21. Februar 2016

Verkäufe brechen ein Dieselautos werden in USA zum Ladenhüter

Der Diesel wird in den USA kaum mehr nachgefragt
Der Diesel wird in den USA kaum mehr nachgefragt © dpa

Der VW-Abgasskandal hat auch Auswirkungen auf die Verkäufe von Dieselfahrzeugen anderer Hersteller. So sank bei Mercedes die Zahl der verkauften Selbstzünder im Januar drastisch. Kleiner Trost: der Diesel spielte auch bisher keine wichtige Rolle.




Nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen werden auch die Dieselautos anderer deutscher Hersteller in den USA zu Ladenhütern. Bei Mercedes-Benz sank im Januar die Zahl der verkauften Dieselautos in den USA um rund 65 Prozent im Jahresvergleich, bei BMW ging der Wert um 62 Prozent zurück, wie Anfragen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX bei den Konzernen ergaben. Der Dieselanteil an den US-Verkäufen war bei beiden Herstellern allerdings schon vorher sehr gering.

Mercedes verkaufte im Januar in den USA noch 334 Wagen mit Dieselmotoren, bei BMW waren es 205. Das Land, in dem die Abgas-Manipulationen von VW aufgedeckt wurden, ist aber nach Angaben eines BMW-Sprechers der einzige Markt, in dem die Dieselverkäufe der Bayern seitdem deutlich gelitten haben. Eine Daimler-Sprecherin betonte, dass der Absatz von Dieselautos in den USA von Monat zu Monat variiere. Er habe in den letzten Jahren weniger als fünf Prozent der Gesamtverkäufe in den USA ausgemacht.

Inklusive Benzinern legten die US-Verkäufe bei Mercedes im Januar minimal zu. Mercedes-Benz verkauft derzeit die Modelle GLS, GLE und E-Klasse in den USA als Diesel. BMW ist mit 3er, 5er, X3 und X5 am Markt. VW und Audi bieten in dem Land inzwischen gar keine Dieselautos mehr an.


Schaden für Dieselstrategie

"Die Diesel-Strategie, die die deutsche Automobilindustrie seit vielen Jahren insbesondere auf dem wichtigen US-Markt verfolgt, wurde durch die Vorgänge in einem großen Unternehmen erheblich beschädigt", hatte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, zu Jahresbeginn mit Blick auf VW gesagt. Die deutschen Autobauer waren bis zuletzt führend auf dem Dieselmarkt, vor allem VW. Die meisten US-Hersteller haben überhaupt keine Dieselautos im Programm.

In Deutschland ist der Diesel dagegen deutlich beliebter. Bei BMW sind fast drei von vier in Deutschland verkauften Autos Diesel. Nach Berechnungen des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen lag der Dieselanteil bei Mercedes in den ersten acht Monaten 2015 in Deutschland bei 59 Prozent, bei der Marke VW waren es 55 Prozent.
Ein wichtiges Argument für den Diesel schwächt sich allerdings derzeit ab: Der Ölpreis - und damit auch der Preis für Kraftstoff - liegt auf einem extrem niedrigen Niveau. Der Preis für die Nordseesorte Brent ist seit Mitte 2014 um fast drei Viertel abgestürzt.

Dieselautos verbrauchen vergleichsweise etwas weniger Kraftstoff als Benziner, außerdem wird Diesel in Deutschland weniger besteuert als Benzin. In Deutschland kostete ein Liter Superbenzin im Januar laut ADAC im Schnitt rund 1,24 Euro, ein Liter Diesel 0,99 Euro. Im Gesamtjahr 2013, also vor Beginn der Talfahrt des Ölpreises, kostete ein Liter Super im Schnitt 31 Cent mehr, Diesel war 43 Cent teurer. Der Spritpreis fällt damit bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung vor der Anschaffung eines Autos weniger ins Gewicht. In den USA gibt es dagegen keine steuerliche Begünstigung von Diesel. Er ist dort in der Regel sogar teurer. (dpa)



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