Was beim Kauf zu beachten ist

Das erste eigene Auto

Neu- oder Gebrauchtwagen, das ist die Frage © Foto: dpa

Gleich nach der bestandenen Führerscheinprüfung sollte das eigene Auto Hilfestellung für die Praxis geben. Doch nicht immer rechnet sich für Anfänger ein Gebrauchtwagen.

Von Stefanie Hiekmann

Haben Jugendliche den Führerschein in der Tasche, kommt bei ihnen meist schnell der Wunsch nach einem eigenen Auto auf. «Das ist auch gut so», sagt Bernhard Reiter vom Verband der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV) in Berlin. Fahrpraxis sei das absolute A und O um Sicherheit am Steuer zu gewinnen. Es stellt sich jedoch die Frage, welcher Wagen der richtige ist.

Nicht älter als fünf Jahre

Jeder muss für sich entscheiden, ob er einen gebrauchten oder neuen Wagen anschaffen möchte. «Viele junge Menschen müssen schon aus finanziellen Gründen auf einen Gebrauchtwagen setzen», sagt Maximilian Maurer vom ADAC in München. Das sei prinzipiell auch in Ordnung, doch sollte man genau schauen, was für einen Gebrauchten man sich kauft. «Ein Auto für 2000 Euro sieht nur auf den ersten Blick günstig aus.» Reparatur- und Nachrüstkosten können schnell teuer kommen.

Ein gebrauchtes Auto sollte beim Kauf seiner Ansicht nach nicht älter als vier bis fünf Jahre und nicht mehr als 80.000 Kilometer gelaufen sein. Außerdem sollten Sicherheitssysteme wie ABS, ESP und mindestens zwei Airbags vorhanden sein. Doch da fingen die Probleme bei zu alten Gebrauchtwagen bereits an, so Maurer. Denn das elektronische Stabilisierungsprogramm (ESP) wird in den von vielen Fahranfängern gekauften Klein- und Mittelklassewagen erst seit wenigen Jahren eingebaut. So fehlt das Sicherheitssystem in vielen Gebrauchtwagen, wo es gerade für Fahranfänger sehr nützlich wäre.

ESP als Mindest-Ausstattung

Auch für Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn zählt ESP heute zur Mindest-Sicherheitsausstattung eines Autos. Seine Empfehlung für Fahranfänger: ein Neukauf. «Das ist der größte Garant für die Sicherheit des Wagens», sagt der Referent für Aus- und Weiterbildungsprogramme für junge Kraftfahrer.

Gebrauchtwagen würde Schulte nur unterhalb der Altersgrenze von fünf Jahren in Erwägung ziehen. «Wenn man durchrechnet, was entsprechende Gebrauchtwagen gegenüber attraktiven Finanzierungsmodellen für Neuwagen kosten, sieht man, dass das neue Auto gar nicht teurer oder sogar günstiger ist.»

Nicht mehr als 75 PS

«Es gibt jedoch Fahranfänger, die dennoch zu sehr alten Fahrzeugen greifen», sagt Alfred Fuhr, Leiter des Instituts für Verkehrssoziologie beim Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Diese Autos haben durchaus zehn Jahre auf dem Buckel und kosten nicht mehr als 1000 bis 3000 Euro. Sie sind laut Fuhr nicht nur reparaturanfällig: «Sie fahren sich auch ganz anders, als die Fahrschulwagen, die man als Fahranfänger gewohnt ist.»

Unabhängig davon, ob es sich um einen neuen oder gebrauchten Wagen handelt, sollte das erste Auto nicht zu stark motorisiert sein. «70 bis 75 PS sollten nicht überschritten werden», sagt Kay Schulte vom DVR. Sonst sei die Verlockung zu groß, zu schnell unterwegs zu sein.

Vorsichtiges Fahren am wichtigsten

Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Bonn weist darauf hin, dass letzten Endes das beste Auto mit den neuesten Sicherheitseinrichtungen nutzlos sein kann, wenn der Fahranfänger nicht verantwortungsbewusst damit umgeht. «Wer sich ins Auto setzt und mit Bleifuß fährt, hat den wichtigsten Sicherheitsaspekt noch nicht entdeckt.» Denn defensives, vorsichtiges Fahren sei nicht nur mit einem Gebraucht-, sondern auch mit einem Neuwagen das Wichtigste. (dpa/gms)