geben. Nach zehn Monaten hat die Motorradsparte der Münchner weltweit bereits 121.622 Zweiräder abgesetzt, ein Zuwachs von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit wird das Ergebnis des Jahres 2014 bereits im kommenden Monat geknackt werden. Es läuft in diesem Jahr wohl alles auf einen Gesamtabsatz von um die 135.000 Einheiten hinaus, auch wenn der November und Dezember bekanntlich keine verkaufsstarken Monate in diesem saisonabhängigen Geschäft sind.

Doch Schwarzenbauer und Schaller geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen den Absatz von BMW Motorrad bis zum Jahr 2020 auf dann 200.000 Einheiten erhöhen, wie sie bei der Vorstellung ihrer Zukunftsstrategie am Mittwoch in München sagten. "Wir erwarten gegenüber 2014 eine Absatzsteigerung bis 2020 von über 50 Prozent", sagt Schwarzenbauer, der als BMW-Vorstand neben Mini und Rolls-Royce auch das Motorradgeschäft verantwortet. Mit diesem profitablen Wachstum solle "BMW Motorrad auch nachhaltig zum Erfolg der BMW Group beitragen“, wie Schwarzenbauer hinzufügt. Damit diese Wachstumsziele auch erreicht werden, schlage die Sparte "völlig neue Wege ein.“

Weltpremiere der BMW G 310 R

BMW G 310R
Die BMW G 310R feierte Weltpremiere AG/Mertens

Natürlich bleibe das Premiumsegment oberhalb von 500 ccm das Kerngeschäft von BMW Motorrad - hier ist das Unternehmen in 26 Ländern bereits Marktführer - doch ab dem kommenden Jahr wird die Zweiradsparte mit der BMW G 310 R auch ein Modell unterhalb der Halbliterklasse auf den Markt bringen.

Mit dem Einstieg ins untere Hubraumsegment reagiert BMW auf den mittlerweile gesättigten Markt im Premiumsegment über 500 Kubik. Da dieser nicht wesentlich wachsen werde, sei es die logische Konsequenz neben neuen Märkten auch neue Hubraumklassen zu erschließen. „Der Markt der Motorräder in der Hubraumklasse zwischen 125 und 500 Kubikzentimetern bietet für unsere Pläne die idealen Voraussetzungen. Denn Marktforschungen gehen hier von einem starken und nachhaltigen Wachstum aus“, so Schaller. Gebaut wird der neue Roadster übrigens bei der TVS Motor Company in Indien. Die Produktion soll im zweiten Quartal des kommenden Jahres anlaufen. Seine Weltpremiere feierte das Einzylinder-Motorrad mit einer Leistung von 34 PS ebenfalls am Mittwoch in München. Wie Motorradchef Stephan Schaller sagte, sollen mit diesem neuen Modell nicht nur neue Kunden für die Marke gewonnen werden, sondern vor allem auch neue Märkte erschlossen werden. Dabei hat er insbesondere Asien und Lateinamerika im Blick. ´

Hauptmarkt Brasilien



Den Hauptmarkt für die G 310 R sieht Schaller dabei in Brasilien. Nach Europa wird das neue Einsteigermodell der Münchner in der zweiten Hälfte 2016 kommen. Zum Preis sagt Schaller noch nichts, nur so viel. "Er wird attraktiv sein und sich im Wettbewerbsumfeld bewegen." Mit der neuen Maschine soll es auch gelingen, jüngere Kunden für das Motorradfahren zu begeistern. Sie versucht BMW Motorrad derzeit noch mit dem neuen Markenauftritt "Make Life A Ride" als auch einem Führerscheinzuschuss von 1000 Euro und rabattiertem Zubehör fürs Motorradfahren zu begeistern. In Deutschland beispielsweise, so verrät Deutschland-Chef Henning Putzke, "werden dadurch jährlich zwischen 400 bis 500 Maschinen abgesetzt." Die Händler, so Putzke, versprechen sich von dem neuen Einstiegsmodell eine Menge. "Für viele Kunden wird die 310 R auch ein Zweitmotorrad sein, dass dann auch von anderen Familienmitgliedern genutzt wird."

War es aufgrund der Bedeutung der G 310R ein Fehler, ein solches Einstiegsmodell nicht schon früher zu bringen? Nein, sagt Schaller. "Wir hatten da zunächst andere Prioritäten - wie wir mit der Vielzahl neuer Modelle in den zurückliegenden Jahren gezeigt haben. So brachte BMW Motorrad durchschnittlich jährlich fünf neue Modelle auf den Markt - und mit dieser Taktrate soll es auch in den kommenden Jahren bis 2020 weiter gehen. "Denn nur mit neuen, attraktiven Modellen kann man auch wachsen." Mit dieser Taktrate soll es auch in den kommenden Jahren weitergehen – und damit setzt man auch auf Modellfamilie.

Derivat der R nineT

Peter Schwarzenbauer
Peter Schwarzenbauer bei der Vorstellung der Zukunfstrategie AG/Mertens

So beispielsweise bei der R nineT. Das Retro-Bike ist einer der Überraschungen des vergangenen Jahres – und gehört mit zu den Wachstumstreibern im Portfolio. Im laufenden Geschäftsjahr sind von ihr über 8600 Einheiten ausgeliefert worden. An diesen Erfolg anknüpfen soll die R nineT Scrambler, die bereits in München gezeigt wurde, aber ihre Weltpremiere erst am 17. November auf der Motorradmesser EICMA in Mailand feiern wird. Erst dann wird es von ihr auch Fotos geben. Doch die Kunden können sich auf ein Bike mit einer höhergelegten Auspuffanlage, kernigen Stollenreifen einem längeren Federweg und einem reduziertem Design freuen. Schaller sieht für die R nineT und die Scrambler dann auch großes Potenzial für den us-amerikanischen Markt, auf dem nach wie vor Harley-Davidson Marktführer ist.

So wie BMW Motorrad mit der G 310R eine Maschine in der Hubraumklasse unter 500 ccm anbietet, soll dies auch bei der urbanen Mobilität der Fall sein. Hier sind die Münchner derzeit mit den Maxiscootern C 600 Sport und C 650 GT und dem rein elektrisch angetriebenen BMW C evolution vertreten. Der Elektro-Scooter verkauft sich derzeit zwar nur in homöopathischen Dosen, doch damit geht es der Motorradsparte auch nicht anders als den Autokollegen. „Ich rechne damit, dass wir hier ab dem Moment größere Stückzahlen verkaufen, ab dem die Batteriepreise deutlich sinken werden“, glaubt Schaller. Doch vielleicht gibt es den ersten größeren Schub für die C Evolution ja schon ab Ende des Jahres, denn dann wird der E-Scooter auch in China angeboten.

Für Schaller bietet das urbane Umfeld perspektivisch die idealen Voraussetzungen für E-Mobilität. „Ich bin überzeugt: Der E-Antrieb ist auch für die Motorradbranche die Zukunft!“ Deshalb setzt BMW Motorrad weiter auf diese Technologie – und arbeitet bereits an seinem nächsten rein elektrisch angetriebenem Modell. Diesmal keinem Scooter, sondern einem Sportmotorrad, der eRR. Im kommenden Jahr wollen die Verantwortlichen zu diesem neuen E-Bike mehr verraten und zu einem nächsten Aufschlag ansetzten. Nachdem, was BMW Motorrad an diesem Mittwoch in der Nähe von Münchnern gezeigt haben, darf man darauf sehr gespannt sein.