Hohe Rabattchancen bei Modellwechsel

Beim Audi A4 steht ein Modellwechsel an © Foto: dpa

Nicht immer muss der Griff zum Neuwagen der beste sein. Auch ein Kauf des Vorgängermodells kann sich immer noch lohnen.

Von Heiko Haupt

Dass sich Autohersteller und Händler über mangelnde Verkaufszahlen beklagen, ändert nichts daran, dass in den Entwicklungsabteilungen ständig an neuen Modellen gearbeitet wird. Gerade im Umfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main vom 13. bis 23. September sind wieder zahlreiche Modellwechsel zu erwarten. Das wiederum eröffnet den Kaufinteressenten eine zusätzliche Möglichkeit: Neben der Auswahl an Marken und Baureihen gilt es zu überlegen, ob es wirklich das brandneue Nachfolgemodell sein muss oder vielleicht doch der Vorgänger, der ebenfalls noch fabrikneu in den Verkaufsräumen steht. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile.

Prognose gesenkt

Es sieht nicht rosig aus für die Autoverkäufer: Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeug-Handwerks (ZDK) in Bonn hat sich der Umsatz mit Neuwagen im ersten Halbjahr um 3,1 Milliarden Euro reduziert. Die Jahresprognose der erwarteten Neuzulassungen wurde auf 3,2 Millionen gesenkt - im Vorjahr waren es laut ZDK noch 3,47 Millionen.

Als ein Mittel zur Anregung der Kauflust gelten traditionell neue Modelle. Und weil in diesem Jahr wieder die IAA stattfindet, ist mit einer ganzen Reihe von Neuerscheinungen zu rechnen. So wird unter anderem von Audi der neue A4 erwartet, bei Mercedes kommt nach der Limousine nun die neue Kombiversion der C-Klasse. Wer es sportlicher und teurer mag, kann sich auf die leistungsstarke M3-Version des 3ers von BMW freuen. Außerdem kommt der 308 als Nachfolger des 307 von Peugeot, bei Mazda wird die Mittelklasse-Baureihe Mazda 6 erneuert.

Modellwechsel bringt Nachfrageschub

Bleibt die Frage: Was kaufen? Denn neben den mit viel Werbeaufwand auf den Markt gebrachten Neuheiten stehen bei den Händlern auch noch die fabrikneuen und längst etablierten Vorgängermodelle. «Normalerweise bringt ein Modellwechsel auch einen Nachfrageschub», erklärt Jürgen Schönleber, Sprecher des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern (Baden-Württemberg). Doch das muss nicht immer der Fall sein.

Schließlich gibt es für den Kauf eines gerade eingestellten Vorgängermodells ebenso Gründe, wie für den Griff zum frisch entwickelten Nachfolger. «Es gibt immer wieder Leute, denen es wichtig ist, dass sich ein Fahrzeug bewährt hat», so Schönleber. Und das ist eben speziell bei einer auslaufenden Modellgeneration der Fall. Solche Fahrzeuge sind meist mehrere Jahre von den Fließbändern gerollt und wurden in dieser Zeit immer wieder im Detail optimiert. Bei neu eingeführten Baureihen treten dagegen immer wieder einmal «Kinderkrankheiten» auf.

Nachlässe bis 30 Prozent

Doch es gibt auch eine andere Seite: «Die jetzt neu eingeführten Modelle sind technologisch auf dem neuesten Stand», erklärt Maximilian Maurer vom ADAC in München. Das betrifft unter anderem die Auslegung auf kommende Abgasnormen. Partikelfilter werden in aktuellen Dieselfahrzeugen selbstverständlich sein, die Optimierung im Hinblick auf den Verbrauch ist ebenfalls weiter fortgeschritten als bei den Vorgängermodellen. Zu beachten ist jedoch auch, dass speziell die wirklich begehrten Neuerscheinungen teils nicht sofort verfügbar sind, sondern der Kunde mit Lieferfristen rechnen muss.

Ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung ist der Preis. Und speziell hier zeigt sich bei den Auslaufmodellen ein deutlicher Vorteil: «Es gibt dabei zwar Unterschiede je nach Hersteller, aber Nachlässe von 20 oder teilweise auch 30 Prozent auf die Auslaufmodelle sind durchaus machbar», erklärt Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut B&D Forecast in Leverkusen. Denn sowohl Händler als auch Hersteller legen Wert darauf, die «alten» Modelle alsbald zu verkaufen, um Platz für den Nachfolger zu machen. Neben Nachlässen für die Fahrzeuge gibt es auch Varianten, in denen die Autos zu günstigem Preis gut ausgestattet sind. Kurzzeitzulassungen sind ein weiteres Mittel der Preissenkung.

Vorgänger verliert zunächst an Wert

Nur sollte auch bei Nachlässen auf ein Auslaufmodell genau gerechnet werden. Denn selbst der Nachfolger erzielt heute in der Regel nicht mehr den angegebenen Listenpreis. «Bei neuen Modellen gibt es ebenfalls Rabatt - unter fünf Prozent geht heute gar nichts mehr», sagt Dudenhöffer.

Lohnen kann sich bei der Kaufüberlegung zudem ein Blick in die Zukunft - irgendwann soll der Wagen ja auch mal wieder verkauft werden. «Vom Grundsatz her ist es so, dass bei einem Modellwechsel der Vorgänger zunächst auf dem Gebrauchtmarkt an Wert verliert», so DAT-Sprecher Schönleber. Denn tatsächlich sieht er zunächst ein wenig alt aus. Doch die anfänglich meist merkliche Differenz bei den zu erzielenden Gebrauchtpreisen muss nicht auf Dauer so bleiben. «Das gleicht sich häufig wieder an.» In einigen Jahren sind die Unterschiede nur noch in wesentlich kleinerem Rahmen vorhanden. (dpa)