25. November 2014

Fahrbericht Mit Brennstoffzelle in die Zukunft Toyota Mirai: Japanischer Trendsetter

Der Toyota Mirrai wird mit einer Brennstoffzelle angetrieben. Fotos ▶
Der Toyota Mirrai wird mit einer Brennstoffzelle angetrieben. © Toyota

Mit dem Mirai bringt der Toyota das erste Serienauto mit Brennstoffzelle auf den Markt. Das Auto bringt es auf eine Reichweite von 500 Kilometer. Damit geben die Japaner wie beim Hybrid wieder einmal das Tempo vor.




New Port Beach ist ein Mekka der Luxuslimousinen. Hier stehen in den Garagen mehr Bentley und Rolls-Royce als bei uns Audi und BMW. Doch wenn es nach Takechi Uchiyamada geht, macht man hier mit all den Supersportwagen und Luxuslimousinen bald keinen Stich mehr.

Denn Uchiyamada ist Chairman von Toyota und bittet zur ersten Testfahrt mit einem Fahrzeug, das für die Japaner nichts weniger verkörpert als die Zukunft des Autos: Dem neuen Toyota Mirai. Benannt nach dem japanischen Wort für Zukunft, ist er weltweit das erste echte Serienauto mit Brennstoffzelle. In einer chemischen Reaktion aus Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt sie den Strom für einen Elektromotor und stößt kein anderes Abgas aus als Wasserdampf.


500 Kilometer Reichweite

Und während man Akku-Autos nach wenigen hundert Kilometern stundenlang laden muss, reichen die Wasserstofftanks des Mirai für 500 Kilometer und sind nach fünf Minuten wieder voll. Uchiyamada ist sicher, dass sich dieses Konzept durchsetzen wird: „Das letzte Jahrhundert war das von Benzin und Diesel, das jetzige gehört dem Wasserstoff.“

Zwar weiß er, dass ihn manche Kollegen im eigenen Haus und erst recht bei der Konkurrenz für verrückt halten. Schließlich wird die Brennstoffzelle nun schon seit über 20 Jahren erforscht, ist immer wieder angekündigt und dann doch verschoben worden. Uchiyamada ist Realist genug, dass er erst einmal mit wenigen Hundert Autos im Jahr rechnet, bevor die Produktion im nächsten Jahrzehnt in die Zehntausende geht. Aber wer am Mirai zweifelt, der müsse nur auf den Prius schauen: Der war am Anfang auch nur eine Lachnummer - und ist mittelweile eine weltweite Erfolgsgeschichte. Und weil die ebenfalls in Kalifornien begonnen hat, ist Uchiyamada mit dem Mirai jetzt an die Westküste zurückgekommen.

Stromlinienförmiges Design

Der Innenraum des Mirrai
Der Innenraum des Mirrai © Toyota

Für den großen Auftritt zwischen Muscle Cars und Luxuslinern ist der Toyota bestens gerüstet: Weil das Auto hier mehr als überall sonst ein Statussymbol ist, trägt der Mirai ein Design, das einem Bugatti oder Bentley in nichts nachsteht. Vielleicht nicht ganz so elegant, aber mindestens genau so auffällig. Denn 4,90 Meter lang und mit einem stromlinienförmigen Profil, vorne mit riesigen Lufteinlässen und hinten mit einem mächtigen Heck, sieht der Toyota aus wie ein Raumschiff, mit dem Captain Future einen Besuch in der Gegenwart macht. „Wenn ein Auto schon Zukunft heißt, dann sollte es auch ein bisschen futuristisch daherkommen“, sagt Chief Engineer Satochi Ogiso und verweist einmal mehr auf den Prius: „Von dem haben wir gelernt, dass ein unkonventionelles Design ein wichtiger Baustein des Erfolges ist.“

Sobald man in den Mirai einsteigt, ist man aber gleich wieder im Hier und Heute. „Auch wenn die Bildschirme ein bisschen größer und bunter sind und Sensortasten im Cockpit einen Hauch von Hightech simulieren, fühlt sich der Mirai deshalb nicht viel anders an als ein etwas modernisierter Prius. Das gilt allerdings leider auch für das Platzangebot. Weil vorn unter der Haube schon der E-Motor und die ganze Elektronik stecken, mussten die Brennstoffzelle (unter dem Fahrersitz), die zwei Wasserstofftanks (vor und hinter der Hinterachse) und die Pufferbatterie aus dem Prius (unter dem 450-Liter-Kofferraum) ja irgendwo hin. Dass da ein bisschen Knie- und Kopffreiheit auf der Strecke bleiben, darf keinen wundern.

Stolze 1,9 Tonnen Gewicht

Auch beim Fahren sind die Unterschiede vergleichsweise gering: Der Mirai ist ein bisschen lauter, weil neben dem E-Motor immer irgendwo noch ein Lüfter oder ein Verdichter läuft. Und er ist ein bisschen behäbiger, weil er stolze 1,9 Tonnen wiegt, die er vor allem auf den schartigen Highways und in engen Kurven nicht verhehlen kann. Aber man rückt den Schaltstummel auf D, tritt aufs Pedal und surrt los, als wäre die Brennstoffzelle das normalste der Welt. Und zumindest wenn man nicht in den spaßfreien Eco-Modus wechselt, sind die Fahrleistungen absolut alltagstauglich: 0 auf 100 in 9,6 Sekunden und maximal 178 km/h – damit kann man sich auch in Europa bedenkenlos auf die Straße trauen.

Das Aussehen futuristisch, der Antrieb seiner Zeit voraus, das Gewissen rein und der Alltagsbetrieb ohne Einschränkungen - hier in Kalifornien könnte die Rechnung von Uchiyamada san tatsächlich aufgehen. Denn wo der Mirai auftaucht, sind ihm alle Blicke sicher, die Avantgarde schielt neugierig nach der Öko-Flunder und wer den Fehler macht und bei Öko-Supermarkt Wholefoods anhält, muss sich, wenn’s dumm läuft, den Mund fusselig reden, so oft wird er auf den Mirai angesprochen:

Kein Wunder, dass der amerikanische Marketing-Chef Bill Fay bereits 1,4 Millionen Besuche auf der Mirai-Website meldet und 14.000 „ernsthaften Interessenten“ zählt. Das stimmt ihn zuversichtlich, dass er sein Kontingent schon vor der offiziellen Markteinführung im nächsten Herbst komplett verkauft hat. Zumal er für den Start nur ein paar Hundert Autos bekommen wird und selbst in den ersten zwei Jahren für Amerika gerade mal 3.000 Mirai geplant sind.

Aber weil der Mirai hier zum Erfolg verdammt ist und Toyota schnell auf Stückzahlen kommen muss, um seine Zero-Emission-Quote zu erfüllen, setzt Fay nicht nur auf die futuristische Form, die Faszination an der Technik und das Image des grünen Vorreiters. Er will die Amerikaner auch am Geldbeutel packen und verkauft den Mirai beinahe zum Schnäppchentarif: In der Liste 57.500 und nach Abzug der Subventionen nur noch 45.000 Dollar oder umgerechnet 36.000 Euro teuer, kostet der Mirai kaum mehr als ein BMW i3 oder eine elektrische Mercedes B-Klasse. Und acht Jahre Garantie sowie kostenlosen Treibstoff an einer der demnächst 100 Wasserstofftankstellen in Kalifornien gibt es noch obendrein.

Wenig Wasserstofftankstellen

Das Heck des Mirrai
Das Heck des Mirrai © Toyota

In Europa dürfte sich der Hoffnungsträger da deutlich schwerer tun. Nicht nur, weil es zum Beispiel in Deutschland aktuell nur ein Dutzend Wasserstofftankstellen und für die Zukunft eine Netzplanung mit zunächst nur 50 Stationen gibt. Sondern auch, weil die Japaner hier ohne politischen Druck keinen subventionierten Preis machen und für ihren Mirai fast schon irrwitzige 78.540 Euro verlangen – doppelt so viel wie BMW für den i3 und sogar mehr als Tesla für das Modell S. Da könnte es mit der Revolution noch ein bisschen dauern, räumen selbst die Toyota-Manager ein und schauen neidvoll nach Newport Beach.

Dort sortieren die Toyota-Manager in Gedanken sogar schon die Automeile um. Denn zwischen den Händlern von McLaren, Maserati und Ferarri auf der Hauptstraße des Küstenortes gibt es auch einen Gebrauchtwagenhändler, der neben einem Dutzend Porsche selbst Pretiosen wie einen Lamborghini und Maybach verramscht. „Gut möglich“, sagt einer der Ingenieure während der Testfahrt, „dass dort bald ein paar mehr Luxuskarossen stehen werden, wenn Newport Beach die Zukunft in Fahrt kommt.“ (SP-X)






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