25. September 2007

Zeitgeist prägt Autofarben

Hybride Farben sind im Kommen
Hybride Farben sind im Kommen © Foto: BMW

Die Farbe eines Wagens kann beim Wiederverkauf eine große Rolle spielen. Allerdings ist ein Trendlack kaum zu verdrängen.




Von Heiko Haupt

Für Autokäufer ist es fast schon ein selbstverständliches Ritual: Vor der eigentlichen Bestellung wird stundenlang auf die Farbpalette geschaut. Die Farbe eines Wagens ist im Endeffekt eben wichtiger, als es auf Anhieb zu vermuten wäre. So ist sie beim Wiederverkauf ein wichtiges Ausstattungsdetail. Und die Farbe eines Wagens ist unter anderem mitverantwortlich dafür, wie frisch oder wie alt die Karosse aussieht: «Eine Lackfarbe ist immer auch Ausdruck einer Zeit», erklärt Michaela Finkenzeller, Designerin bei dem Lackhersteller BASF Coatings in Münster.


Farblicher Sündenfall in den siebziger Jahren

Und so kommt es, dass einige Farben nur mit einer bestimmten Zeitspanne in Zusammenhang gebracht werden - später dann jedoch kaum mehr auftauchen. Das gilt beispielsweise für die Bonbon-bunten Lacke der siebziger Jahre. «Damals kam das Thema Kunststoff ins Rennen», erklärt Finkenzeller. Es zeigte sich in vielen Bereichen, was sich mit den künstlichen Materialien in Hinblick auf Formen und Farben machen ließ. Dies übertrug sich auch auf das Auto - bis nach einigen Jahren die Erkenntnis reifte, dass die grellbunten Lacke grausam aussahen.

Dieser farbliche Sündenfall zeigt aber auch, dass die Entwicklung von Autolacken nicht von anderen Bereichen wie der Mode abgeschottet ist. «Die Trends setzen sich aus vielen Bereichen zusammen - dazu zählen die Entwicklungen in der Mode, bei Möbeln oder auch in der Elektronik-Branche», erklärt Lutz Werth, Sprecher des Lackherstellers Dupont Performance Coatings in Wuppertal.

Ablösung in Sicht

Der Beweis findet sich in einem Farbtrend, der in den vergangenen Jahren die Autowelt beherrschte: Silber. «Der Silbertrend kam mit dem verbreiteten Technik-Glauben», sagt Michaela Finkenzeller. Kaum ein anderer Farbton gibt das Technische so wieder, wie eben das reine Silber im Lack. Silber allerdings hat auch noch andere Vorzüge, was diesen Trend insgesamt zu einem der bisher beständigsten machte. Laut Lutz Werth ist Silber besonders schmutzunempfindlich und betont die Konturen eines Autos.

Mittlerweile ist nach den vielen silbernen Jahren eine Ablösung in Sicht. Fachleute wie Michaela Finkenzeller sehen einen neuen Trend, der sich in Begriffen wie Reinheit und Hybrid äußert. Die Reinheit ist bereits auf den Straßen zu sehen: Schließlich hat sich das lange verpönte Weiß zu einem bemerkenswerten Trend entwickelt.

Hybride Farben im Trend

Mindestens ebenso wichtig ist jene Entwicklung, die mit dem Begriff Hybrid verbunden ist. «Der Trend scheint im Augenblick in eine Richtung zu gehen, die Farbtöne und Silber verbindet», sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. So wandeln die Lackentwickler zunehmend das alte Silberthema und mischen unterschiedliche Farbtöne hinzu - so dass im Endeffekt «hybride» Farben entstehen. Das kann dann ein Lack sein, bei dem der Betrachter nicht recht weiß, ob es noch ein Silber oder durch die Zumischungen bereits ein Grün, ein Blau oder ein anderer Farbton ist.

Eines allerdings vermissen Marktexperten wie Nick Margetts derzeit: «Die bunten Straßen sind noch nicht in Sicht, es gibt noch nicht wieder die große Vielfalt.» Das jedoch könnte sich in absehbarer Zeit ändern - auch wenn nicht mit einer Rückkehr der grellen 70er Jahre zu rechnen ist. Derzeit aber wird an den trendigen Lackfarben gearbeitet, die in den Jahren 2011 und 2012 die Bleche schmücken sollen. Und es ist zu erwarten, dass dann einiges anders aussehen wird. Mit im Repertoire sind künftig laut Lutz Werth auch frische und leuchtende Farben. «Speziell bei kleinen und sportlichen Autos werden wir dann auch warme Rot- und Orangetöne sehen.» Ebenfalls gute Chancen spricht Lutz Werth frischen Grüntönen zu.

Jahrelange Tests

Dass derzeit an Farben gearbeitet wird, die erst in rund vier Jahren erhältlich sein werden, hat nicht nur Trendgründe. Genau wie neue Fahrzeuge müssen neue Lacke erprobt werden. Dabei geht es nicht nur ums Gefallen. Vielmehr müssen sie auch in sonnigen Regionen Tests unterzogen werden, um herauszufinden, wie sehr sie unter ständiger Sonneneinstrahlung ausbleichen. Regelmäßige Besuche in Waschanlagen als Verschleiß- und Kratztest gehören ebenfalls zu den Dauertests.

Für Autokäufer sind langfristige Trendansagen im Hinblick auf Lackfarben eine Chance: Wer sich heute einen Wagen in einer derzeit noch exotisch wirkenden Lackierung kauft, erzielt beim Wiederverkauf in einigen Jahren womöglich einen besseren Preis. Wer es lieber etwas konservativer hat, kann beruhigt sein: Die Experten gehen zwar davon aus, dass silberfarbener Lack zurückgeht. Dennoch wird der vom Trend zum Klassiker gereifte Lack auch in einigen Jahren noch eine große Rolle spielen. (dpa)



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