15. August 2013

Nur Toyota freut sich Sieger der VCD Umweltliste keine Verkaufsschlager

Der Erdgas-Up von VW verkauft sich nur gering. Fotos ▶
Der Erdgas-Up von VW verkauft sich nur gering. © VW

Zum 23. Mal hat der ökologische Verkehrsclub Deutschlands (VCD) seine Auto-Umweltliste herausgegeben. An den Privatkunden gehen die Empfehlungen je nach Hersteller doch zumeist vorbei.




Von Thomas Flehmer

Ein wenig verwundert wirkte Gerd Lottsiepen schon bei der Vorstellung der Ergebnisse der 23. Auto-Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), nachdem er aufgrund seiner Kritik an großen Fahrzeugen – auch im Familienbereich – selbst in den Fokus der Kritik rückte. Der verkehrspolitische Sprecher des VCD hatte Kleinwagen-Kombis als völlig ausreichend für Familien bezeichnet. So etwas wirkt bei manch einem Berichterstatter im Autoland Deutschland befremdlich. Doch Lottsiepen stellte gleich klar. "Wir wollen niemanden bevormunden, sondern bieten die Liste als Hilfsmittel für Verbraucher an."


Interessierte Geschäftskunden

Als ein solches Hilfsmittel nehmen vor allem Geschäftskunden die Liste mit über 400 Fahrzeugen in die Hand. "Es kommen immer mehr Carsharing-Unternehmen, Flotten-Betreiber und Geschäftskunden mit uns ins Gespräch", so Lottsiepen. Diese kommen zumeist aus Gründen des wirtschaftlichen Spardiktats auf den ökologischen Verkehrsclub zu, doch immer mehr auch aus ökologischen Gründen. "Es sind genug Fahrzeuge bis zu einem CO2-Ausstoß über 180 Gramm pro Kilometer auf dem Markt, sodass es eine große Auswahl für jeden gibt."

Allerdings bleiben die Verkaufszahlen der umweltfreundlichen Modelle gering. Titelverteidiger und erneuter Sieger, der VW Eco Up, erreicht einen Prozentanteil von um die zehn Prozent. Insgesamt 3378 Up aller Varianten verkauften die Wolfsburger im Juli, über 55 Prozent gingen an Geschäftskunden.

Verschmähte Erdgas-Fahrzeuge

Bei den technisch baugleichen Erdgas-Varianten der gemeinsam mit dem Eco Up siegreichen Seat Mii und Skoda Citigo sieht es nicht anders aus. "Die Verkäufe sind noch unwesentlich, da der Citigo 1.0 CNG Green Tec gerade erst auf den Markt gekommen ist", sagt Skoda-Pressesprecher Rainer Strang auf Anfrage der Autogazette. Die Erwartungen sind an dieses Modell aber auch nicht allzu hoch. "Wir erwarten ein Volumen über drei Prozent", so Strang weiter, "weil ja auch unsere sparsamen Greenline-Modelle im Angebot sind und stark nachgefragt werden." Und ein Erdgas-Modell nimmt dann immer noch eine Außenseiterrolle im Vergleich zu sparsamen Diesel- oder Benzinmotoren ein.

Auch Lottsiepen selbst ist skeptisch, dass sich die in den verschiedenen Klassen der Umweltliste aufgeführten Modelle zu Verkaufsschlagern mausern. "Es kommt darauf an, wie die Hersteller werben. Und die meisten werben für große Fahrzeuge wie SUV." Dabei geht es in der heutigen Zeit weniger um die Dickschiffe früherer Tage wie den Audi Q7, sondern um kleinere Geländewagen. Nicht umsonst ist das Segment der Kompakt-SUV die am stärksten anwachsende Klasse. "Viele Bürger fallen auf diese Werbung herein", sagt Lottsiepen, "denn da werden Gefühle verkauft."

Steigende Hybridverkäufe bei Toyota

Der Lexus CT 200h siegte in der Kompaktklasse
Der Lexus CT 200h siegte in der Kompaktklasse © Lexus

Dass es auch anders geht, ist an den Verkaufszahlen von Toyota abzulesen. Zwar setzen auch die Japaner mit ihren humorvollen Werbespotts des beliebten Münsteraners Tatort-Gespanns auf Gefühle, doch werden diese Gefühle auf die Kernkompetenz des Hybrid-Pionier geschürt. Und hier zeigt sich die Ausdauer, die Toyota mit dem Hybridantrieb betrieb. In Japan ist der Prius das meistverkaufte Auto überhaupt, in Deutschland sind die Verkaufszahlen deutlich darunter, aber auch deutlich ansteigend – vor allem, seitdem nicht nur der Prius, sondern auch die anderen konventionellen Modelle hybridisiert wurden.

"26 Prozent aller Toyota-Verkäufe in Deutschland sind Hybride", sagt Toyota-Pressesprecher Henning Meyer der Autogazette. Letztes Jahr im Juni stieg die Anzahl der Hybrid-Verkäufe des Yaris gar auf knapp 50 Prozent an. So wurden im vergangenen Jahr rund 15.000 Einheiten von Lexus und Toyota als Hybrid-Fahrzeug an Kunden abgegeben. Der Vorsprung, den sich Toyota durch seinen Vorsprung in der Technik erarbeitet hat, zahlt sich aus. Während andere Hersteller für ihre Hybrid-Fahrzeuge noch sehr viel mehr Aufpreis verlangen, kann Toyota Hybridfahrzeuge zum Dieselpreis anbieten.

Gerd Lottsiepen freut sich über diese Tendenz, waren doch die Modelle von Toyota und Lexus gleich sechs Mal unter den Top Ten der Umweltliste vertreten. "Vor der Hybridtechnik muss man keine Angst mehr haben." Und das war nicht als Bevormundung gemeint.



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