Eis-Chaos auf Straßen und Schienen

Luftverkehr normalisiert sich

Auf der A9 kam es zu einer Massenkarambolage © dpa

Bis zu 100 Kilometer Stau vermiesten vielen Reisenden die Fahrt in den Heiligen Abend. Und auch in den nächsten Tagen ist Besserung kaum in Sicht.

Spiegelglatte Straßen, überfüllte Züge und noch mehr Schnee in Sicht: Einen Tag vor Heiligabend ist der Reiseverkehr mächtig ins Rutschen gekommen. Eisregen und Glätte behinderten am Donnerstag vor allem in Nord- und Ostdeutschland den Verkehr. Eine bis zu zwei Zentimeter dicke Eisschicht habe sich auf den Straßen gebildet, hieß es in Niedersachsen. Auch die Bahn war betroffen - vor allem auf den Strecken im Norden gab es Ausfälle und Verspätungen. Die Lage am Frankfurter Flughafen entspannte sich dagegen weiter. Nach tagelangen Flugausfällen lief auch auf dem größten europäischen Flughafen in London-Heathrow fast alles wieder normal. 90 Prozent aller geplanten Starts und Landungen seien abgewickelt worden, teilte der Flughafen in London mit.

Massenkarambolage auf der A9

Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 (Berlin-München) kam einen Tag vor Heiligabend bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben. 51 Fahrzeuge waren in die Unfallserie auf eisglatter Fahrbahn und bei Nebel verwickelt. Zehn Menschen wurden verletzt. Bei dem Unfall zwischen Bad Dürrenberg und Naumburg krachten 45 Autos, vier Lastwagen und zwei Transporter ineinander. Auf der wichtigen und stark befahrenen Nord-Süd-Route bildete sich ein zehn Kilometer langer Stau in Richtung München.

Mehr als sechs Stunden war wegen massiver Schneeverwehungen der Zugverkehr zwischen Oldenburg und Puttgarden (Schleswig-Holsten) lahmgelegt. Erst nachdem eine Schneefräse die Strecke geräumt hatte, konnte sie am späten Nachmittag wieder freigegeben werden.

Ansturm auf die Bahn

Die Bahn ächzte deutschlandweit unter dem Ansturm von Weihnachtsreisenden. Auf den Bahnhöfen zwischen Flensburg und München drängten sich die Menschen, viele Fahrgäste konnten nur noch einen Stehplatz ergattern. Erneut gab es viele Verspätungen und auch Ausfälle. Die ICE-Züge dürfen weiter höchstens auf Tempo 200 beschleunigen, um Schäden durch aufgewirbelte Eisbrocken zu vermeiden.

Die Lage am Frankfurter Flughafen entspannte sich dagegen weiter. "Bei uns läuft alles rund", sagte der Sprecher des Betreibers Fraport, Thomas Uber. Bis zum Nachmittag seien an Deutschlands größtem Airport zwar noch 50 Flüge annulliert worden. Dies sei jedoch auf die anhaltenden Störungen an anderen Flughäfen zurückzuführen. Es gebe auch kaum noch gestrandete Reisende am Flughafen. Die größten Probleme im Luftverkehr gab es in Dublin und Paris, wie die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel berichtete. Im Schnitt seien die Flugzeuge um 80 Minuten verspätet gewesen. In Wien, Prag und Athen führte Nebel zu Verspätungen.

Streusalz knapp

Auf der Straße war vor allem der Norden betroffen - wo zum Glatteis neuer Schnee hinzukam. Viele Landkreise haben inzwischen fast kein Streusalz mehr. Im Kreis Holzminden in Niedersachsen hieß es, das Salz reiche nur noch für die wichtigsten Straßenabschnitte. In Niedersachsen gab es vor allem auf den Autobahnen 2 und 39 große Probleme. "Wer nicht fahren muss, sollte das Auto unbedingt stehenlassen", hieß es bei der Verkehrsmanagementzentrale. Zahlreiche Lastwagen stellten sich quer. Lkw-Fahrer wurden gebeten, die nächsten Parkplätze anzufahren oder notfalls auf dem Standstreifen zu stoppen. Die A7 musste zwischen Göttingen und Hann.Münden-Hedemünden in Richtung Süden zeitweise voll gesperrt werden.

Im Norden Schleswig-Holsteins behinderten Schneeverwehungen die Autofahrer. Auch dort stellten sich auf den Autobahnen immer wieder Lastwagen quer, Autos rutschten von vereisten Fahrbahnen. Blitzeis legte am Morgen die Autobahn 24 Berlin-Hamburg lahm, die nach mehreren Unfällen bei Neuruppin zeitweise gesperrt werden musste.

Trübe Aussichten

Auf der A1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation am Vormittag zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten. "Die Autobahn vereist zunehmend. Die Leute sollten zu Hause bleiben oder vorsichtiger fahren", warnte eine Polizeisprecherin.

In der Nacht hatte Regen in Brandenburg und Berlin zu überfrierender Nässe geführt. Aus Sachsen-Anhalt wurde verbreitet Blitzeis gemeldet, in einigen Kreisen wurde der Busverkehr eingestellt.

Auch an Heiligabend bleibt es kalt - und es fällt fast überall Schnee. Im Norden und Osten kann die Bescherung aber auch weniger schön ausfallen, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag. Das Tief "Scarlett" bringt neben neuem Schnee kräftigen Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann. (dpa)