9. Oktober 2015

Emo-Flottenevent in Berlin VW-Abgasskandal als Schub für Elektromobilität

Der BMW i3 - ein Verkaufsrenner ist das Elektrofahrzeug nicht.
Der BMW i3 - ein Verkaufsrenner ist das Elektrofahrzeug nicht. © AG/Busse

Für Gernot Lobenberg kann der Abgasskandal bei Volkswagen positive Auswirkungen auf die Elektromobilität haben. Der Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität hofft entsprechend auf einen Schub für diese Technologie.




Der VW-Abgasskandal kann nach Auffassung von Gernot Lobenberg einen Schub für die Elektromobilität bedeuten. „Durch Dieselgate ist das Thema saubere Luft in aller Munde“, sagte der Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo) am Freitag bei der Veranstaltung „eFahrzeuge erFahren – Einsteigen und durchstarten“ in Berlin. Für Lobenberg gehört der Verbrennungsmotor angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger perspektivisch der Vergangenheit an („Der Verbrennungsmotor ist mittelfristig tot“).

Für Lobenberg greift die Aussage der Autobranche vor diesem Hintergrund auch zu kurz, die besagt, dass die ab dem Jahr 2021 geltenden strengen CO2-Abgaswerte der EU von 95 g/km ohne Dieselfahrzeuge nicht erreichbar seien. „Sie sind erreichbar. Dafür muss man nur auf Elektrofahrzeuge umsteigen.“ Dass der Weg zur Elektromobilität ein steiniger ist, sieht man zuletzt auch an den Zulassungszahlen für Elektroautos. Prozentual steigen sie zwar deutlich an, in Summe bewegen sie sich aber noch auf homöopathischem Niveau. So wurden in den ersten neun Monaten des Jahres nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bundesweit gerade einmal 7385 Elektro-Pkw neu zugelassen. Davon entfielen auf den September 929 E-Autos, ein Zuwachs von über 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Mit Blick auf alle Neuzulassungen im Vormonat kommen E-Autos damit gerade einmal auf einen Anteil von 0,3 Prozent.


Förderung durch Umweltministerium

Dass dieser Anteil steigt, das hat sich die Emo zum Ziel gesetzt. Sie versucht mit Veranstaltungen wie der in Berlin insbesondere Flottenkunden mit der Elektromobilität in Kontakt zu bringen. Hier können Unternehmen aber auch Behörden Elektroautos im reinen Wortsinne erfahren und sich von ihren Vorteilen überzeugen lassen.

Lobenberg ist überzeugt, dass Elektromobilität für den Markthochlauf zunächst nur mit Gewerbekunden erfolgen kann. „Derzeit gibt es wenig Anreize für Privatkunden, sich ein Elektroautos zuzulegen, es sei denn, sie wollen damit ihr Umweltbewusstsein präsentieren.“ Für Privatkunden würden E-Autos erst dann interessant, wenn sie das Auto über den Gebrauchtwagenmarkt erwerben würden, dann entsprechend zu einem deutlich niedrigeren Preis, so Lobenberg.

Ein E-Smart an der Steckdose
Ein E-Smart an der Steckdose © Daimler

„Natürlich müssen die Preise von Elektroautos runter. Die Politik muss Elektroautos fördern.“ Doch damit zielt er nicht auf einmalige Kaufprämien ab, sondern beispielsweise auf die diskutierte Sonder-Afa für gewerblich genutzte Elektroautos oder eine Reform der Kfz-Steuer, bei der Dreckschleudern entsprechend stärker zur Kasse gebeten werden müssten.

Die Emo als Projektkoordinator weist an E-Mobilität interessierte Unternehmen und öffentliche Einrichtung in diesem Kontext auch auf die „Initiative E“ für Berlin-Brandenburg hin. Hier fördert das Bundesumweltministerium sowohl das Fahrzeugleasing als auch die Ladeinfrastruktur. Denn in Berlin-Brandenburg gibt es derzeit 500 Ladestationen, doch sie werden von unterschiedlichen Anbietern wie beispielsweise Vattenfall oder RWE betrieben – und damit braucht man auch unterschiedliche „Tankkarten“, um sie nutzen zu können. Ein einheitliches Zahlsystem wie beispielsweise die Abwicklung der Aufladung über eine App besteht nicht. Neben dem Preis und der von E-Autos liegt auch gerade beim Thema Ladeinfrastruktur noch einiges im Argen.

Zugewinn an Image durch E-Auto

Das Tesla Model S
Das Tesla Model S © Tesla

Trotz solcher Widrigkeiten wollen Unternehmen, die in ihren Fuhrpark E-Autos aufgenommen haben, sie nicht mehr missen. Dazu gehört auch die Firma Ruksaldruck in Berlin. Hier hat man sich für den innerstädtischen Verkehr einen Nissan e-NV 200 Kleintransporter zugelegt. „Wir haben das Fahrzeug für fünf Jahre mit einem Laufleistung von 30.000 Kilometer geleast und zahlen dafür mit Förderung monatlich 370 Euro“, erzählte Geschäftsführer Werner Schmidt. „Unsere jährliche Ersparnis bei den Kraftstoffkosten belaufen sich auf 2400 Euro“, fügte er hinzu. Einschränkungen mit Blick auf die Reichweite hat man nicht. Denn das Fahrzeug wird sofort nach der Rückkehr zur Firma wieder aufgeladen. Schmidt selbst bereut den Schritt nicht, auf ein E-Auto umgesattelt zu haben.

Das trifft auch auf Olaf Marsson zu, den Geschäftsführer von Berlin Event. Die Eventagentur hatte erst ein Gasfahrzeug als Firmenfahrzeug im Einsatz, ehe man auf einen Renault Zoe umgestiegen ist. Mittlerweile fährt man einen Tesla. „Für uns ist das Fahren eines Elektroautos auch ein Image-Zugewinn, viele unserer Kunden finden das gut“, berichtet Marsson, der sich privat eine Ladestation vor das Haus hat installieren lassen: Der Strom dafür wird aus Solarenergie erzeugt. Und nur so macht Elektromobilität Sinn. Wer saubere Luft will, der muss seine E-Autos auch mit Strom aus regenerativem Quellen aufladen. (AG/FM)



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