14. November 2015

Jobs bei VW vorerst nicht in Gefahr Diess: Werden uns nicht um die Zukunft sparen

VW steht wegen des Abgasskandals unter Druck.
VW steht wegen des Abgasskandals unter Druck. © dpa

Von allem Neuwagen sind bei Volkswagen von den falschen CO2-Angaben betroffen. Markenchef Diess sieht aufgrund des Abgasskandals vorerst Jobs bei der Stammbelegschaft nicht in Gefahr.




Die falschen CO2-Angaben in der Abgas-Affäre bei Volkswagen treffen vor allem Neuwagen. Konzernweit erstrecken sich rund 430.000 der insgesamt etwa 800 000 bekannten Fälle bei diesem Thema auf Fahrzeuge aus dem Modelljahr 2016, die zum Großteil bei den Händlern stehen. Das teilte VW am späten Freitagabend in Wolfsburg mit. Der Absatz der Kernmarke schwächelt angesichts des parallelen Skandals um manipulierte Stickoxid-Werte bei Dieselautos unterdessen weiter. VW-Markenchef Herbert Diess sieht aber noch keine Gefahr für Jobs in der Stammbelegschaft.

Betroffen vom CO2-Problem seien Modelle der Kernmarke VW sowie der Töchter Audi, Seat und Skoda. Anfang November hatte Volkswagen nach den im September bekanntgewordenen Fälschungen von Stickoxid-Werten auch beim klimaschädlichen Kohlendioxid von "Unregelmäßigkeiten" berichtet. Behörden, Handelspartner und Importeure würden nun über weitere Erkenntnisse informiert. Geprüft werde auch, ob ältere Modelle mit falschen CO2-Angaben unterwegs sind. Kunden können sich auf der schon für den Diesel-Skandal eingerichteten Internetseite www.volkswagen.de/info erkundigen, ob ihr Wagen betroffen ist.


Rückgang des Absatzes

Im Oktober verkaufte der Konzern mit 490.000 Autos weltweit 5,3 Prozent weniger Wagen seiner Kernmarke VW als ein Jahr zuvor. "Die Marke Volkswagen Pkw erlebt aktuell herausfordernde Zeiten", stellte Vertriebschef Jürgen Stackmann fest. Neben dem Diesel-Debakel zählte er dazu die insgesamt angespannte Lage auf dem Weltmarkt.

Seit Jahresbeginn wurden 4,84 Millionen VW-Wagen ausgeliefert - rund 4,7 Prozent weniger als 2014. Bei allen Konzernmarken betrug das Minus 1,7 Prozent auf knapp 8,26 Millionen. Weil zwischen Bestellung und Auslieferung vieler Autos in Deutschland meist mehrere Wochen oder sogar Monate liegen, könnte sich die Affäre aber später stärker in den Zahlen niederschlagen.

Trotz der immensen Kosten für den Abgas-Skandal will VW in der Kernbeschäftigung auf Stellenkürzungen verzichten. "Ich sehe keine Bedrohung für die Stammbelegschaft", sagte Diess der Nachrichtenagentur dpa in einem Doppelinterview mit Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bei den Bonuszahlungen werde es aber Einbußen geben.

Weitere Verfehlungen nicht bekannt

Diess betonte zudem, es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass es neben den Abgas-Manipulationen und geschönten CO2-Angaben weitere Verfehlungen gebe. Osterloh warnte davor, die gesamte VW-Belegschaft unter Generalverdacht zu stellen. Auf Einschnitte bei der Beteiligung am Gewinn müssten sich die Mitarbeiter aber gefasst machen. Doch auch Diess kündigte an, dass der Vorstand mit Einbußen rechnen müsse.

Mit Blick auf die Zeitarbeiter - von ihnen gibt es bei der Volkswagen AG in Deutschland nach dpa-Informationen gut 7000 - wollte Diess noch keine Einschätzungen geben: "Bei der Übernahme von Leiharbeitern müssen wir sicher vorsichtig sein in der jetzigen Zeit." Zum forcierten Sparprogramm, mit dem sich der Konzern gegen die milliardenschweren Folgen des Skandals stemmt, bemerkte Diess: "Wir waren in einigen Investitionsprogrammen schon etwas großzügig unterwegs. Da haben wir eingegriffen. (...) Wir werden uns sicher nicht um die Zukunft sparen." So gelte es beispielsweise, 2019 oder 2020 eher noch mehr Elektrofahrzeuge ins Programm aufzunehmen.

Sonntag läuft Frist aus

In einem ersten Schritt hat der Konzern 6,7 Milliarden Euro zur Bewältigung des Skandals zurückgelegt und weitere zwei Milliarden Euro für die CO2-Affäre veranschlagt. Diess sieht noch mehr auf VW zukommen, es gebe Risiken: "Etwa durch mögliche Strafzahlungen. Es ist momentan sehr schwer, das genauer abzuschätzen." Unterdessen wurde bekannt, dass auch einige ältere Autos von VW, die bereits die schärfere Euro-6-Abgasnorm erfüllten, bald wohl in die Werkstatt müssen. Nach Informationen der "Heilbronner Stimme (Samstag) geht es dabei um den schon bekannten Motor EA 189, der im Zentrum des Skandals um die manipulierten Stickoxid-Emissionen steht.

Ein Konzernsprecher sagte am Freitagabend auf dpa-Anfrage, es handle sich nur um eine geringe Stückzahl von Modellen, die ab dem Jahr 2009 verkauft worden seien und die man im Laufe interner Untersuchungen zu verschiedenen Kombinationen von Motoren und Modellen identifiziert habe. Die Software, die die Abgasreinigung im Testbetrieb künstlich verstärkt, war nach bisherigen VW-Angaben nur in Motoren der älteren Euro-5-Norm eingesetzt.

Am Sonntag läuft die Frist aus, bis zu deren Ende VW dem KBA einen Lösungsvorschlag für die manipulierte Software bei den mittelgroßen 1,6-Liter-Dieseln vorlegen muss. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR stellt der Konzern das Ergebnis der Untersuchungskommission des Verkehrsministeriums am Montag vor. Dabei seien Testfahrten geplant. Bei diesem Antrieb soll es mit einem Austausch der Software nicht getan sein, auch Hardware am Motor wird verändert. Bei der großen 2,0-Liter-Variante des EA 189 soll ein Update reichen. Eine Lösung für die kleine Ausgabe mit 1,2 Litern Hubraum ist in Arbeit; hier läuft die KBA-Frist am 30. November aus. (dpa)



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