Ältestes Automobil wird wieder fahrbar gemacht

Vis-à-Vis-Motorwagen

Philip Mandrys und der Vis-à-Vis-Motorwagen von 1901.
Philip Mandrys und der Vis-à-Vis-Motorwagen von 1901. © Heike Fischer/TH Köln

Das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften und das Institut für Fahrzeugtechnik der TH Köln wollen den Vis-à-Vis-Motorwagen wieder zum Laufen bringen. Das älteste bekannte Automobil schafft immerhin 25 Stundenkilometer.

Die Retro-Welle erreicht ihren Ursprung. Mit dem Vis-à-Vis-Motorwagen wollen das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften (CICS) und das Institut für Fahrzeugtechnik (IFK) der TH Köln das älteste bekannte Automobil wieder ans Laufen bringen.

„Wir werden mehrere Konzepte erarbeiten, die von einer reinen Konservierung bis zur Rekonstruktion des ursprünglichen Erscheinungsbildes reichen – mit Wiederherstellung des Fahrbarkeit. Ziel ist es, das Fahrzeug, seine Geschichte und Bedeutung für den automobilen Standort Köln zu erhalten und zu präsentieren", sagt Philip Mandrys, Restaurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFK.

Sechs PS für den Vis-à-Vis Motorwagen

Neben der Fahrbarkeit soll der Vis-à-Vis-Motorwagen Typ A, Nummer 225, auch konserviert und in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden, auch wenn er laut Mandrys in einem „bemerkenswerten guten Zustand ist, was selten sei.“

Im Baujahr 1901 erhielt der Wagen sechs PS, mit denen er bis zu 25 Stundenkilometer schnell fahren kann. Die Passagiere sitzen sich dabei gegenüber, daher der Name Vis-à-Vis. Patentiert wurde die riemenbetriebene Hinterachse. Durch die Last der auf der Rückbank Platz nehmenden Passagiere wird der Riemen unter Spannung gesetzt.

Originalzustand soll soweit wie möglich hergestellt werden

Der Vis-à-Vis-Motorwagen von 1901.
Neue Wege bei der Restauration Heike Fischer/TH Köln

Im Gegensatz zu anderen Automobilen, die in einen Neuzustand aufpoliert werden, soll der Motorwagen soweit wie möglich an den Originalzustand herangebracht werden. Auch die Vermittlung der Technik und des Fahrgefühls gehe bei einer zu starken Reparatur verloren. „Wir verfolgen eine andere Richtung: Die Konservierung und Rekonstruktion des Originalzustands, bei dem das gelebte Alter sichtbar ist. Es gibt noch einen großen Forschungsbedarf, welche Standards hier definiert werden können und sollten", sagt Friederike Waentig, Professorin am CICS.

Dafür wird das Fahrzeug dreidimensional fotografisch erfasst und gescannt. Das Mobil dient zugleich dazu, einen allgemeinen Kriterienkatalog und Handlungsempfehlungen für Restauratoren und Museen zu entwickeln. „Die Museen bestätigen uns, dass sie gerne unseren Ansatz verfolgen wollen. In dieser Form ist unsere interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fahrzeugtechnik und Konservierungswissenschaften europaweit bisher einzigartig. Wir wollen deshalb an der TH Köln ein Kompetenzzentrum für die Automobilrestaurierung entwickeln", sagt Frank Herrmann vom Institut für Fahrzeugtechnik.

Motorwagen als Aushängeschild für Automobilstandort Köln

Der Vis-à-Vis-Motorwagen von 1901.
Der Vis-à-Vis Motorwagen fungiert auch als Kulturgut Heike Fischer/TH Köln

Daneben soll der Motorwagen die Bedeutung der Stadt Köln als Automobilstandort hervorheben. Jahrzehnte bevor Ford von Berlin in die Domstadt übersiedelte, entstand bereits 1864 mit der Gasmotoren-Fabrik Deutz (heute Deutz AG) die erste Motorenfabrik der Welt. 1898 wurde durch die Wagenbauerei Bernhard Scheele das erste Elektroautomobil Deutschlands gefertigt. Die Firma Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts AG fertigte 1904 das sogenannte Dynamobil – ein Vorgänger des Hybridfahrzeuges. 1922 entstanden durch die Firma Olex die ersten Tankkioske in Köln und Hannover.

„Die damalige Bedeutung des Standorts Köln ist heute in Vergessenheit geraten. Wir wollen das Bewusstsein wieder wecken. Der Vis-à-Vis-Motorwagen ist daher nicht nur ein Kulturgut und technisches Denkmal für die Kölner Pionierarbeit. Wir können anhand des Fahrzeugs außerdem das Verkehrswesen, seine Einflüsse und das damalige Leben in Köln nachzeichnen", so Mandrys. (AG/TF)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.