Keine Angst vor Erster Hilfe

Winterzeit - Unfallzeit

Auch bei schweren Unfällen muss die Angst vor der falschen Hilfe überwunden werden © Foto: dpa

In der kalten Jahreszeit benötigen Unfallopfer besondere Hilfe, auch wenn die Angst, etwas falsch zu machen, groß ist. «Schlimmer ist es, wenn gar nicht geholfen wird», sagt Chefarzt Ulrich Fauth.

Die Qualität der Sicht- und Straßenverhältnisse nimmt immer mehr ab. Besonders in Herbst und Winter kommt es gehäuft zu Auto-Unfällen aufgrund plötzlich eintretender Glätte oder wegen rutschiger Herbstblätter. Bei Unfällen mit Personenschaden benötigen die Unfallopfer besondere und vor allem schnelle Hilfe, da Unterkühlung droht. «Fällt die Körpertemperatur nur um zwei Grad, kann das schon lebensbedrohlich sein», sagt Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel.

Herzrhythmusstörungen bei Kälte

Denn zum einen beeinträchtige die Kälte die Blutgerinnung, so dass das Unfallopfer zu verbluten drohen. Andererseits erhöhe der Körper bei Kälte die Pumpleistung des Herzens, und schließlich kann es zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen, so Fauth. «Für Opfer mit einer Herzerkrankung ist das kritisch.»

Bei der Ersten Hilfe müssen im Gegensatz zu den wärmeren Monaten ein paar Dinge mehr beachtet werden. Neben dem Absichern der Unfallstelle mit einem Warndreieck und dem Verständigen der Rettungsdienste über 110 oder 112 muss das Unfallopfer aus eventuellen Gefahrensituationen geborgen werden.

Verbrennungen nicht lange kühlen

Dann werden Atmung, Kreislauf und Bewusstseinszustand des Opfers überprüft. Sollte das Unfallopfer nicht mehr ausreichend atmen, muss der Hals leicht überstreckt werden, indem der Kopf hinten und das Kinn gehalten wird. Das schützt vor dem Ersticken. Zudem sollte das Opfer mit einer Decke vor Unterkühlung geschützt werden.

Erst jetzt werden vorhandene Blutungen gestillt. Die verletzten Körperteile sollten dabei hoch gelegt werden. Größere offene Verletzungen müssen mit einem Verband mit sterilen Kompressen abgedeckt werden. Bei starken Blutungen muss die versorgende Arterie abgedrückt werden. Verbrennungen dürfen nur wenige Minuten gekühlt werden, wenn das Opfer friert, dann überhaupt nicht. Die in jedem Erste-Hilfe-Kurs erlernte stabile Seitenlage verhindert, dass bei Bewusstlosen Erbrochenes oder andere Flüssigkeiten in die Luftröhre gelangen.

Scheu überwinden

Zur Vorsicht mahnt Fauth bei Bewusstlosen, deren Wirbelsäule geschädigt sein könnte. «Eine falsche Bewegung kann dann den Verletzten nachhaltig schädigen. Querschnittslähmungen drohen.» Der Lebensrettung muss aber immer der Vorzug gegeben werden, etwa, wenn ein Auto einen Hang abzurutschen oder Feuer zu fangen droht. Bei Feuer daran denken, dass Autos nur in Filmen explodieren, aber nicht in der Realität.

Dass mit Vorsicht, aber ohne Angst die Unfallopfer versorgt werden, ist klar. Sollte der letzte Kurs auch schon über 30 Jahre zurückliegen, sollte dem Opfer zuliebe die Scheu überwunden werden. Und letztendlich sollte ein Erste-Hilfe-Kurs immer mal wieder belegt werden, gerade auch, um die Angst zu lindern. Denn «schlimmer ist es, wenn gar nicht geholfen wird», sagt Fauth. (AG)