5. Mai 2017

Dieseltechnologie wird sich verteuern VW will bei E-Mobilität Tesla Paroli bieten und erhebt Führungsanspruch

VW-Finanzchef Arno Antlitz (l.) und Herbert Diess.
VW-Finanzchef Arno Antlitz (l.) und Herbert Diess. © dpa

VW sieht sich bei der Neuausrichtung der Kernmarke auf gutem Weg und will in diesem Jahr kräftig wachsen. So soll der Umsatz um zehn Prozent steigen. Trotz der Diskussion um Fahrverbote hält der Autobauer am Diesel fest, geht aber von einer Verteuerung der Technologie aus.




Von Frank Mertens

Trotz bevorstehender Fahrverbote für Selbstzünder mit der EU5-Abgasnorm und der Diskussion um erhöhte Stickoxid-Werte bei modernen EU6-Dieseln hält Volkswagen unverändert am Dieselmotor fest. Er sei nach wie vor gerade bei den Kunden in Europa sehr beliebt, sagte VW-Markenvorstand Herbert Diess am Freitag beim Jahrespressegespräch der Marke in Wolfsburg. "Die Kunden lieben den Diesel - und ich glaube, er bekommt mittlerweile auch wieder politisch Unterstützung."

Wie der Markenvorstand mit Blick auf die diskutierten Fahrverbote für EU5-Diesel sagte, seien neue Diesel bereits heute sehr sauber und dürften nicht allein für die Umweltbelastung in den Städten verantwortlich gemacht werden. "Gerade für für den neuen Diesel gibt es keinen Anlass, ihn aus den Innenstädten zu verbannen." Zudem arbeite die Industrie daran, "bestehende Diesel nochmals zu verbessern".


Diesel für Erreichung der CO2-Grenzwerte wichtig

Weshalb VW so vehement am Diesel festhält, dürfte vor allem an den C02-Grenzwerten von 95 g/km liegen, die die Autobauer bis zum Jahr 2021 mit ihrer Flotte erreichen müssen. Bereits jetzt sei die Erfüllung dieses Zielwertes eine Herausforderung, wie Diess sagte. Die immer strenger werdenden Abgasrichtlinien würden zu einer Verteuerung der Dieseltechnologie führen – und diese müssten dann auch an die Kunden weitergereicht werden.

Obwohl VW nach eigenen Worten bereits jetzt große Anstrengungen für die Erreichung der C02-Grenzwerte unternehmen müsse, plant der Autobauer sein Angebot an SUVs von derzeit zwei auf 19 Modelle bis 2020 auszubauen, wie der Markenvorstand ankündigte. Ein Problem sieht Diess darin nicht, denn die in SUVs eingesetzten Motoren würden immer effizienter – und es würden nicht nur größere Geländewagen wie der Atlas ins Portfolio kommen, sondern auch immer kleinere unterhalb eines Tiguan. Hier nannte Diess ein Crossover-Modell in der Größe eines Golfs.

Kein Absatzrückgang bei Dieseln

Einen deutlichen Absatzrückgang bei den Dieseln durch die Diskussion um Fahrverbote stellt VW derzeit übrigens nicht fest. Sie seien gerade einmal um drei Prozent zurückgegangen, lägen bei einem Anteil von 40 Prozent am Gesamtabsatz, wie VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte. Allerdings hätte die Diskussion um Fahrverbote bei den Kunden zu einer Verunsicherung geführt, so Stackmann. Eine Umrüstung für Fahrer eines EU5-Diesels, die von den kommenden Fahrverboten betroffen sind, spiele in den derzeitigen Überlegungen des Konzerns derzeit keine Rolle, hieß es. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte in der Vorwoche beim Autogipfel der Grünen in Berlin die Autoindustrie aufgefordert, die EU5 Diesel auf eigene Kosten umrüsten zu lassen.

Unterdessen kommt VW mit Blick auf die Aufarbeitung des Dieselskandals weiter voran und will bis Ende des Jahres in Europa alle vom Diesel-Skandal betroffenen Fahrzeuge umgerüstet haben, wie Diess betonte. In Europa hätten derzeit bereits mehr als die Hälfte der Dieselmodelle ein entsprechendes Sofware-Update erhalten. "In Deutschland sind es sogar fast drei Viertel. Damit sind bereits über 2,6 Millionen Fahrzeuge umgerüstet."

Deutliche Verbesserung der Produktivität

Herbert Diess neben dem neuen Arteon
Herbert Diess neben dem neuen Arteon © dpa

Wie Diess sagte, sei das Jahr 2016 für die Marke ein Transformationsjahr gewesen. In ihm habe man sich nicht nur um die Dieselkrise gekümmert, sondern habe im operativen Geschäft auch die Wende eingeleitet und eine Neuausrichtung der Marke mit seiner Strategie "Transform 2025+" eingeleitet . Mit seiner Strategie, die Diess als Meilensteinplan für die nächsten zehn Jahre bezeichnete, soll die Ertragskraft im Kerngeschäft deutlich verbessert werden.

So sei bis 2020 eine Umsatzrendite von mindestens vier Prozent geplant, bis 2025 solle diese auf sechs Prozent gesteigert werden. Dass die Marke auf dem richtigen Weg sei, zeige das Ergebnis des ersten Quartals So seien die Auslieferungen zwar mit 1,4 Millionen Einheiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (- 1,3 Prozent) leicht zurückgegangen, aber dies habe insbesondere an China gelegen, so Diess. Dort waren die Auslieferungen um 3,8 Prozent zurückgegangen. Doch im Rest der Welt sei man in den ersten drei Monaten des Jahres um 1,2 Prozent gewachsen.



Dass man auch finanziell gut unterwegs sei, zeige auch das Finanzergebnis mit gesteigerten Umsatzerlösen von 19 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 870 Millionen Euro. Doch diese Ergebnisse sollten kein Maßstab für das Gesamtjahr sein, wie Finanzchef Arno Antlitz sagte. "Wir gehen zum derzeitigen Zeitpunkt davon aus, dass wir den Umsatz um bis zu 10 Prozent steigern können." Erreicht werden sollen diese Umsatzsteigerungen auch durch eine Verbesserung bei der Produktivität. Diese "wollen wir in diesem und im nächsten Jahr um jeweils 7,5 Prozent steigern", so Diess. Für die Jahre 2019 und 2020 sollen nochmals fünf Prozent hinzukommen.

Perspektivisch hat sich der Autobauer bis zum Jahr 2025 vorgenommen, eine "führende Rolle in der dann veränderten Automobilindustrie“ einzunehmen und zum Weltmarktführer bei der Elektromobilität zu werden. Bis 2025 will man weltweit eine Million E-Autos absetzen, davon allein 60 Prozent in China. Diess glaubt, dem US-Elektroautobauer Tesla mit seinen Modellen angesichts seiner auch aus dem Modularen Elektrifizierungs-Baukastens (MEB) resultierender Kostenvorteile mehr als als nur Paroli bieten zu können. Man erhebe bei der E-Mobilität den Führungsanspruch. So plant VW sein E-Auto I.D. mit einer Reichweite von 600 Kilometern ab 2020 zu einem Preis eines Dieselfahrzeuges anzubieten.



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