Audi e-tron: Im Zeichen der Stille

Der e-tron von Audi. Foto: Audi
Audi fährt mit dem e-tron in die vollelektrische Welt © Audi

Es hat gedauert, etwas länger als gedacht. Aber nun ist es soweit. Der neue Audi e-tron wird im Januar in Deutschland auf den Markt kommen.

Das ist er also: der neue Audi e-tron. Er steht vor einer Glasfassade in Masdar City, der neuen Ökostadt in Abu Dhabi. Hier entsteht in unmittelbarer Nähe zum Flughafen seit 2008 eine Kleinstadt, deren Strom von einer 10 Megawatt starken Solaranlage erzeugt wird. Deren noch in Sichtweite installierten Solarpanels sehen aus der Ferne wie ein kleiner See aus.


Aufgrund der Bauweise der Büro- und Wohngebäude soll der Energie- und Wasserverbrauch in Masdar City um 40 Prozent reduziert werden. In dem schnell wachsenden Wohngebiet hat sich mittlerweile ein Clean-Tech-Cluster mit 590 kleinen und mittleren Firmen angesiedelt. In Masdar City hat auch die Zentrale der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien ihren Sitz. Die Botschaft der Modellstadt ist klar: so sieht Nachhaltigkeit aus.

Das soll natürlich auch auf den Audi e-tron zutreffen, das erste reine Elektroauto des Ingolstädter Autobauers. Es ist – wie sollte es anders sein – natürlich ein SUV. Dass diese Fahrzeugklasse aufgrund seiner hochbauenden Karosserieform und Gewichts (beim e-tron sind es 2,4 Tonnen) per sé nicht für eine gute Effizienz steht, spielt für die Hersteller keine Rolle.

Reichweite von bis zu 400 Kilometern

Das Heck des e-tron. Foto: Audi
Rund 400 Kilometer soll der e-tron mit einer Ladung zurücklegen können. Foto: Audi

Sie haben sich (wie Jaguar mit dem I-Pace oder Mercedes mit dem EQC) für dieses Segment entschieden, weil es das geringste Risiko birgt. Schließlich sind SUVs die derzeit am stärksten von den Kunden nachgefragte Fahrzeugklasse. Schöner Nebeneffekt: sie bieten ausreichend Platz, ein großes Batteriepaket unterzubringen – und damit für eine hohe Reichweite zu sorgen: beim Audi e-tron bringt es die 95 kwH starke Batterie nach dem neuen Prüfzyklus WLTP auf mehr als 400 Kilometer. Dass eine solche Reichweite erzielt werden kann, dafür sorgt auch ein innovatives Rekuperationssystem: es trägt bis zu 30 Prozent zu dieser Reichweite durch Schub- und Bremsrekuperation bei. Hört sich nicht nur gut an, sondern funktioniert auch in der Praxis. Bei Bergabfahrten stieg die Reichweite so wieder um zehn Kilometer an.

Unterwegs durch die Region um Abu Dhabi hinterlässt der e-tron einen überzeugenden Eindruck. Das fängt schon beim Platzangebot an. Mit seiner Länge von 4,90 Metern, seiner Breite von 1,93 Metern und einer Höhe von 1,61 Metern kann man in ihm sehr bequem auch längere Strecken hinter sich bringen. Seine Fahreigenschaften und Fahrdynamik liegen, wie man es von einem Auto mit einem Grundpreis von 79.900 Euro erwarten kann, auf Oberklasse-Niveau.

Souverän durch den Wüstensand

Der e-tron in der Wüste. Foto: Audi
Auch im Wüstensand gibt der e-tron eine gute Figur ab. Foto: Audi

Dank seines Allradantriebes macht der e-tron auch abseits des Asphalts im Wüstensand eine gute Figur, fährt ohne merkliche Mühe im Offroad-Modus auch durch besonders weiche Passagen. Gut, in Europa wird man das selten tun, ebenso wenig werden sich viele Käufer überhaupt ins Gelände verirren. Aber immerhin: man könnte, wenn man will.

Dem e-tron haben die Entwickler zwei Elektromotoren mit einer Systemleistung von 408 PS verpasst, das Drehmoment liegt bei satten 664 Nm (Boost Modus). Wer mag, der kann in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und bis zu 200 Kilometer schnell fahren, wenn er denn schneller als andere wieder die Ladestation anfahren will. Dort kann er übrigens die Batterien mit einer Ladeleistung von 150 kW in rund 30 Minuten an einer Schnellladestation wieder aufladen. Seinen Kunden bietet Audi übrigens die Möglichkeit, mit Smartphone oder Ladekarte eine der 70.000 Ladestationen europaweit anzusteuern. Auch „Plug and Charge“ soll angeboten werden.

Kameras als Rückspiegel

Kameras statt Rückspiegel im e-tron. Foto: Audi
Audi ersetzt im e-tron die Rückspiegel durch Kameras. Foto: Audi

Eines der optischen Highlights am e-tron sind die neuen, optionalen Kameraspiegel. Sie sind gegen einen Aufpreis von 1540 Euro zu bekommen und übertragen die Bilder auf einen 7 Zoll Oled-Bildschirm im Innenraum direkt in der oberen Ecke der beider Vordertüren. Für das Auge ist das erst gewöhnungsbedürftig, denn man richtet seinen Blick (so hat man es verinnerlicht) erst direkt auf die Spiegel. Doch dort sieht man nur die schmalen Kameras. Doch wenn man sich daran gewöhnt hat, weiß man sie zu schätzen. Zum einen verhindern sie einen toten Winkel, zum anderen ermöglichen sie bei Dunkelheit eine bessere Sicht. Ihre Helligkeit und auch Ausrichtung lässt sich durch Berührung verstellen.

Ein weiterer Nebeneffekt dieser Spiegel ist der geringere Luftwiderstandswert. Er sorgt nach Aussagen von Audi Aerodynamik-Chef Moni Islam für eine zusätzliche Reichweite von 2,5 Kilometern. Während die Aerodynamik mit Blick auf die immer strenger werdenden CO2-Grenzwerte schon bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor enorm wichtig ist, kommt ihr gerade bei E-Autos eine noch stärkere Bedeutung bei – vor allem, wenn es sich bei dem Elektroauto um ein SUV handelt.

Aerodynamik sorgt für Reichweitenzuwachs

Das Cockpit des Audi e-tron. Foto: Audi
Der Innenraum ist funktional und komfortabel eingerichtet. Foto: Audi

Entsprechend haben die Mitarbeiter von Moni Islam eine Menge Stellschrauben angelegt, um zu einem cW-Wert von 0,27 zu kommen, ein exzellenter Wert für ein solches Trumm von Auto. Zum Vergleich: der Audi A2 kam damals auf einen cW-Wert von 0,25 und der Audi 100 auf 0,30. Zu den Maßnahmen gehören neben den virtuellen Außenspiegeln auch eine besondere Konzeption des Unterbodens mit versenkten Schrauben und natürlich die Kühlerjalousie. Sie ist für das Thermomanagement zuständig und lässt sich öffnen und schließen. In der Summe aller aerodynamischen Maßnahmen konnten so rund 35 Kilometer Reichweite gewonnen werden.

Aber nicht nur das: auch auf die Aeroakustik wurde großes Augenmerk gerichtet – und das merkt man. Bis auf das Abrollgeräusch der Reifen und das leise Surren der E-Motoren hört man nichts. So unterwegs können die Passagiere während der Fahrt den „Sound of Silence“ (Islam) genießen. Der e-tron sollte übrigens noch in diesem Jahr seinen Marktstart feiern. Doch der verzögert sich wegen eines notwendigen Software-Updates. Aber nachdem die Audi-Kunden so lange auf das erste Elektroauto der Marke gewartet haben, kommt es auf ein paar Wochen mehr oder weniger nicht an. Am Ende zählt das Resultat – und das lässt sich sehen. Obwohl es ein SUV ist.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.