Volvo V60: Ein Abschied, der schwer fällt

Der Volvo V60 hat als T6 ausreichend Power. © Volvo

Einmal Südfrankreich und zurück: So lautete der Plan für die Anwesenheit des neuen Volvo V60 für die ausgiebigen Testfahrten.

Der Mittelklassekombi mit dem Zweiliter-Vierzylinderbenziner und 310 PS musste als Urlaubsauto herhalten und kam mit jungfräulichen 350 Kilometer auf dem Tacho zu uns – frisch vom Band. 14 Tage später war der Schwede erfolgreich eingefahren und seinem Fahrer ans Herz gewachsen. Warum? Nun, das hat mehrere Gründe.


Zum einen hat Volvo mit dem V60 ein bildschönes Auto auf die Räder gestellt, das – dank rund 20 Zentimeter kürzerer Karosserie – noch stimmiger wirkt als der ohnehin schicke große Bruder V90.

V60 innen weiter verfeinert

Zum anderen haben die Skandinavier den zwar seit einigen Jahren bekannten aber immer noch schönen Innenraum weiter verfeinert. Selbst nach zwölf Stunden und mehr als 1.000 Kilometer am Stück steigt man entspannt aus dem V60 aus, was auch an den hervorragenden Sitzen mit verstellbarer Lendenwirbelstütze liegt.

Das Cockpit des Volvo V60. Foto: Volvo

Besonders im Sommer ist außerdem die Möglichkeit, die Sitze zu belüften, sehr angenehm. Im Fond ist genug Platz für zwei Erwachsene und ein wenig Proviant in der ausklappbaren Mittelarmlehne. Kopf- und Kniefreiheit eignen sich selbst für längere Fahrten und das große optionale Panoramadach gibt im Urlaub den Blick auf die Umgebung frei.

Auch das Infotainment-System mit Hochkant-Display ist ein verlässlicher Partner auf langen Reisen. Die Bedienung mit Wischbewegungen im Smartphone-Prinzip ist schnell erlernt und lässt sich auch von der Beifahrerseite gut umsetzen. Lediglich die hohe Anfälligkeit für Fingerabdrücke stört ein wenig. Dafür überzeugt aber die optionale „Bowers&Wilkins“-Soundanlage mit sattem Klang und vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten.

T6-Benziner machte gute Figur

Zum schnellen Kilometersammeln würde sich zwar wohl eher einer der beiden angebotenen Dieselmotoren eignen, aber auch der erwähnte „T6“-Benziner mit vier Zylindern machte auf der Langstrecke eine gute Figur. Zusammen mit der hervorragenden Achtgang-Automatik war das Drehzahlniveau stets recht niedrig und der Motor damit angenehm leise.

Fordert man den Zweiliter-Motor allerdings etwas stärker, klingt das Aggregat schnell angestrengt. Hier würde man sich einen satten Sechszylinder zumindest als Option wünschen. Der würde vermutlich auch nicht viel mehr verbrauchen als der T6, der sich in einem 50:50-Mix aus Autobahn und Stadtverkehr gerne mal zehn Liter und mehr gönnt – bei einer Werksangabe von 7,4 Liter.

Deutlich positiver als der etwas schwachbrüstige Motor stimmte da schon das Portfolio an Assistenzsystemen, das sich auf langen Autobahnetappen im strikt geschwindigkeitsbeschränkten Frankreich schnell zum besten Freund des Piloten mauserte. Vor allem der „Pilot Assist 2“ für teilautonomes Fahren bis 130 km/h war auf der nächtlichen Fahrt eine echte Hilfe. Das System mit adaptivem Tempomat und Spurhalte- sowie Stauassistent lenkt den Volvo mit feinen Korrekturen über die Autobahn, ganz ohne das von einigen Konkurrenzprodukten bekannte „Ping Pong“ zwischen den Fahrbahnmarkierungen.

Adaptives Fahrwerk sehr ausgewogen

Das Heck des neuen Volvo V60. Foto: Volvo

Der – neben dem „Autopiloten“ – vielleicht beste Teil des neuen V60 ist das sehr ausgewogen abgestimmte adaptive Fahrwerk. Egal ob auf der Autobahn oder im Kurvenlabyrinth der Seealpen: Der V60 ist zwar kein Sportwagen, dafür aber sehr anpassungsfähig und zu keiner Zeit unkomfortabel. Größere Wellen schluckt die Aufhängung unbeeindruckt weg, trotzdem neigt der große Kombi in Kurven nicht zum Wanken. Nur die Lenkung, die erzählt dem Fahrer so wenig von der Straße, dass man auch ohne schlechtes Gewissen gedanklich schon mal an den Spurhalteassistenten übergeben kann.

Nach 14 Tagen mit dem V60 hat man sich so an den großen Schweden gewöhnt, dass der Abschied schon schwer fällt. Was beim Umstieg in den eigenen Kompakt-Pkw am meisten fehlt? Vieles, was den V60 ausmacht: der Komfort, der Innenraum und die tolle Verarbeitungsqualität. So kühl das nordische Design am Anfang doch wirkt, man wird schnell warm mit dem Kombi und seinem Portfolio an ungeahnten Stärken. (SP-X)

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