Teure Tricksereien beim Spritverbrauch

Höhere Spritkosten und entgangene Steuern

Dudenhöffer fordert staatliche Umrüstprämie
Dudenhöffer fordert staatliche Umrüstprämie © Daimler

Der laut dem Europäischen Fahrzyklus ermittelte Verbrauchswert entfernt sich immer weiter von den alltäglichen Verbräuchen. Aber auch mit dem ab 2017 geltenden WLTP werden die Diskrepanzen verschwinden.

Die Kluft zwischen dem Normverbrauch von Pkw und ihrem Durst im realen Straßenverkehr ist erneut gewachsen. Inzwischen benötigen Autos im Alltag 42 Prozent mehr Kraftstoff als im Katalog versprochen, wie das International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelt hat. Die Umweltschützer untersuchen regelmäßig den realen Verbrauch von Pkw im Vergleich zum Sollwert, zuletzt hatten sie Anfang 2016 eine Differenz von 40 Prozent festgestellt. Im Jahr 2001 betrug die Differenz zwischen Theorie und Praxis lediglich acht Prozent, 2013 waren es 25 Prozent.

Die unrealistischen Angaben sind nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Für den Durchschnittsfahrer in Europa bedeuten sie nach Berechnung des ICCT um 450 Euro höhere Spritkosten pro Jahr. Dazu kommen entgangene CO2-Steuern und fälschlicherweise vergebene Staatsprämien für CO2-arme Fahrzeuge. Als Grundlage für die Untersuchung dienten unter anderem Daten von Online-Vergleichsseiten für Spritverbräuchen sowie Messergebnisse von Automagazinen und Fahrzeugclubs.

Systematische Lücken beim Testverfahren

Verschiedene Faktoren spielen beim Anwachsen der Kluft eine Rolle. Zum einen sind in den vergangenen Jahren neue Spritspartechnologien hinzugekommen, deren Effekt im normierten NEFZ-Test stärker ausfällt als auf der Straße.

Zudem gibt es Veränderungen in der Fahrzeugnutzung, etwa den stärkeren Einsatz der Klimaanlage. Drei Viertel der Differenz von Norm- und Realwert ist dem ICCT jedoch darauf zurückzuführen, dass die Hersteller immer systematischer Lücken und Toleranzen in den Testvorschriften nutzen.

WLTP stärker am Alltag ausgerichtet

Die Autoindustrie verweist bei Abweichungen zwischen Norm- und Alltagsverbrauch darauf, dass die Laborwerte vor allem eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Autos gewährleisten sollen, nicht aber den individuellen Alltagsverbrauch darstellen können.

Besserung bei der Realitätsnähe von Normwerten soll ein neuer weltweiter Verbrauchs-Messzyklus bringen. Der sogenannte WLTP ist von den Vereinten Nationen bereits verabschiedet und soll ab 2017 eingeführt werden. Der neue Test wird sich stärker am Alltag auf den Straßen orientieren und unter anderem bei höheren Geschwindigkeiten gefahren. Ermessensspielräume und rechtliche Lücken wird aber wohl auch das neue Messverfahren haben. (SP-X)