11. Februar 2015

Fahrbericht Unterwegs mit dem 1. 0 Ecofuel Seat Mii: Vorteil Erdgas

Der Seat Mii ist auch als Erdgasvariante erhältlich. Fotos ▶
Der Seat Mii ist auch als Erdgasvariante erhältlich. © Seat

Der Seat Mii ist ein ideales Auto für die Stadt - und das nicht nur wegen der kompakten Abmessungen. Vor allem mit der Erdgas-Variante des Kleinstwagens kann man auch ökologisch korrekt unterwegs sein.




Von Frank Mertens

Ihr Anteil an den Neuzulassungen ist gestiegen, aber in in absoluten Zahlen betrachtet fristen Erdgasfahrzeuge weiterhin ein Schattendasein. So wurden im vergangenen Jahr nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gerade einmal etwas mehr als 9100 Pkw und Nutzfahrzeuge mit Erdgasantrieb neu zugelassen, ein Zuwachs von 2,3 Prozent zum Vorjahr.

Dass die Nachfrage nach Autos mit CNG-Antrieb so gering ist, ist dabei nicht nachvollziehbar - denn diese alternative Antriebsart bietet nur Vorteile. Der Erdgaspreis ist niedrig, bewegt sich in Berlin beispielsweise derzeit für ein Kilogramm bei 1,07 Euro. Dass der Preis so niedrig bleibt, steht so gut wie fest. Denn die 2018 auslaufende steuerliche Förderung dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit fortgesetzt werden. Also was spricht noch gegen den Kauf? Das Tankstellennetz? Nein, spricht es nicht. Bundesweit gibt es mittlerweile 920 Stationen, genug, um nicht Gefahr zu laufen, irgendwo liegen zu bleiben. Zudem haben Erdgasfahrzeuge auch noch einen Benzintank - der entsprechend auch dem größten Pessimisten die Sorgen nimmt.


Schluss mit den Vorbehalten

Was bleibt dann noch an Vorbehalten? Die Sicherheit! Doch die Zeiten, in denen Erdgasfahrzeuge nicht in Tiefgaragen fahren durften, sind lange vorbei. Und was ist mit dem Preis? Ja, er ist höher - aber zum einen amortisiert er sich schnell durch die niedrigeren Kraftstoffkosten, zum anderen gibt es verschiedene Förderprogramme örtlicher Energieversorger. Sie fördern den Kauf mit bis zu 1250 Euro.

Damit sind die Mythen, die sich um das Erdgasfahrzeug ranken, ausgeräumt. Doch welches Auto sollte man sich anschauen? Es kommt wie immer auf den Einsatzzweck ein. Wer lange Strecken zurücklegt, der dürfte mit einem Fahrzeug wie beispielsweise dem Skoda Octivia G-TEC oder dem VW Golf gut bedient sein. Und wie schaut es in der Stadt aus? Hier bietet der VW-Konzern mit dem VW Up, dem Skoda Citigo und dem Seat Mii gleich drei annähernd baugleiche Erdgasfahrzeuge an. Wir haben die CNG-Variante des spanischen Autobauers Seat getestet, den 1.0 Ecofuel mit 68 PS.

Schlicht gehalten - das Cockpit des Mii
Schlicht gehalten - das Cockpit des Mii © Seat

Mit einer Länge von gerade einmal 3,55 Metern ist der Seat Mii ein idealer City-Flitzer. Dank seiner kompakten Maße findet man mit ihm ziemlich unproblematisch eine Parklücke, selbst in einer Großstadt wie Berlin. Vor allem aber lässt es sich mit ihm ökologisch korrekt durch die Stadt fahren. So kommt der Erdgas-Mii gerade einmal auf einen Verbrauch von 2,9 Kilogramm auf 100 Kilometern. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von nur 79 g/km. Gut, bei den Testfahrten wurde dieser Wert verfehlt, aber auch nur knapp: am Ende zeigte der Bordcomputer 3,4 kg an. Dieser Wert resultiert aber auch aus einem hohen Anteil von Stadtfahrten. Entsprechend zufrieden kann man mit diesem Verbrauch auch sein. Legt man den oben genannten Kilopreis von 1,07 Euro zu Grunde, konnten die 100 Kilometer im Mii somit für rund 3,73 Euro zurückgelegt werden. Das ist eine Ansage.

Kein Ausbund an Sportlichkeit

Natürlich ist dieser Seat Mii mit seinen 68 PS kein Ausbund an Sportlichkeit und Kraft. So kommt er gerade einmal auf ein maximales Drehmoment von 90 Nm, das erst bei 3000 Touren anliegt. Und mit seiner Sprintfähigkeiten von 15,3 Sekunden auf Tempo 100 und einer Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h kann man auf ein Ampelduell mit ihm getrost verzichten. Aber darum geht es schließlich nicht. Die Kraft, die der Mii seinem Fahrer bietet, reicht. Sie reicht für die Stadt - und sie reicht sogar für die Fahrt auf der Autobahn, wenn man Überholvorgänge etwas vorausschauender plant.

Der Mii verfügt nicht nur über ein gutes Fahrverhalten - aufgrund des geringen Radstandes von 2,42 Metern merkt man Querfugen doch recht deutlich - sondern auch über eine direkt ansprechende Lenkung und ein eigentlich gut funktionierendes manuelles Fünfganggetriebe. Eigentlich deshalb, weil der Rückwärtsgang bei unserem Testwagen doch etwas hakelig einzulegen war.

Der Seat Mii ist klein und wendig
Der Seat Mii ist klein und wendig © Seat

Ansonsten lässt es sich selbst für Großgewachsene im Mii bequem sitzen, auch wenn die Oberschenkelauflage für Leute um die 1,90 Meter etwas länger sein dürfte. Auch ist der Innenraum sachlich, ja nüchtern gestaltet. An den Seitentüren sieht man ebenso wie an der Mittelkonsole das Blech und im Fond gibt es nur Ausstellfenster, aber das sind Dinge, die man bei einem Auto dieser Klasse durchaus verständnisvoll hinnimmt. Dafür entschädigt der Kleine einen nicht nur durch seine geringen Verbrauchswerte, sondern auch durch den Platz im Fond, wo auch zwei Erwachsene mehr oder minder bequem sitzen können.

Aber der Mii ist nun einmal kein Familienauto - sondern ein zuverlässiger Begleiter für die Stadt - und mit seinem Erdgasantrieb auch nicht nicht gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. Es wird also Zeit, sich mal näher mit dem Thema Erdgas zu befassen. Der Erdgas-Mii steht als Dreitürer für faire 12.160 Euro in der Preisliste. Und wie gesagt: Käufern von Erdgasfahrzeugen winken Förderungen.






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