VW setzt auf Plugin-Hybride

Lambo mit 910 PS und 98 Gramm CO2-Ausstoß

Der Lamborghini Asterion hat viel PS und verbraucht wenig.
Der Lamborghini Asterion hat viel PS und verbraucht wenig. © Lamborghini

Mit Plugin-Hybriden will VW die ab 2020 geltenden CO2-Grenzen schaffen. Dank elektrischer Aufladung stößt dann selbst ein Lamborghini lediglich 98 Gramm aus seinen zehn Zylindern heraus.

Das Jahr 2020 wird ein einschneidendes für die Automobilindustrie. Bis dahin sollten die Hersteller ihre Flotten-CO2-Ausstöße auf 95 g gedrückt haben, wenn sie keine Strafen zahlen wollen. Das bedeutet einen Verbrauch von nicht einmal vier Litern Kraftstoff je 100 km. Das schaffen selbst moderne Mittelklasse-Benziner kaum, wie also soll man derartige Verbräuche mit leistungsfähigen Sportwagen oder SUV realisieren? Das Geheimnis liegt im Plugin-Hybrid. Diese speziellen Hybride haben in der Regel Akkukapazität für um die 50 km rein elektrische Fahrt. Und da das Laden elektrischen Stromes derzeit nicht in die CO2-Bilanz eingeht, profitieren die Autos hier in besonderer Weise. So unterschreiten sie selbst mit großen Verbrennern unter der Haube die 100 g-Grenze. Der Volkswagen-Konzern präsentiert drei völlig unterschiedliche Plugin-Hybride und demonstriert damit, dass sie durch viele Segmente hinweg bei der CO2-Reduktion helfen können, ohne in puncto Fahrspaß einzuschränken.

Lambo mit 910 PS und 98 Gramm CO2-Ausstoß

Der seriennah anmutende Lamborghini Asterion ist hierfür das eindrucksvollste Beispiel. Er hat 669 kW/910 Systemleistung und den bekannten 5,2 Liter großen Zehnzylinder an Bord. Auf der anderen Seite steht ein geradezu mickriger CO2-Ausstoß von 98 Gramm. Allerdings stecken auch drei E-Maschinen mit einer Gesamtleistung von 220 kW/300 PS unter der schneidigen Außenhaut. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h, drei Sekunden dauert es, bis Landstraßen-Tempo anliegt. Die Kraftübertragung erfolgt über ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe; ist der Akku voll, können bis zu 50 km rein elektrisch zurückgelegt werden.

Zwar dürfte das in dieser Kategorie wohl kaum jemand tun (zumindest nicht aus praktischen Gründen), aber sofern sie der Grenzwert-Gesetzgebung dient, ist die Funktion willkommen. Wer die 125 km/h-Marke überschreitet, muss auf den klangvollen V10 zurückgreifen – schwerfallen wird es nicht. Noch ist der Asterion lediglich eine Studie, aber ein kurzer Blick beispielsweise in das Porsche-Programm (918 Spyder) verdeutlicht, wie schnell ein solches Concept-Car den Weg in die Realität finden kann.

Porsche Cayenne S E-Hybrid könnte auf 3,4 Liter kommen

Apropos Porsche. Die Zuffenhausener sind mit einem konventionellen Serienmodell nach Paris gekommen, dessen Einladung zu einer Spritztour noch aussteht. Gern darf der Verbrenner dabei auch ruhen, allerdings kaum mehr als 36 Kilometer. Das reicht natürlich locker aus, um die Fahrt zum Supermarkt ohne lokale Emissionen zu bestreiten. Mit einer Leistung von 70 kW/95 PS und einem Drehmoment von 310 Nm bietet die E-Maschine genug Punch, um den Cayenne S E-Hybrid voranzutreiben.

Den Sportwagen kehrt der Geländegänger mit den zwei Herzen freilich erst unter Einsatz beider Triebwerke heraus. Wenn sich der Dreiliter-V6 zuschaltet, geht es binnen 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 243 km/h. Per Elektromotor lässt sich dieser Cayenne immerhin auf 125 km/h beschleunigen – das entspricht exakt dem Wert der Lamborghini-Studie. Dass der 306 kW/416 PS starke Schwabe mit sechs Töpfen nur 79 g CO2 ausstößt, sollte vor allem jenen Autofans Hoffnung machen, die den Drei- und Vierzylindertrend nur zähneknirschend ertragen. Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt sich der 82.087 Euro teure Luxus-Geländewagen natürlich kaum, zumal die angegebenen 3,4 Liter je 100 km sehr theoretisch sind. Das weiß Porsche, und die Kunden wissen es auch.

VW Passat GTE schafft 50 Kilometer rein elektrisch

Der VW Passat GTE kann auch rein elektrisch unterwegs sein.
Der VW Passat GTE kommt auf einen CO2-Ausstoß über 45 Gramm pro Kilometer. VW

Doch der Plugin-Hybrid ist auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit dem Volkswagen Passat GTE debütiert in Paris ein klassisches Brot- und Butterauto, das über eine ansehnliche Distanz rein elektrisch fahren können wird – nämlich exakt 50 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit im E-Modus beträgt 130 km/h und ist demnach mit der Richtgeschwindigkeit bundesdeutscher Autobahnen konform. Den Verbrauch beziffert Volkswagen auf etwa zwei Liter je 100 km, was 45 g CO2 entspricht.

Asthmatisch ist der brandneue Wolfsburger aber kaum: Während die 100 km/h-Schwelle binnen acht Sekunden durchbrochen wird, liegt der Topspeed bei respektablen 220 km/h. Als Hauptantriebsquelle dient ein 1,4 Liter großer Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung (115 kW/156 PS). Verrechnet man die 85 kW/115 PS des Elektromotors, ergibt sich daraus eine Systemleistung von 160 kW/218 PS. Insgesamt sind bis zu 400 Nm abrufbar, die über das obligatorische Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder gelangen.

Der Marktstart des Passat GTE erfolgt in der zweiten Jahreshälfte 2015. Er wird serienmäßig über LED-Vollscheinwerfer verfügen und auch als Kombi erhältlich sein. Plugin-Hybride, so viel darf als sicher gelten, werden in den nächsten Jahren von allen Herstellern und in sämtlichen Klassen zu finden sein. Nur so lässt sich ein niedriger Verbrauch mit der Darstellung von Leistung verbinden. Eine gute Nachricht für alle Liebhaber aufregender Fahrzeuge. (SP-X)