Hyundai verkürzt Lieferzeiten für Kona Elektro

Produktion in Tschechien angelaufen

Die Batterie wird im Unterboden des Hyundai Kona montiert. © Hyundai

Hyundai sieht sich bei den alternativen Antrieben in einer Führungsrolle. Nun lässt man den Kona Elektro auch in Europa bauen – und verkürzt damit die Lieferzeiten.

So wurde am Donnerstag im tschechischen Nosovice offiziell die Fertigung des rein elektrischen City-SUV aufgenommen. Im laufenden Jahr sollen im dortigen Werk noch 30.000 Einheiten des Kona Elektro produziert werden. Im Vorjahr wurden in Nosovice über 300.000 Einheiten des i30, Tucson und des Kona gefertigt. Der Kona Elektro wird dabei auf dem gleichen Band gefertigt wie der Kona mit Verbrenner.


Insgesamt weist Nosovice mit seinen 3300 Mitarbeitern eine Produktionskapazität von jährlich 350.000 Einheiten aus. Pro Tag laufen in der tschechischen Hyundai-Produktionsstätte 1500 Autos vom Band. Größter Abnehmer der Autos aus Nosovice ist dabei der deutsche Markt. Dorthin wurden im Vorjahr knapp über 49.000 Einheiten geliefert. Dahinter folgt mit weitem Abstand Großbritannien mit rund 34.500 Einheiten.

5000 E-Autos in 2019 in Deutschland abgesetzt

Wenn es nach Deutschlandchef Jürgen Keller geht, soll sich diese Zahl in diesem Jahr weiter erhöhen. Denn nachdem Hyundai im Vorjahr auf dem heimischen Markt 129.500 Einheiten abgesetzt hat und damit auf einen Marktanteil von 3,6 Prozent kam, soll sich diese Marke in 2020 weiter erhöhen.

Dazu beitragen sollen insbesondere die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Von ihnen wurden im Vorjahr laut Kellers Angaben über 10.000 Einheiten abgesetzt, davon waren allein über 5000 reine Elektroautos. „Wir reden nicht über Elektromobilität, bei uns ist sie bereits angekommen“, sagte Keller am Donnerstag in Nosovice. Ohne eine konkrete Absatzerwartung nennen zu wollen, geht der Manager indes davon aus, dass diese Zahl in 2020 deutlich höher liegen wird.

8000 Euro Umweltbonus

Dazu dürfte unter anderem auch beitragen, dass Hyundai den Absatz des Kona Elektro mit einer Vielzahl von Anreizen gerade enorm befördert. So hat der Importeur den Umweltbonus für E-Autos nicht nur um weitere 2000 Euro auf 8000 Euro aufgestockt, sondern auch die Garantiezeit auf acht Jahre erhöht. Es sind Incentives, die bei den Kunden offensichtlich ankommen. So liegen in diesem Jahr bereits 2000 Bestellungen für den Kona Elektro vor, wie Keller wissen ließ.

Das Gros dieser Orders seien nach dem 24. Januar getätigt worden, dem Tag also, an dem Hyundai die Erhöhung der Kaufprämie bekannt gab. Erfolgt ist sie auch aufgrund der Verzögerung bei der Erhöhung der Kaufprämie durch die Bundesregierung. Die Aufstockung war zwar schon im November beschlossen worden, trat aber erst im Februar in Kraft. „In dieser Zeit haben wir eine deutliche Kaufzurückhaltung feststellen müssen“, so Keller. Dass es mit der Erhöhung so lange gedauert hat, sei ausgesprochen misslich gewesen, sagt Keller diplomatisch. Der Ärger über die handwerklichen Fehler bei der Erhöhung des Umweltbonus durch die Politik merkt man dem Deutschlandchef noch immer an.

Komplette Bandbreite an Antrieben im Angebot

Doch das ist Vergangenheit, die Erhöhung ist nach der Genehmigung durch die EU und der Veröffentlichung im Bundesanzeiger endlich beschlossene Sache. Keller schaut nach vorn – und sieht Hyundai bei der E-Mobilität in einer Führungsrolle. Er verweist darauf, dass Hyundai als einziger Hersteller seinen Kunden alle Antriebsarten (48 Volt, Mildhybrid, Hybrid, Plug-in-Hybrid und Brennstoffzelle) anbieten könne. „Das schafft uns einen Wettbewerbsvorteil.“ Mit Blick auf die strengen CO2-Grenzwerte der EU von 95 g/km bis 2021 geht man den Weg in die E-Mobilität bei den Koreanern ausgesprochen konsequent. Bis Ende des Jahres will man bereits 75 Prozent seiner Portfolios elektrifiziert haben.

Europaweit will man 80.000 emissionsfreie Fahrzeuge auf den Markt bringen, umso hohe Strafzahlungen der EU zu vermeiden. Keller zeigt sich zuversichtlich, dass es ihm mit diesem Portfolio gelingen wird, die Grenzwerte einzuhalten. 2020 werde für Hyundai zum „Jahr der Elektromobilität“, wie der Deutschlandchef sagt.

Ambitionierte Ziele bis 2025

Endkontrolle des Hyundai Kona Elektro.

Die weltweiten Ziele der Koreaner sind nicht minder ambitioniert. Hyundai plant bis 2025 zu den Top-3-Herstellern bei den alternativen Antrieben zu gehören. Bis dahin will man 670.000 batterie- beziehungsweise brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge auf dem Markt haben. Insgesamt sollen die Kundinnen und Kunden bis dahin unter 44 Modellen mit alternativen Antrieben wählen können. Damit das gelingt, investiert Hyundai bis dahin 50 Milliarden Euro in die Mobilität der Zukunft.

Durch die Produktion des Kona Elektro in Europa verkürzen sich nun auch die Lieferzeiten deutlich. Nachdem man noch im Vorjahr je nach Ausstattungsvariante des Kona eine Lieferzeit von bis zu 12 Monaten zu verkraften hatte, reduziert sie sich nun auf „drei bis vier Monate“, so Keller. „Das wird unseren Absatz an reinen E-Autos weiter beflügeln.“ In Nosovice wird vorerst übrigens nur der Kona mit der großen Batterie (64 kWh) gebaut. Er verfügt über eine Leistung von 204 PS und einer vergrößerte Reichweite von 484 Kilometer (WLTP). Der Kona Elektro mit kleinem Akku (39 kWh/136 PS) wird vorerst nur im südkoreanischen Usan gefertigt. Derzeit entscheiden sich rund 85 Prozent der Kunden aber für die größere Variante des Kona (ab 41.80 Euro).

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