Renault Grand Scénic: Fahnenträger auf High Wheels

20 Zöller für Familienvan

Der Renault Grand Scénic. Foto: AG/Flehmer
Der Renault Grand Scénic steht auf 20 Zöllern. © AG/Flehmer

Das Segment der Vans muss immer mehr den trendigen SUV Platz machen. Renault bietet mit dem Grand Scénic einen der wenigen traditionellen Vertreter an, die die Fahne der Familienkutschen hochhalten.

Der Trend scheint sich nicht mehr umkehren zu lassen. Seit Jahren fahren die SUV den ehemals sehr beliebten Familien-Vans den Rang ab. Ein paar Autobauer bieten noch Alternativen und beweisen mit Neuauflagen auch einen langen Atem mit den als gesetzt oder bieder geltenden Familienkutschen. Damit die Attraktivität nicht gänzlich verloren geht, hat Renault mit der Einführung der vierten Generation des Scénic und Grand Scénic ein optisches Ausrufezeichen gesetzt.


Mit zwanzig Zoll serienmäßig ausgestatteten Schlappen bildet der Franzose die visuelle Speerspitze im Segment und rückt damit den SUV auf die Pelle. Versehen mit einem derzeit im Trend liegenden braunen Lackton nähert sich der hochgebockte Grand Scénic den Crossovern eher an als den Segmentgeschwistern von BMW oder VW, die auf traditionelle Van-Werte setzen und unscheinbarer gestaltet sind.

Renault Espace als optische Vorlage

Auch wenn der Espace als sehr ähnelnde Vorlage nicht wegzuleugnen ist, hat die Neugestaltung der vierten Generation auf seinen insgesamt 4,64 Metern in der Länge gut getan. Wer ältere Modelle vor oder neben sich im Alltagsverkehr sieht, freut sich, in der aktuellen Version zu sitzen. Denn auch innen hat sich eine Menge getan. Und auch daran ist der Espace nicht ganz unschuldig, da mit dem Raumgleiter auch eine neue Designlinie eingeleitet wurde.

Je nach Ausstattung empfangen die Insassen gut konturierte Ledersitze, die für Fahrer und den Beifahrer auch eine Massagefunktion bereithalten. In der Mitte des Armaturenbretts prangt ein 8,7 Zoll großer Touchscreen, über den die wichtigsten Funktionen oder das Smartphone gesteuert werden. Nicht immer eindeutig sind dabei die Wege, die erst über mehrere Fingertipps zum Ziel führen. So wird zum Beispiel auch Einstellung des Headup-Displays darüber gesteuert, das man per Knopf oder Schalter einfacher hätte gestalten können. Hat man sich an den Ablauf gewöhnt, kommt schnell mit dem R-Link2-System klar. Gut, dass die Klimaanlage noch recht traditionell bedient werden kann.

Wohnmobilverhältnisse dank guter Aussicht

Das Cockpit des Renault Grand Scénic. Foto: AG/Flehmer
Das Cockpit fällt wertig aus, der Touchscreen ist umständlich zu bedienen. Foto: AG/Flehmer

Ebenso gut ist die Aussicht nach vorn. Eine riesige Panorama-Windschutzscheibe sorgt fast schon für Wohnmobilverhältnisse. Auch deshalb, weil die Motorhaube steil abfällt und vom – fast wie in einem SUV – erhöhten Fahrersitz kaum erkennbar ist. Hier leiten die Parkpiepser den Scénic gut in die Lücke. Für hinten steht eine Rückfahrkamera zur Verfügung, die mit scharfen Bildern für Sicherheit beim Einparken sorgt, falls nicht der Parkassistent vorher aktiviert wird. Denn auch hier gibt der Espace das Kommando an. Auf der identischen Plattform stehend, fließen auch alle Helferlein vom Espace in den Scénic ein.

Dann kann über das R-Link2-System neben der Wahl der Fahrmodi vom Fahrerplatz aus der Scénic in einen Kleintransporter verwandelt werden. Per Fingertipp kippen die Rücksitze der zweiten und – je nach Ausstattung – auch dritten Reihe um und bilden einen ebenen Ladeboden. Dann stehen bis zu 2,85 Meter Ladelänge sowie 1901 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Als Fünfsitzer bleiben 533 Liter, mit sieben Sitzen sind es noch gerade 109 Liter für die ein oder andere Plastiktüte.

Renault Grand Scénic mit Vorteilen als Cruiser

Das Heck des Renault Grand Scénic. Foto: AG/Flehmer
Optisch ähnelt der Renault Grand Scénic dem Espace. Foto: AG/Flehmer

Platz bieten auch die zahlreichen Ablagen. Als besonderen Gag lässt sich das Handschuhfach elektrisch öffnen. Bei der Premiere muss der Beifahrer aber starke Nerven zeigen, da die Lade ausfährt und an sein Knie knallt. Keine Sorge: Es tut nicht weh! Und sollte doch ein gewisser Schmerz entstehen, kann das Knie an das 11,5 Liter fassende Fach gehalten werden, das dann nicht nur Flaschen kühlt, sondern auch das Leiden lindert.

Ohne Leiden geht die Fahrt mit dem 1,3 Liter großen Turbobenziner Energy TCe 140 vonstatten. Zwar hindert manchmal die elektronische Parkbremse den Fahrer an einer zügigen Anfahrt, doch dann kommen die 240 Newtonmeter ab 1600 Umdrehungen zur Geltung. Ausgestattet mit 103 kW/140 PS ist der Sprint nach 10,3 Sekunden absolviert, die Spitzengeschwindigkeit bei 192 km/h erreicht. Völlig ausreichend für den Familien-Van, der als Cruiser seine Vorteile auf langen Strecken ausspielt. Wer es nicht allzu forsch angeht, benötigt 6,7 Liter im Mix. Das sind 1,2 Liter mehr als angegeben. Für den realen Gebrauch ein guter Wert.

Clevere Lösungen für Fond-Gäste

Die sechs Gänge lassen sich gut einlegen. Optional steht eine Siebengang-Doppelkupplung zur Auswahl. Das Fahrwerk ist nicht zu hart oder weich eingestellt, kann aber auch individuell über R-Link konfiguriert werden. Für jeden Geschmack innerhalb der Familie kann der Van etwas bieten. Die Gäste im Fond können dabei ihre Tablets an den Rücksitzen befestigen. Unter ihren Füßen gibt es jeweils ein Staufach, in dem Gegenstände vor unliebsamen Einblicken geschützt werden. Die spezielle Bose-Anlage der gleichnamigen Ausstattungslinie sorgt für reinen Genuss für die Ohren.

Um den Genuss spüren zu können, werden für den Grand Scénic Bose TCe 140 29.590 Euro aufgerufen. Mit diversen Paketen, die sowohl Fahrassistenten als auch Annehmlichkeiten beinhalten wie dem Lederpaket für 1590 Euro oder der Zweifarblackierung Sondermetallic sowie dem Night-Paket ( jeweils 1190 Euro) oder der dritten Sitzreihe für 800 Euro kommen letztendlich 36.030 Euro zusammen, die den Trend zum SUV nicht stoppen können, wohl aber als überlegenswerte Alternative erscheinen.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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