Umweltverbände fordern Ausstieg aus dem Verbrenner

Spätestens bis 2030

Umweltverbände fordern Ausstieg aus dem Verbrenner
Die EU hat schärfere CO2-Grenzwerte auf den Weg gebracht. © dpa

Umweltverbände fordern einen Ausstieg aus dem Verbrenner bis spätestens 2030. Beim Lobbyverband VDA ist man gegen ein solches Ausstiegsdatum.

In einem gemeinsamen Brief fordern mehrere Umweltverbände die deutschen Autobauer auf, bis spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Hersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW müssten ihre Produktion stattdessen auf «effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten», heißt es in einem Brief, den unter anderen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Germanwatch und die Deutsche Umwelthilfe unterschrieben haben.


Für Hybrid-Fahrzeuge gelte die Forderung nach einem Verkaufsstopp gleichermaßen, wie die Unterzeichner erklärten. «Die angekündigten SUV-Modelle sind ein klimapolitischer Irrweg», schreiben die Verbände, die auch synthetischen Kraftstoffen und Kraftstoffen aus Biomasse im Straßenverkehr eine Absage erteilen.

Scheuer für synthetische Kraftstoffe

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte erst vor wenigen Tagen ein Ende des fossilen Verbrenners bis 2035 in Aussicht gestellt. Anders als von Umweltverbänden gefordert, will der CSU-Politiker aber auf synthetische Kraftstoffe setzen. Lediglich der klassische Verbrenner, der mit Benzin oder Diesel angetrieben wird, solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, sagte der CSU-Politiker der «Welt am Sonntag».

Der Verkehrssektor – insbesondere der Straßenverkehr – ist für einen großen Teil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die ausgestoßene Menge lag im Jahr 2020 nach Angaben des Umweltbundesamts bei 146 Millionen Tonnen. Die Reduktion um 19 Millionen Tonnen Treibhausgase im Vergleich zum Vorjahr führen Experten zum Teil auf weniger Mobilität während der Corona-Pandemie zurück.

Die EU-Kommission will Ende 2021 neue und ehrgeizigere Schadstoff-Grenzwerte für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Die Automobilbranche befürchtet dadurch ein vorzeitiges Ende des klassischen Verbrennungsmotors – also genau das, was Umweltverbände nun mit Nachdruck fordern.

VDA gegen Ausstiegsdatum

In der Debatte um ein Auslaufen des fossilen Verbrenners hatte sich die Präsidentin des Automobilverbandes VDA, Hildegard Müller, nach den Aussagen von Scheuer gegen ein Enddatum ausgesprochen. Beim Ausstieg aus der Verbrennertechnik könne man derzeit „keine Diskussion über Jahreszahlen führen“, hatte Müller der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Nach dem derzeitigen Stand der Elektrifizierung des Verkehrs wäre das zu früh.
Der Verkehrsminister habe sehr bewusst vom Ende des fossilen Verbrenners gesprochen, sagte Müller. Der Einsatz synthetischer Kraftstoffe wäre weiter möglich. „Nicht der Motor ist das Problem, sondern der fossile Kraftstoff“, so die VDA-Präsidentin. „Die Frage über ein Enddatum ist eher eine symbolische und kann erst beantwortet werden, wenn klar ist, wie der Markt für E-Autos sich entwickelt. Erst dann wird klar, ob es eine sinnvolle Jahreszahl gibt.“

Mit Blick auf Forderungen etwa der Grünen, dass Autos ab 2030 abgasfrei sein sollten, gab Müller zu bedenken, dass dann zu dem Zeitpunkt etwa 30 Millionen Benziner und Diesel verboten werden müssten. „Wer nicht hundertprozentigen Ökostrom laden kann, dürfte auch nicht fahren.“ Aus diesem Grund brauche es mehr Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen, so die VDA-Präsidentin. (dpa)

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