Porsche 911 Turbo S Cabrio: Überzeugt sogar im Alltag

Der Porsche 911 Turbo S leistet 650 PS. © Porsche

Der Porsche 911 Turbo S fasziniert – und das nicht nur wegen seiner Leistung von 650 PS. Das Cabrio der Schwaben bietet alles, um Sportwagenfahrer glücklich zu machen.

Es gibt langweilige Autos, praktische Autos, faszinierende Autos, schnelle Autos, auch superschnelle und welche, die einen etwas ratlos zurücklassen.


Auf das Cabrio des Porsche Turbo treffen alle diese Attribute zu, wobei wir von vornherein einräumen, dass die Langweile, die dieses Fahrzeug verströmt, in etwa so ist, wie der normale FC-Bayern-Fan eine erneute Meisterschaft wahrnimmt. Man ist eben schon wieder Erster. Kein Grund zum Ausrasten.

Sogar Platz fürs Gepäck

Praktisch ist der Turbo, weil er alles an Bequemlichkeit bietet, was in ein Reiseauto hineingehört inklusive Platz für Gepäck für zwei Personen und weil er auf Knopfdruck in ein paar Sekunden bis Tempo 50 die Sonne reinlässt oder den Regen aussperrt. Faszinierend ist er, weil er die Kraft und Dynamik eines Rennwagens mit einem recht komfortablen Reisewagen kreuzt. Darüber, dass er schnell ist, muss man nicht lange reden und zum Rest kommen wir später.

Der aktuelle Elfer, und da ist der Turbo keine Ausnahme, ist der größte und bequemste, den es je gab. Schon bisher war der Porsche 911 in jeder Generation ein Sportwagen, in dem man auch als größerer Fahrer eine ordentliche Sitzposition und hinreichenden Alltagskomfort fand. Der aktuelle Elfer ist durch den längeren Radstand und die inzwischen erreichte Breite eben der bequemste.

Boxer leistet satte 650 PS

Das Cockpit des Porsche 911 Turbo S mit seinen digitalen und analogen Instrumenten. Foto: Porsche

Der Turbo war zudem schon immer der etwas leisere, langstreckentauglichere Porsche. Auch hier macht der Neue keinen Unterschied, wenngleich ja inzwischen alle Elfer Turbos sind, nur eben nicht so stark wie der richtige Turbo. Einen Hauch seiner Kraft offenbart er schon beim ersten Drehen des Schlüsselstumpfes, der den herkömmlichen Schlüssel ersetzt und fest an seinem Platz links vom Lenkrad montiert ist. Kurz faucht die Maschine auf, um sogleich in einen sanft brabbelnden Leerlauf zu fallen.

Satte 650 PS leistet der 3,8-Liter Boxer dank seiner Druckbeatmutung, 800 Newtonmeter Drehmoment stehen zwischen 2500 und 4000 Umdrehungen parat. Die nackten Zahlen sagen wenig aus, über das, was diese Werte verursachen können. Damit sie das nur da tun, wo es angemessen ist, bedarf es gar keiner so großen Anstrengung. Man muss eben nur zart mit dem Gasfuß umgehen und sich zivilisiert im Straßenverkehr benehmen. Das Thema Autoalltag ist so gesehen einfach zu handhaben, solange man ignoriert, was das Auto eigentlich könnte.

Zur Vereinfachung hat Porsche einen Fahrmoduswahlknopf installiert, der in Stellung „Normal“ ganz treffliche Ergebnisse liefert. Wird es nass auf der Straße, erinnert einen der Turbo daran, dass es auch einen Wet-Modus gibt, bei dem die Leistungsentfaltung etwas sanfter vonstattengeht, auf dass die Kurvenlage sicher bleibe.

Perfektes Achtgang-DSG

Die Achtgang-Doppelkupplung verrichtet ihre Dienste nahezu perfekt, man darf sich ganz dem Gasgeben, Bremsen und Lenken widmen. Weil das Cabrio derart exakt reagiert, ist das vor allem im kurvigen Geläuf ein sehr freudvolles Unterfangen. Es wird höchsten dadurch eingetrübt, dass der Gesetzgeber mehr als 100 km/h auf Landstraßen nicht erlaubt und an diesen Umstand zudem noch immer wieder mit Kameras erinnert. Trotzdem kann man just auf Landstraßen Lücken zum Überholen nutzen, bei denen man in anderen Autos nicht mal den Begriff „Überholen“ denken würde. Ein Auto, das keine 3 Sekunden benötigt, um auf Tempo 100 zu kommen und weniger als 9 Sekunden, um 200 zu erreichen, bietet diesbezüglich einfach gewisse Reserven.

Nicht anders sieht es auf der Autobahn aus. Maximal gibt Porsche 330 km/h an. Das wollen wir gerne glauben, konnten es aber verkehrsbedingt nicht verifizieren. Die Art und Weise, wie das Cabrio bei 220 km/h auf einen Kickdown reagiert und auf mehr als 280 springt – beschleunigt ist an dieser Stelle der falsche Begriff – ist schon sehr beeindruckend. Natürlich sind auch die Bremsen über jeden Zweifel erhaben und sorgen für baldige Anpassungen der Raserei an normale bundesdeutsche Autobahnbedingungen. Und die sind letztlich so, dass man nach mehreren hundert Kilometern auch temporeicher Fahrt am Ende einen Schnitt von ungefähr 100 erreicht, egal wie schnell das Auto gekonnt hätte. Dafür schafften wir es, bei dieser Gelegenheit trotz der Sprintversuche mit 10,9 Litern unter dem Normverbrauch von 11,3 Litern zu bleiben. Auch an dieser Stelle zeigt sich der Fortschritt.

Preis bei rund 226.000 Euro

Der Porsche 911 Turbo S macht auch im Alltag eine gute Figur. Foto: Porsche

Manchmal schießt er allerdings ein wenig übers Ziel hinaus oder sogar schlicht vorbei. Wenn man schon das klassische Fünf-Uhren-Design im Cockpit beibehält, sollten auch alle Anzeigen ablesbar sein. Dass sind in der aktuellen Elfer-Generation die beiden äußeren aber leider nicht. Und die vielen Optionen des digitalen Lebens auf den schönen Anzeigen, lenken doch schnell mal vom eigentlichen Vergnügen ab.

Das Vergnügen könnte auch beim Blick auf die Preisliste eingetrübt werden, aber die war noch nie ein Hindernis für Fans, sich ihren Traumwagen zu gönnen. Porsche nimmt in der aktuellen günstigen Mehrwertsteuersituation 225.935 Euro für das Turbo S Cabrio und lässt dabei via Optionen noch einiges an Spielraum nach oben.

Ratlos macht uns das Auto übrigens, weil wir am Ende des Tests nicht so recht wissen, wie wir diese Spitze des Sportwagenbaus einordnen sollen: Es ist ein faszinierendes Stück Technik, irre schnell, Grenzen nochmal verschiebend, die ohnehin schon auf einem Niveau waren, die mit Straßenverkehr nichts mehr zu tun haben. Er gibt er sich gleichzeitig so normal wie jeder Elfer, wirkt aber mit seinen 650 PS auch ein wenig aus der Zeit gefallen. (SP-X)

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