Toyota Proace Verso: Praktisch statt chic

Der Toyota Proace Verso bietet Platz für neun Personen. © Toyota

Kleinbusse sind ein teures Vergnügen. Doch wer auf etwas Luxus verzichten kann, sollte sich die Shuttle-Variante dieser Modelle wie die den Toyota Proace Verso anschauen.

Kleinbusse gibt es meist in zwei Varianten: einer besonders komfortablen für Familien und andere Privatnutzer. Und einer für den gewerblichen Einsatz bei Hotels oder Taxiunternehmen. Die „Shuttle Comfort“-Variante des Toyota Proace Verso zählt zu letzterer Gruppe. Der Neunsitzer überzeugt trotz etwas rauen Charmes mit viel Platz und ordentlichem Komfortniveau.


Wer eine Großraumlimousine mit Lounge-Atmosphäre sucht, ist bei den „Shuttle Comfort“-Modellen des Proace Verso an der falschen Adresse. Wichtigster Unterschiede zu den feineren „Family“-Ausführungen: Die insgesamt einfachere Materialauswahl, das weniger variable Sitzsystem und eine Doppelbank vorne auf der Beifahrerseite.

Platz für drei Kindersitze

Das Cockpit des Toyota Proace Verso. Foto: Toyota

Der zusätzliche Sitzplatz nutzt den vorhandenen Raum zwar besser aus als der an dieser Stelle übliche Einzelsitz, verlangt aber vor allem vom Mittelpassagier einige Zugeständnisse beim persönlichen Freiraum. Familienmitgliedern dürfte er auf Dauer nur schwer vermittelbar sein. In Reihe zwei und drei sitzt es sich da deutlich luftiger, mit ein wenig Ruckeln lassen sich dort auch drei Kindersitze nebeneinander positionieren.

Insgesamt haben also neun Insassen Platz, dazu noch einiges an Gepäck.
Platz ist also allemal genug da, dank zweier Schiebetüren und einer Heckklappe mit separat zu öffnendem Fenster ist er auch in jeder Situation gut nutzbar. Voran es dem Shuttle-Modell hingegen mangelt, ist Variabilität. Auf Schienen verschiebbare oder gar schwenkbare Sitze gibt es dort nicht. Immerhin lassen sich die Lehnen im Verhältnis 60:40 umklappen und die Sessel anschließend nach vorne kippen oder komplett ausbauen.

Allerdings verlangt das vor allem bei den Zweier-Bänken Kraft, Zeit und genug Stauraum in der Garage. Wer häufiger zwischen Personen- und Gütertransport wechselt, wählt besser die flexibleren Ausstattungslinien „Family“, „Family Comfort“ oder „Executive“. Wer vor allem Platz und eine robuste Umgebung benötigt, ist hier hingegen richtig.

Laut bei der Autobahnfahrt

Auch wenn der Shuttle gemessen an der Familien-Variante eher praktisch als chic ausgelegt ist – im Segments-Vergleich bietet er doch gehobenes Ambiente. Das fängt schon außen mit dem stimmigen Design an, das von 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, getönten Scheiben und durchgehend in Karosseriefarbe lackierten Anbauteilen weiter aufgewertet wird – äußerlich grenzt sich der Shuttle dadurch wirkungsvoll von den reinen Nutzfahrzeugvarianten ab. Innen geht es mit der passenden Mischung aus Pkw-Flair und Nutzfahrzeug-Nützlichkeit weiter. So sind die Materialien zwar eher einfach gehalten.

Und das offene zweite Handschuhfach sowie die Ablage auf dem Armaturenbrett verbreiten Kastenwagen-Ambiente, das serienmäßige Multimediasystem mit Touchscreen, die Cockpit-Zierteile im Alu-Look und technisch hochwertige Extras wie ein Head-up-Display und ein umfangreiches Assistentenpaket grenzen den Shuttle jedoch ausreichend von rein gewerblichen Nutzwert-Transportern ab.

Mit Zweiliter-Diesel unterwegs

Auch wenn der Proace Verso sich im Klassenvergleich sehr gut schlägt, kann er hinsichtlich des Komfort-Niveaus mit echten Pkw nicht mithalten. Vor allem bei der Geräuschdämmung verrät der Kleinbus seine Herkunft; spätestens bei Autobahntempo ist es an Bord zu laut für eine angenehme Unterhaltung im Familienkreis. Minuspunkte in der Langstreckenwertung gibt es zudem für die Sitze, die eher weich, einfach und konturlos ausgeführt sind.

Zumindest der Fahrersitz verfügt immerhin über elektrische Einstellmöglichkeiten, Lordosestütze und Armlehne. Eine Enttäuschung ist das Multimediasystem, das zum Hochfahren oft viel zu lange braucht. Nervig ist das vor allem, weil während der Ladezeit die Rückfahrkamera nicht zur Verfügung steht – bei Ausparkvorgängen braucht man daher Geduld oder eine mit Sicherheit freie Umgebung.

Der Toyota Proace Verso bietet viel Platz für Gepäck. Foto: Toyota

Auf der Straße überzeugt der Toyota. Der im Testwagen montierte 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS geht durchzugsstark und kultiviert zur Sache, verbraucht im Praxis-Mix ohne Anhänger rund sieben Liter und ist an ein gut abgestimmtes und exakt geführtes manuelles Sechsganggetriebe gekoppelt. Eine Automatik gibt es für diesen Motor nicht, wer sie will, muss die stärkere und deutlich kostspieligere Variante mit 177 PS wählen. Die bietet für 48.085 Euro etwas bessere Fahrleistungen bei vergleichbarem Praxisverbrauch. Das Fahrwerk bietet guten Langstreckenkomfort, ohne den Bus in Kurven übermäßig schwanken zu lassen.

Preis unter 50.000 Euro

Wer sich für den kleineren Motor entscheidet, zahlt für den Proace Verso Shuttle Comfort mindestens 46.685 Euro. Ein Schnäppchen ist der Toyota also nicht, liegt preislich nicht nur auf einem ähnlichen Niveau wie die baugleichen Schwestermodelle Peugeot Traveller, Citroen Spacetourer und Opel Zafira, sondern ist auch ähnlich teuer wie der Segments-Bestseller VW T6 Caravelle, dem er aber zumindest einige PS und einiges an Ausstattung voraushat.

Unter anderem sind serienmäßig Notbremsassistent, Totwinkel-Warner, Heckkamera und Zweizonen-Klimaautomatik an Bord. Deutlich günstiger wird es bei der Wahl der deutlich abgespeckten Variante „Shuttle“ für 37.900 Euro, die es nur mit 88 kW/120 PS starkem Diesel gibt: Viel mehr Geld kann man ausgeben, wenn man den Proace Verso zum vollvariablen Familienmobil ausbauen will. Dann steigt der Preis schnell über die 50.000-Euro-Grenze. (SP-X)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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