Mazda MX-30: Ökologisch durchdacht

Ende September startet mit dem MX-30 Mazdas erstes E-Auto offiziell in Deutschland. © Mazda

Mazda bringt mit dem MX-30 im September sein erstes vollelektrisches Modell auf den Markt. Das Crossover-Modell geht dabei mit Blick auf die Reichweite seinen eigenen Weg.

Doch ist es sinnvoll, ein Elektro-Auto in dieser Klasse mit einer Batteriekapazität von gerade einmal 35,5 kWh anzubieten? Die Verantwortlichen bei Mazda reagieren gelassen auf diese Frage. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden den MX-30 nur mit einer kleinen Batterie auszustatten“, sagt Christian Heider, der das Produktmarketing verantwortet und fügt hinzu:  „Für uns stellt die Wahl eines kleinen Akkus die perfekte Balance zwischen Alltagstauglichkeit und Umweltverträglichkeit dar.“


In Zeiten, in denen viele Kunden die Kaufentscheidung für ein Elektroauto neben dem Preis auch von dessen Reichweite abhängig machen, ist es ein bemerkenswerter Schritt, dass sich Mazda bei seinem ersten E-Auto im Portfolio für eine derart überschaubare Reichweite entschieden hat. Selbst Kleinwagen wie der Opel Corsa-e oder der Peugeot e-208 kommen auf eine Range von 330 Kilometer – und bieten den Kundinnen und Kunden damit die Möglichkeit, seltener die nächste Ladestation ansteuern zu müssen.

CO2-Vorteil durch Rightsizing

Speziell für die Klimasteuerung gibt es einen Touchscreen in der Mittelkonsole. Foto: Mazda

Ist eine Beschränkung auf 200 Kilometer nach dem neuen Verbrauchszyklus WLTP damit kein Nachteil im Wettbewerbsumfeld? Nein, ist man bei Mazda überzeugt. Zum einen kommt der MX-30 im City-Modus – also dort, wo das Fahrzeug viel rekuperiert – auf eine Reichweite von 262 Kilometer. Zum anderen trägt er mit diesem Rightsizing – so nennen die Japaner diesen Technologieansatz – keinen überdimensionierten CO2-Rucksack mit sich herum. Sprich: Angesichts von täglichen Fahrstrecken von durchschnittlich 30 bis 40 Kilometer ist es wenig sinnvoll, täglich ein Batteriegewicht von 500 bis 600 Kilogramm zu bewegen, wenn man die daraus resultierende Reichweite nicht braucht. Beim MX-30 macht die Batterie vom Gesamtgewicht von 1645 Kilogramm nur 310 Kilogramm aus. Ein Aspekt, der ihm in der gesamten CO2-Kette von Rohstoffgewinnung bis Recycling während des Lebenszyklus eine bessere Ökobilanz ermöglicht.

Dass man mit diesem Rightsizing durchaus potenzielle Kunden vom Kauf eines MX-30 abhält, weiß man bei Mazda. „Doch den Vielfahrern bieten wir effiziente Diesel an“, erklärt Heider. Zudem macht man sich auch Gedanken darüber, den MX-30 zu einem späteren Zeitpunkt auch mit einem Range Extender anzubieten.

Noch 2500 Einheiten in 2020 angepeilt

Der Mazda MX-30 hat keine B-Säule. Foto: Mazda

Dass Mazda von seiner Strategie überzeugt ist, kann man auch an den Absatzerwartungen ablesen: Obwohl der neue MX-30 erst Ende September auf den Markt kommt, erwartet man noch in diesem Jahr in Deutschland einen Absatz von 2500 Einheiten. Befördert wird diese Absatzerwartung auch durch die Erhöhung des Umweltbonus auf 9480 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Damit müssen Käufer für den mit 32.645 Euro in der Preisliste stehenden MX-30 mit der abgesenkten Mehrwertsteuer „nur“ noch 23.645 Euro zahlen. Daneben bietet Mazda im Vorverkauf den MX-30 als First Edition-Variante für einen Preis von 33.134 Euro an – davon geht dann aber noch der Umweltbonus ab. Wer sich für die First Edition entscheidet profitiert von einem Preisvorteil von 2534 Euro.

Auch wenn sich Mazda mit seinem ersten E-Auto etwas Zeit gelassen hat, hat sich die Wartezeit gelohnt. Das Design des MX-30 ist ansprechend – und setzt neben SUV-Elementen auf eine coupéhafte Dachlinie. Auf den ersten Blick wirkt der MX-30 wie ein Zweitürer, da auf Griffe für die Fondtüren verzichtet wurde. Ist er aber nicht: er verfügt über so genannte Club-Doors, also gegenläufig zu öffnende Türen. Aufgrund dieses Konzepts konnte auf eine B-Säule verzichtet werden, was den Einstieg auf die hintere Sitzbank erleichtert. Nicht allzu große Personen können dort noch kommod sitzen. Die leicht abfallende Dachlinie sorgt bei größeren Fondpassagieren aber für eine eingeschränkte Kopffreiheit.

Kork und Pet im Innenraum

Dass, was der verantwortliche Designer Jo Stenuit als „Human-Modern-Designkonzept bezeichnet, gefällt –sowohl außen wie innen. So klar wie sich das Exterieur-Design präsentiert, setzt sich die Formensprache auch im Innenraum fort. Hier wirkt alles luftig und leicht. Das Raumkonzept überzeugt – vor allem auch durch die Materialauswahl. So wurden für die Türverkleidung PET-Materialien verwendet, die Mittelkonsole ist mit Kork umrandet. Bei allem Hang zur Verwendung von Ökomaterialien wirkt der Innenraum optisch und haptisch ausgesprochen wertig. So etwas kennt man sonst nur aus teureren Fahrzeugen. Damit braucht sich der MX-30 nicht verstecken.

Der Mazda MX-30 hat eine Reichweite von mindestens 200 Kilometer. Foto: Mazda

Doch wie fährt er sich nun? Gut, wirklich gut. Seine Leistung von 145 PS macht diesen Mazda zwar nicht zu einem Ausbund von Sportlichkeit, doch das erwartet man von ihm auch nicht. Sein Drehmoment von 271 Nm reicht aber aus, ihn mehr oder minder kraftvoll zu beschleunigen. In 9,7 Sekunden hat er Tempo 100 erreicht, die Höchstgeschwindigkeit ist bei abgeregelten 140 km/h erreicht, um so die Batterie zu schonen. Doch auf der Autobahn zwischen Leverkusen und Düsseldorf zeigte der Tacho sogar 146 km/h. Wer ihn so schnell bewegt, der kommt dann auch in den Bereich des angegebenen Stromverbrauchs von 19 kWh auf 100 Kilometer. Doch wer ihn umsichtiger fährt und auf der Autobahn so um die 120 bis 130 Kilometer schnell ist, kommt auch auf einen Wert unter 17 kWh.

Nun bleibt abzuwarten, wie die Kunden auf das Öko-Konzept des Rightsizings von Mazda reagieren. Der Ansatz ist unter CO2-Aspekten logisch nachvollziehbar – und die ersten Fahreindrücke mit dem MX-30 überzeugen.

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