Peugeot E-Ludix: Begrenzter Spaß

Der Peugeot E-Ludix unterwegs auf einer Kartbahn. © Peugeot

Peugeot Motorcycles bietet mit dem E-Ludix seinen ersten E-Roller an. Das Zweirad bietet eine Menge Spaß – allerdings bei begrenzter Reichweite.

Der indische Mischkonzern Mahindra nutzt einige in der jüngeren Vergangenheit erworbene Marken, um die E-Mobilität voranzutreiben. Tochter Ssangyong wird noch dieses Jahr einen E-SUV präsentieren und Pininfarina als Hersteller von Luxus-Stromern aufgebaut.


Dabei scheinen es die Inder eilig zu haben, wie sich an der jüngsten Marke im Firmenverbund, Peugeot Motorcycles, zeigt. Erst wenige Monate gehört die traditionelle französische Zweiradmarke zu Mahindra, schon steht der erste E-Scooter in Europa in den Startlöchern. Ihm soll jedes Jahr ein weiteres E-Modell folgen. Noch vor dem Marktstart haben wir einige Runden auf einer Kartbahn mit dem E-Ludix gedreht.

Ludix – den Namen kennen nur Kenner

Wohl nur Roller-Kenner dürfte der Name Ludix noch ein Begriff sein. Vor allem in Frankreich war der einfache 50er-Scooter in den Nullerjahren ein beliebter und günstiger Alltagsheld. Bei Mahindra hat man sein eigentlich schon betagteres Chassis genommen, um mit diesem in kurzer Zeit einen Elektroroller zu realisieren. Entsprechend sieht der neue dem alten Verbrenner-Ludix sehr ähnlich, allerdings wirkt die E-Version dank des kompakteren Antriebs und der Abwesenheit einer Auspuffanlage aufgeräumter. Zudem wurde das einstige Analog-Cockpit durch ein 4,4 Zoll großes, am Lenker montiertes Display ersetzt.

Und es gibt keinen Benziner mehr, sondern eine kompakten Bosch-Motor, der ist allerdings nicht im Hinterrad integriert, sondern befindet sich vor dem Hinterrad. Die einarmige Hinterradschwinge kapselt den Riemenantrieb, der die 2,5 kW/4 PS und 35 Newtonmeter der übrigens 5- statt 3-phasigen E-Maschine überträgt. 5-phasig? Nur so viel: Im Vergleich zu meist üblichen 2- oder 3-phasigen Maschinen sorgen die zusätzlichen Phasen für weniger Vibrationen und erhöhen das nutzbare Drehmoment. Versorgt wird der 48-Volt-Antrieb von einer 1,6 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie, die für 50 Kilometer reichen soll.

88 Kilogramm Gewicht

Auf unserer Testfahrt erfreut die E-Maschine mit dezenter Akustik und angenehm satter Beschleunigung. Der Motor hat zudem leichtes Spiel, denn der E-Ludix bringt zusammen mit dem 11 Kilogramm schweren Akku gerade einmal 88 Kilogramm auf die Waage. Man kann drei Performance-Stufen für den Vortrieb wählen: Neben dem Eco- und dem Cruise- gibt es einen Boost-Modus, der das volle Potenzial der E-Maschine entfesselt und den Sprint Richtung Höchstgeschwindigkeit recht kurzweilig macht.

Aufgrund zu kurzer Graden haben wir es laut Tacho auf dem kurvigem 600-Meter-Geläuf nur auf 44 km/h geschafft, bei denen man allerdings spüren konnte, dass noch Luft nach oben ist. Laut Peugeot sind 50-Tacho-km/h drin, was dann vielleicht 46 echte km/h sind. Im Fall des E-Ludix das höchste der Gefühle. Mit den Autos kann er also wie in der 50er-Klasse üblich nicht mithalten. Der Strom soll eigentlich für 50 Kilometer reichen, jedoch war in unserem Fall nach 29 Kilometer der Akku entleert. Kein schlechter Wert, denn die Kurverei bedeutete im stetigen Wechsel maximale Beschleunigung im Boost-Modus gefolgt von kräftigen Einbremsen – reichweitenoptimierte Fahrweise sieht anders aus.

Ambitioniertes Fahren möglich

Im Gegenzug erfreut der E-Ludix mit einem gewissen Maß an Fahrspaß, zumal der leise surrende Scooter nichts gegen spontane Richtungswechsel und ambitioniertere Schräglagen einzuwenden hat. Anders als bei vielen anderen E-Rollern setzt hier auch bei verschärfter Kurvenhatz kein Ausleger von Seiten- oder Hauptständer auf.

Ebenfalls anders als bei einigen E-Scootern wird beim E-Ludix die Leistung bei stark entleertem Akku nur dezent gedrosselt. Wenn nur noch etwa 20 Prozent Kapazität vorhanden sind, nimmt die Spritzigkeit allmählich ab, zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit braucht es also etwas mehr Anlauf. Erst wenn die Reichweite unter 5 Kilometer sinkt, wird auch das zunehmend schwieriger. Sind noch ein bis zwei Kilometerübrig, geht es erst auf 30 und 20 km/h runter, bis dann kurze Zeit später die Vortriebsarbeit eingestellt wird. Der kleine Projektionsscheinwerfer leuchtet dank einer zusätzlichen 12-Volt-Bordbatterie selbst dann noch.

Zweitakku kostet 1444 Euro

Bietet ein gutes Handling: der Peugeot E-Ludic. Foto: Peugeot

Der Akku steckt unter der Sitzbank und wird von einem Textilriemen gehalten. Wird dieser gelöst und das Stromkabel abgezogen, lässt sich das Batteriepaket an einem soliden Griff herausziehen und an der nächsten Steckdose aufladen. Allerdings muss man dafür das nicht ganz leichte Ladegerät, das im Gegensatz zu den anderen E-Antriebskomponenten übrigens nicht von Bosch stammt, im Rucksack oder Topcase mitführen. Gleiches gilt auch für einen 1.440 Euro teuren Zweitakku. Stauraum bietet der einfach gestrickte E-Ludix nämlich nicht. Dafür ist die Ladezeit kurzweilig. Laut Peugeot dauert es für eine 100-prozentige Ladung vier Stunden, nach 3 Stunden ist er zu 80 Prozent geladen.

3.500 Euro kostet der spätestens im März verfügbarer Stadtstromer. Für einen Ludix ein stolzer Preis. Dank E-Antrieb erlaubt die Neuauflage niedrige Nutzungskosten. Für den Strom für 100 gefahrene Kilometer muss man weniger als einen Euro bezahlen. Auch die Wartungskosten sind geringer als bei einem Verbrenner. Man muss allerdings ausgesprochener Vielfahrer sein, um die hohe Mehrinvestition für den Kauf im Vergleich zu konventionellen 50er-Rollern einzufahren. Auch angesichts der recht bescheidenen Reichweite kann das dauern.

Wer Geduld und entsprechenden Führerschein hat, sollte vielleicht noch ein wenig auf den nächsten E-Roller von Peugeot Motorcycles warten. Noch für dieses Jahr ist nämlich eine zweite Version des E-Ludix geplant, die für einen Preis von voraussichtlich 4.500 Euro dank zweier Akkus doppelte Reichweite sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h bieten soll. Mahindra hat es in Sachen E-Mobilität offensichtlich eilig. (SP-X)