7. April 2011

Emissionsfreie Mobilität Opel Hydrogen4: Der Stoff, aus dem die Träume sind

Der Hydrogen4 von Opel unterwegs in Berlin
Der Hydrogen4 von Opel unterwegs in Berlin © Opel

Opel blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die Rüsselsheimer sehen sich mit Blick auf die nachhaltige Mobilität in einer Führungsrolle. Neben dem Elektroauto Ampera liegt dabei der Augenmerk auf der Brennstoffzelle.




Von Frank Mertens

Ende des Jahres wird es so weit sein. Dann wird Opel sein Elektroauto Ampera in Deutschland auf den Markt bringen. Ein Elektroauto, bei dem die Kunden sich dank eines integrierten Verbrennungsmotors keine Gedanken über fehlende Reichweite machen müssen. Rein elektrisch lassen sich so– je nach Fahrweise – zwischen 40 bis 80 Kilometer zurücklegen.

Wenn die Lithium-Ionen-Batterien erschöpft sind, schaltet im Ampera der Verbrennungsmotor unmerklich zu und ermöglicht so eine Reichweite von 500 Kilometer. "So etwas bietet kein anderer Hersteller. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Christian Kunstmann, einer der für den Ampera verantwortlichen Ingenieure. Der Ampera wird damit das erste serienmäßige Elektroauto eines deutschen Herstellers auf dem Markt sein. Es ist das Auto, mit dem Opel zeigen will, dass man eine Führungsrolle bei der Elektromobilität beansprucht.


Opel bringt 2013 Elektro-Kleinwagen

Doch die Rüsselsheimer, die gerade ein glänzendes erstes Quartal hinter sich gebracht haben, denken längst weiter, stellen sich angesichts der Endlichkeit der fossilen Energieträger breiter auf. Dabei liegt neben dem Elektroantrieb – neben dem Ampera will man ab 2013 einen elektrischen Kleinwagen auf den Markt bringen – der Fokus auf der Brennstoffzelle.

"Die Zukunft der individuellen Mobilität sehen wir mittelfristig in Elektroautos auf Brennstoffzellen-Basis", ist Lars-Peter Thiesen überzeugt, bei Opel verantwortlich für die die Einführungsstrategie von Brennstoffzelle und Wasserstoff.


Betankung mit Wasserstoff des Hydrogen4
Betankung mit Wasserstoff des Hydrogen4 © Opel

Trotz aller Krisen in den zurückliegenden Jahren, bei denen auch die Zukunft der Traditionsmarke ungewiss war, hat Opel, hat der Mutterkonzern GM, an dieser Technologie festgehalten.

Weltweit sind derzeit 100 Testfahrzeuge im Dauereinsatz unterwegs, die mittlerweile zusammen drei Millionen Kilometer absolviert haben. 80 Autos in den USA und jeweils zehn in Asien und Europa. "Und das ohne größere Beanstandungen. Sie haben damit ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis gestellt", so Thiesen.

Zehn Hydrogen4 in Berlin im Einsatz

Im Rahmen der Clean Energy Partnership, kurz CEP, genannt, sind alle zehn für Europa gedachten Autos des Typs Hydrogen4 in Berlin unterwegs, unter anderem als Pannenfahrzeug des ADAC. "Realere Bedingungen für die Nutzung gibt es nicht", stellt Thiesen fest. Die Daten der Fahrzeuge werden dabei akribisch erfasst. Über WLAN werden sie direkt an Opel übermittelt, analysiert und für die Entwicklung der nächsten Generation genutzt.

Auf den Markt kommen wird sie im Jahr 2015. Folgt man den Aussagen von Thiesen, dann findet bis dahin ein enormer Entwicklungssprung statt. In vier Jahren wird die Antriebseinheit nicht nur über das halbe Gewicht sondern auch das halbe Volumen verfügen. Der Stolz darüber ist Theisen anzumerken.

Das Pannenfahrzeug des ADAC
Das Pannenfahrzeug des ADAC © ADAC

Bis dahin geht Thiesen davon aus, dass sich die Kostenstruktur dieser Technologie noch deutlich nach unten bewegt. Daneben sei es aber wichtig, dass bis dahin die Infrastruktur an Wasserstofftankstellen vorhanden ist. Derzeit ist dies ohne Frage neben den Kosten eines der großen Probleme für eine Marktdurchdringung.

Wie Rittmar von Helmholt aus der Opel-Forschungsabteilung berichtet, seien für die Errichtung von 2000 Wasserstofftankstellen Investitionen von drei Milliarden Euro notwendig. "Bedenkt man, dass jedoch auf zehn Prozent der Fläche in Europa bereits 53 Prozent aller Autos unterwegs sind, würde man mit einem Netz von 150 Wasserstofftankstellen bereits einen wichtigen Schritt zu einer akzeptablen Abdeckung tun", so Helmholt.

Brennstoffzelle mit deutlichen Vorteilen

Der Opel Ampera kommt Ende des Jahres auf den Markt
Der Opel Ampera kommt Ende des Jahres auf den Markt © Opel

Die Frage ist nur, wer diese Investitionen tätigt. Aber hierüber macht sich auch die CEP Gedanken. Was die Brennstoffzelle in der Lage ist zu leisten, beweist in diesen Wochen auch der Autobauer Daimler. Die Stuttgarter sind seit dem 30. Januar mit drei Mercedes B-Klasse Fuel-Cell-Fahrzeugen auf einer Welttour über 30.000 Kilometer unterwegs. Bereits heute, sagt Thiesen, biete die Brennstoffzelle gegenüber dem klassischen Elektroauto deutliche Vorteile. Beispielsweise lässt sich ein Fahrzeug wie der Hydrogen4 in gerade einmal drei Minuten mit 4,2 Kilogramm Wasserstoff bei 700 bar betanken – damit liegt man auf dem Niveau eines klassischen Autos mit Verbrennungsmotor. Bei Elektroautos dauert die Ladung der Batterien einige Stunden, ein großer Nachteil für den Alltagsgebrauch.

Mit dem Hydrogen4 kann derzeit eine Reichweite von 320 Kilometern erreicht werden, mehr als mit jedem Elektroauto. Dabei würde die Brennstoffzellentechnologie im Hydrogen4 mit seinen zweimal 220 in Reihe geschalteten Zellen sogar noch mehr Reichweite ermöglichen. Doch derzeit ist der Antrieb in das bereits bestehende Fahrzeugkonzept des Chevrolet Equinox verbaut worden. Würde man es in ein dafür primär für diese Technologie konzipiertes Auto verbauen, ständen 500 Kilometer zur Verfügung, berichtet Thiesen.

Aha-Erlebnis beim Fahren

Der Hydrogen4 an einer Wasserstofftankstelle
Der Hydrogen4 an einer Wasserstofftankstelle © Opel

Schaut man auf die Leistungsdaten dieses Brennstoffzellenautos, dann bietet es seinem Fahrer Autofahren mit einem Aha-Erlebnis. Denn der es auf eine Leistung von 99 PS bringende Hydrogen4 stellt sein Drehmoment von 320 Nm sofort zur Verfügung. Für ein immerhin 2100 Kilogramm schweres Auto mit einer Länge von 4,80 Metern beschleunigt es in beachtlichen 12 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 160 Kilometer begrenzt.

Im Vergleich mit dem Equinox mit Verbrennungsmotor ist der Hydrogen4 doppelt so effizient: 9,6 Liter auf 100 Kilometer stehen 4,6 Kilogramm Wasserstoff gegenüber, die den Auspuff verlassen. Diese Zahlen sprechen eindeutig für die Brennstoffzelle. Angesichts seiner Brennstoffzellen-Kompetenz und seines Elektroautos Ampera sieht sich Opel gerüstet für die Herausforderungen an nachhaltige Mobilität.



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