Hyundai Deutschland setzt zur vier Prozent-Hürde an

Brennstoffzellenauto in Kleinserie

Bereits in Kleinserie am Start: Das Brennstoffzellenauto Hyundai ix35 FuellCell
Bereits in Kleinserie am Start: Das Brennstoffzellenauto Hyundai ix35 FuellCell © Hyundai

Hyundai Deutschland hält trotz einer kleinen Delle im ersten Halbjahr an den Verkaufszielen fest. Moderat will der Deutschland-Ableger des südkoreanischen Autoherstellers in den kommenden Jahren wachsen.

Von Thomas Flehmer

Der Besuch von Martin Winterkorn bei der letzten IAA 2011 in Frankfurt auf dem Stand von Hyundai entwickelte sich schnell zum Klassiker. Der VW-Chef zitierte hinter dem Voland des neu vorgestellten Golf-Konkurrenten i30 sitzend seinen Chefdesigner zu sich, um ihm gehörig aufzuzeigen, was bei Hyundai geht, aber nicht bei den Wolfsburgern. Über 1,8 Millionen Mal wurde der Clip auf der Internetplattform "YouTube" seitdem aufgerufen.

Hyundai-Design als Kaufgrund

Doch der vermeintliche Internet-Spaß bedeutet einen weiteren und wichtigen Einschnitt in der Firmengeschichte des deutschen Ablegers von Hyundai. "Wir liegen in Deutschland in der Marken- und Produktbekanntheit sowie in der Kundenzufriedenheit und im Verkauf im hinteren Drittel", sagt Markus Schrick, Geschäftsführer von Hyundai Deutschland.

Der Internet-Gig brachte den koreanischen Ableger zumindest in der Bekanntheit wieder ein Stück voran. Denn seit dem letzten Jahr hat das Design als Kaufgrund Nummer eins den langjährigen Spitzenreiter Preis-Leistungs-Verhältnis abgelöst. Und wer nach dem Design geht, sollte sich das zu kaufende Objekt vorher bestimmt einmal begutachtet haben.

Zweikampf mit Renault

Etwas mehr als 100.000 Einheiten wurden 2012 in Deutschland verkauft, in diesem Jahr werden 102.000 Verkäufe geplant, auch wenn von Januar bis Juli die Verkäufe um 2,2 Prozent zurückgingen. „Wir werden aber an unseren Zielen festhalten, denn wir gehen davon aus, dass sich der Automarkt leicht erholen wird. Zudem befinden wir uns unter den Gewinnern im deutschen Markt“, so Schrick weiter. Trotz weniger Verkäufe konnte in den ersten sechs Monaten der Marktanteil um 0,2 Prozent auf 3,4 Prozent gesteigert werden.

In kleinen Schritten soll es laut dem Geschäftsführer auch weitergehen. „Wir setzen auf ein moderates Wachstum. In drei, vier Jahren wollen wir vier Prozent Marktanteil erreichen. Das ist ein vernünftiges und erreichbares Ziel.“ Die Spitze der Importeure, die Skoda mit 5,1 Prozent – und somit großem Abstand – anführt, gehört nicht zu den Zielen. Derzeit rangelt Hyundai mit Renault um den zweiten Rang. „Wir haben das Ziel, unsere Planzahlen zu erreichen, daran orientieren wir uns. Wenn Renault dann vor uns liegt, dann soll es so sein“, so Schrick, der allerdings kämpferisch nachschiebt, dass es „ein schöner Seiteneffekt wäre, Zweiter zu sein.“

Hyundai setzt auf Brennstoffzelle statt Elektro

Der neue Hyundai i10 feiert Premiere auf der IAA.
Hyundai hat auch den i10 überarbeitet Hyundai

Um die Ziele zu erreichen, zieht Hyundai Deutschland zum Oktober von Neckarsulm nach Offenbach zur Europa-Zentrale des Unternehmens und erhofft sich dadurch Synergieeffekte. Und auch die Struktur der rund 380 Händler, 100 Filialen und 80 Service-Stützpunkte soll durch ein gezieltes Scanning verbessert werden. Auch das Flottengeschäft soll weiter ausgebaut werden. Und – im Zuge des Einstiegs von Hyundai in die Rallye-Weltmeisterschaft WRC im kommenden Jahr – denkt der Motorsport-affine Geschäftsführer auch über einen eigenen Markenpokal nach, um so neue Kunden zu gewinnen und Bestandskunden zu halten.

Allerdings sind das Begleiterscheinungen beim Wachstum. Das Hauptaugenmerk liegt auf der aktuellen und zukünftigen Modellpalette. Neben dem i10, dem ix35, dem i20 WRC und dem Grand Santa Fe wird auf der IAA im September auch ein Brennstoffzellenfahrzeug präsentiert, das seit Januar in Kleinserie aufgelegt wird. "20 Stück werden im kommenden Jahr auch in Deutschland zur Verfügung stehen. Wir sind nicht auf einem Elektrotrip, sondern sehen die Brennstoffzelle als Lösung", sagt Schrick – und fordert zugleich die Politik auf, auch „etwas zur Infrastruktur beizutragen.“ Denn noch gibt es nur wenige Tankstellen in Deutschland – 15 an der Zahl, die in den kommenden zwei Jahren auf 50 anwachsen soll.

Warten auf Winterkorn

Hyundai hat den ix35 sehr dezent überarbeitet.
Auch den Hyundai ix35 kann der VW-Chef auf der IAA sehen Hyundai

Für Winterkorn sicherlich wieder eine Gelegenheit, in knapp zwei Wochen dem Hyundai-Stand wieder einen Besuch abzustatten. Schrick, der früher zusammen mit Winterkorn bei Audi arbeitete, freut sich schon. "Alle Mitarbeiter haben Handys am Mann, um sofort mit Winterkorn ins Auto zu springen." Und dann selbst dazu beitragen, dass Hyundai in Deutschland wieder ein Stückchen bekannter wird.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.