12. September 2015

Magna-Entwicklungschef Swamy Kotagiri «Angst vor Carhacking steigt»

Swamy Kotagiri ist Entwicklungschef beim Zulieferer Magna.
Swamy Kotagiri ist Entwicklungschef beim Zulieferer Magna. © Magna

Die Vernetzung der Fahrzeuge schreitet voran – und damit die Gefahr, dass Hacker sie manipulieren können. Der Zulieferer Magna arbeitet an Lösungen, die Hackern so etwas unmöglich machen soll, wie Entwicklungschef Swamy Kotagiri sagte.




Die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen führt auch zu Sicherheitslücken. Dass Hacker Autos manipulieren können, haben sie zuletzt an einem Jeep Cherokee gezeigt. Für die Hersteller und Zulieferer entstehen dadurch ganz neue Sicherheitsanforderungen.

«Dadurch, dass vernetzte Fahrzeuge immer beliebter werden, steigt auch die Angst vor Carhacking. Es geht nun darum, wie man zu einer sichereren Fahrzeugvernetzung kommen kann», sagte Magna-Entwicklungschef Swamy Kotagiri im Interview mit der Autogazette. Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat sich Magna zusammen mit anderen Firmen beim israelischen Sicherheitsspezialisten Argus Cyber Security finanziell beteiligt.


Ausstellung Transformobility

Welche Lösungen Magna seinen Kunden anzubieten hat, will der Zulieferer auf der in der kommenden Woche in Frankfurt/Main beginnenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) mit seiner Ausstellung Transformobility zeigen. Die IAA steht in diesem Jahr unter dem Motto «Mobilität verbindet». Die Fahrzeugvernetzung ist in diesem Jahr einer der Schwerpunkte auf der weltgrößten Automesse.

«Das zeigt, dass es hier eine echte Gefahr gibt»

Der Jeep Cherokee wurde gehackt
Der Jeep Cherokee wurde gehackt © Jeep

Autogazette: Herr Kotagiri, die Vernetzung der Fahrzeuge schreitet voran. Müssen wir uns damit abfinden, dass dadurch auch immer mehr Sicherheitslücken entstehen?

Swamy Kotagiri: Die Fahrzeugvernetzung ist bereits ein stark wachsender Markt, der in den kommenden Jahren noch stärker wachsen wird. Dadurch, dass vernetzte Fahrzeuge immer beliebter werden, steigt auch die Angst vor Carhacking. Es geht nun darum, wie man zu einer sichereren Fahrzeugvernetzung kommen kann. Wie dies möglich ist, wird Magna auf der IAA in Frankfurt mit seiner Transformobility-Ausstellung zeigen.

Autogazette: Vor einigen Wochen ist es Hackern gelungen, einen Jeep Cherokee aus der Ferne zu manipulieren. Unter anderem konnten Sie Bremsen und Geschwindigkeit steuern. Hat Sie das überrascht?

Kotagiri: Ich denke, dass die meisten Menschen normalerweise überrascht sind, was Hacker alles anrichten können, egal was sie gerade hacken. Mit Blick auf die jüngsten Auto-Hacks fand ich es überraschend, dass diese zu den ersten Rückrufen wegen einer Cyber-Attacke geführt haben. Das zeigt, dass es hier eine echte Gefahr gibt.

Autogazette: Unterhält man sich mit Herstellern, dann hört man selten etwas von Sicherheitslücken durch die Vernetzung. Wird die Gefahr durch Hackerangriffe unterschätzt?

Kotagiri: Ich denke nicht, dass diese Gefahr unterschätzt wird. Hier wird sehr viel hinter den Kulissen gearbeitet.

«Bauen Zusammenarbeit mit Argus weiter aus»

Autogazette: Als ich Sie Ende des vergangenen Jahres fragte, was Magna unternimmt, um die Autos vor Angriffen zu schützen, sagten Sie, dass Sie sie so entwickeln, dass sie von außen nicht angreifbar sind. Würden Sie diese Aussage so wiederholen?

Kotagiri: Als wir uns das letzte Mal trafen, sprach ich davon, was wir auf der Consumer Electronic Show demonstrieren wollten. Zusammen mit einem Partner-Unternehmen haben wir dort ein von der US-Regierung getestete und eine fertig zum Einbau vorgesehene Sicherheitslösung gegen Cyber-Attacken gezeigt. Es ist unser Ziel, Herstellern eine Lösung anzubieten, die es Hackern unmöglich macht, ein Fahrzeug von außen zu manipulieren.

Autogazette: Sie arbeiten bereits mit Start-Ups und Sicherheitsspezialisten zusammen. Wie geht es mit der Zusammenarbeit mit Argus Cyber Security aus Israel weiter, nachdem Sie zusammen mit anderen Unternehmen finanziell dort eingestiegen sind?

Kotagiri: Wir können bestätigen, dass wir zu den Investoren gehören, wie auch gerade bekanntgegeben wurde. Zusätzlich zu der Investition an sich, sehen wir Argus Cyber Security als einen Pionier darin, vernetzte Fahrzeuge vor böswilligen Angriffen zu schützen. Im Januar hat Argus auf dem Magna-Stand auf der Consumer Electronics Show sein innovatives Intrusion Prevention System (IPS) präsentiert, mit dem kritische Komponenten davor geschützt werden können, gehackt zu werden.

«Brauchbare Lösungen anbieten»

Magna will brauchbare Sicherheitslösungen anbieten
Magna will brauchbare Sicherheitslösungen anbieten © AG/Mertens

Autogazette: Können Sie bereits konkret sagen, was sie genau zusammen machen wollen?

Kotagiri: Wir werden dazu in Kürze eine Ankündigung machen.

Autogazette: Autonomes Fahren ist einer der Key-Trends in der Branche. Kommt dem Thema Sicherheit gerade mit Blick auf diese Technologie eine besondere Bedeutung bei?

Kotagiri: Es ist eine Gefahr, aber zugleich eine Möglichkeit für Zulieferer wie Magna und unsere Partner brauchbare Lösungen für den Markt anbieten zu können.

Die Fragen an Swamy Kotagiri stellte Frank Mertens



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