Mornhinweg: «Es ist ein Mercedes»

Mercedes Van-Chef über die neue X-Klasse

Mercedes-Van-Chef Volker Mornhinweg (3.v.r.)
Mercedes-Van-Chef Volker Mornhinweg (3.v.r.) © AG/Flehmer

Mit der neuen X-Klasse will Mercedes eine Lücke im eigenen Van-Portfolio schließen. Von dem bisherigen Markt soll sich der Pickup absetzen, sagte Van-Chef Volker Mornhinweg der Autogazette.

Von Thomas Flehmer

Pickups erfüllen auf dem deutschen Markt gerade einmal eine Nischenposition mit aufsteigender Tendenz. Doch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten sind die Nutzfahrzeuge mit kleiner Ladefläche sehr begehrt und werden immer begehrter. Innerhalb von zehn Jahren soll der globale Markt um eine Million Einheiten pro Jahr auf 3,2 Millionen Pickups anwachsen, was einem Plus über 43 Prozent entspräche.

«In Südafrika ist heute schon jedes fünfte Fahrzeug ein Pickup», sagte Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth bei der Vorstellung der X-Klasse in Kapstadt. In Argentinien und Australien verfügt jedes fünfte Auto über eine Ladefläche. Zwar betritt Mercedes mit der X-Klasse nicht gerade Neuland, doch liegen die Zeiten des ersten «Bakkies», wie Pickups in Südafrika bezeichnet werden, schon länger zurück. Ein umgebauter 180 D fuhr über die Straßen zur Zeit, als «Rahn aus dem Hintergrund schießen müsste» und Deutschland erstmals zum Fußballweltmeister machte – also vor 63 Jahren.

«Wollen uns vom Markt absetzen

Mit dem neuen Pickup will sich Daimler nun auch ein Stück vom Kuchen absichern, der besonders auf der Südhalbkugel zwischen Brasilien und Argentinien sowie Australien und Neuseeland und halt Südafrika und Nachbarländer verteilt wird. Wie es sich für die Stuttgarter verhält, gesellt sich nun nicht ein einfacher Pickup ins Segment. Nein, «mit der X-Klasse verfeinern wir einen Pickup zu einem Premiumfahrzeug. Unser Focus liegt dabei auf dem bestehenden Markt, von dem wir uns absetzen wollen», sagte Van-Chef Volker Mornhinweg am Rande der Weltpremiere im Gespräch mit der Autogazette.

Dass die Basis dabei der Nissan Navara aus der Partnerschaft mit der Renault-Nissan-Allianz bildet, ist dem Automanager egal. «Es ist ein Mercedes», so Mornhinweg. Und ganz Unrecht hat er dabei nicht, denn Mercedes hat das Fahrwerk optimiert und die Spur verbreitert, was der X-Klasse besonders im Gelände zu Gute kommt.

«Für einen Pickup ist das Premium»

Die Mercedes X-Klasse bereitet auch auf dem Rennkurs viel Freude
Die Mercedes X-Klasse bereitet auch auf dem Rennkurs viel Freude AG/Flehmer

Allerdings müssen Fahrer von Mercedes-Pkw Abstriche machen. Auch wenn die X-Klasse vor allem in der Topvariante «Power» Premium und Lifestyle verkörpert, so ist an dem 5,35 Meter langen Gelände-Boliden auch viel Plastik verarbeitet, was laut Mornhinweg auch sein muss.

«Für einen Pickup ist das Premium», sagt Mornhinweg von der soliden Trittfläche vor der Ladefläche herunter. Denn Premium muss bei den kleinen Nutzfahrzeugen auch noch mehr als nur ein gewisses Maß an Praxis enthalten. Schließlich ist soll die X-Klasse – trotz aller Premiumanmutungen – auch in der Landwirtschaft potenzielle Kunden anlocken.

Auf der Spur des VW Amarok

Doch nicht nur da. Mornhinweg denkt auch ein wenig an den Heimatmarkt. «In Deutschland gibt es einen gewissen Trend über Premium zum Lifestyle hin», sagt Mornhinweg. In der Tat hat VW im vergangenen Jahr den Amarok auch ordentlich herausgeputzt. Diesem Trend wird Mercedes folgen und der X-Klasse im kommenden Jahr mit dem X 350 d einen Sechszylinder verpassen. Das Aggregat steht gerade besonders im Blickpunkt bei der «freiwilligen Servicemaßnahme», mit der Daimler im Zuge der Abgas-Thematik für frische Lust sorgen möchte.

Aufgrund der Entwicklungszeit der vergangenen Jahre, in deren Zeitraum Daimler einen hohen dreistelligen Millionenbetrag investiert hat, wird auch die X-Klasse mit den derzeit unter Verdacht stehenden Motoren bestückt. Mornhinweg verspricht, dass die Motoren sauber sein werden. Doch auch das saubere Aggregat, dass in Verbindung mit der top ausgestatteten X-Klasse um die 55.000 Euro kosten wird, wird trotz Premiumcharakter das Pickup-Segment in Deutschland nicht aus der Nische ziehen.