Seat Mii: Cleverer unterwegs mit Erdgas

Rechnen lohnt sich

Seat Mii
Der Seat Mii agiert nicht nur in der Stadt souverän. © AG/Mertens

Der Erdgas-Mii von Seat ist Sieger der Umweltliste des VCD. Ein Verkaufshit ist er deshalb nicht. Zu verstehen ist das nicht, denn trotz eines höheren Anschaffungspreises spricht alles für die CNG-Variante.

Von Frank Mertens

Eigentlich müsste der Seat Mii 1.0 Ecofuel Start-Stopp ein Verkaufsrenner sein. Schließlich gehört er zu den umweltfreundlichsten Autos in seiner Klasse. Im August wurde die Erdgasvariante des Kleinstwagens gerade vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zusammen mit dem baugleichen VW Up und Skoda Citigo zu den Siegern der diesjährigen VCD-Umweltliste gekürt.

Mit dieser Auszeichnung können nur solche Modelle rechnen, die besonders umweltverträglich sind. Wenn schon ein Auto, dann so eins, heißt es bei dem Automobilclub für Umweltbewusste. Doch in der Käufergunst spielt dieses Modell nur eine nachgeordnete Rolle. Von den in den ersten neun Monaten dieses Jahres nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) neu zugelassenen 8513 Seat Mii entfielen nach Angaben des Hersteller bis Ende Oktober gerade einmal 4,6 Prozent auf die 68 PS starke CNG-Variante. Anspruch und Wirklichkeit gehen trotz des gestiegenen Umweltbewusstseins der Kunden ganz offensichtlich auseinander.

Seat Mii in Effizienzklasse A+

Schade eigentlich, denn mit seinem CO2-Ausstoß von gerade einmal 79 g/km ist dieser Mii mit der Effizienzklasse A+ unterwegs. Besser ist kein anderes Modell dieser Baureihe, auch nicht die 60 PS starke Ecomotive-Variante (CO2-Wert 95 g/km, Effizienzklasse B). Da stellt sich die Frage nach dem Warum für die verhaltene Nachfrage? An den Fahrleistungen kann es nicht liegen: denn die unterscheiden sich nur marginal von denen der Spritsparvariante.

Der Seat Mii
Das Cockpit des Seat Mii Seat

Während die Erdgasvariante in zugegeben beschaulichen 15,8 Sekunden Tempo 100 erreicht, erreicht die Ecomotive-Variante diese Marke 1,4 Sekunden eher. Und auch bei der Höchstgeschwindigkeit nehmen sich beide Modelle nichts: 164 km/h sind es bei der CNG-, 161 km/h bei der Spritsparvariante. Was kann es dann sein? Womöglich der Preis: Denn für die Einstiegsversion des Seat Mii mit CNG werden in der Ausstattungsvariante mindestens 12.160 Euro fällig, das Ecomotivemodell steht mit 9610 Euro in der Preisliste. Das ist ein Preisunterschied von 2550 Euro. Gerade in dem preissensiblen Segment der Kleinstwagen ist dies eine Ansage, die abschreckt.

Eindeutig niedrige Betriebskosten

Seat Mii
Das Heck des Seat Mii Seat

Doch das Nachrechnen hilft. Legt man wie wir einen mit der Preissuchmaschine ermittelten Preis von 1,459 Euro für den Liter Super und von 1,139 Euro für das Kilogramm Erdgas bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 km zu Grunde und veranschlagt einen Durchschnittsverbrauch von 4,4 Litern beziehungsweise 2,93 kg, dann muss man pro Jahr an der Tankstelle für das Erdgasfahrzeug 48 Prozent weniger bezahlen als für den Benziner: 962,94 Euro stehen hier 501,16 Euro gegenüber, eine Ersparnis von 461,78 Euro.

Da die Preise jedoch Schwankungen nach oben und unten aufweisen, muss das zwar nur als Zirka-Angabe verstanden werden, doch die Tendenz ist klar: alles spricht für Erdgas. Nun mag man einwenden, dass das Tankstellennetz für Erdgas gerade einmal rund 1000 Stationen aufweist, doch dieses Argument zieht nicht wirklich. Denn der Seat Mii läuft sowohl mit Erdgas als auch Super. Angst vor fehlender Reichweite muss also niemand haben.

Und fährt er sich anders als ein Ottomotor: Aber nein, Unterschiede sind da nicht feststellbar. Der Kleine macht seine Sache mit CNG genauso gut wie der ausschließlich mit Super angetriebene Mii – dafür ist er aber umweltschonender, sprich mit einem geringeren CO2-Ausstoß unterwegs. Allein dieser Umstand sollte es einem schon Wert sein, etwas mehr für den Sieger der Umweltliste zu bezahlen. Der Verbrauch bei durchaus flotter Fahrweise lag bei unseren Testfahrten übrigens bei 3,3 kg auf 100 Kilometern, bei umsichtiger Fahrweise zeigte der Bordcomputer einen Wert von 2,9 kg an. Das ist übrigens der Wert, den der Hersteller als Durchschnittsverbrauch angibt. Das kommt auch selten vor, dass ein Auto dem vom Hersteller genannten Drittelmix entspricht.