8. Oktober 2014

Fahrbericht Achte Generation des Bestsellers VW Passat: Ein Hauch von Premium

Der VW Passat versprüht einen Hauch von Premium. Fotos ▶
Der VW Passat versprüht einen Hauch von Premium. © VW

Ab Mitte November rollt die achte Generation des neuen VW Passat zu den Händlern. Der Neue soll die Erfolgsgeschichte des Modells fortschreiben, von denen seit 1973 mehr als 22 Millionen Einheiten verkauft wurden. Gelingen soll dies mit vielen Oberklasse-Features.




Von Frank Mertens

Wer glaubt, dass der Golf das wichtigste Auto für VW sei, der irrt. Es ist der Passat. Das Mittelklasse-Modell rollt Mitte November bereits in achter Generation zu den Händlern. Seit 1973 wurden mehr als 22 Millionen Einheiten des Passat verkauft. Der Neue soll die Erfolgsgeschichte der Vorgänger fortschreiben.

Damit das gelingt und der Wachstumskurs von VW sich weiter fortsetzt, haben die Wolfsburger dem neuen VW Passat alles mitgegeben, was man an technischen Highlights im Konzernregal des Modularen Querbaukastens (MQB) finden kann. So bietet man für den Passat Fahrassistenzsysteme wie den Stauassistenten, einem Einparkassistenten für Anhänger, einer Adaptive Cruise Control oder einen Emergency Assist an. Er bringt das Fahrzeug automatisch zum Stehen, wenn der Fahrer dazu aus welchen Gründen (Herzanfall, Müdigkeit etc.) auch immer nicht mehr in der Lage sein sollte. Das sind allesamt Features, die man sonst nur aus der Oberklasse kennt.

"Ist das schon die neue Oberklasse von VW?", fragte dann auch VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer bei der Vorstellung des neuen Passat auf Sardinien, um die Antwort gleich mitzuliefern. "Nein, ist es nicht, aber wir haben mit ihm einen Sprung nach oben gemacht." Das Wort Premium nimmt bei VW niemand in den Mund. Dafür steht im Konzern Audi - und in Konkurrenz mit der Tochter aus Ingolstadt, die im kommenden Jahr mit dem A4 kommt, will man nicht treten. Lieber spricht man etwas zurückhaltender mit Blick auf den neuen Passat von Business-Class.


Passat peilt Kunden im C-Segment an

Dem kann man nicht widersprechen. Zwar bewegt sich der Passat im B-Segment, doch mit der wertigen Anmutung des Innenraums, seiner Vielzahl von innovativer Fahrassistenzsysteme wird er auch Kunden erreichen, die sich sonst eine Klasse höher im C-Segment umschauen. Doch wer wie VW für die Limousine mit dem 150 PS starken 1.4 TSI-Motor mit Zylinderabschaltung mindestens 30.375 Euro aufruft, der Variant beginnt bei 31.324 Euro (2.0 TDI/150), der muss dem Kunden auch schon einen Hauch von Premium in der Mittelklasse bieten.

Das Cockpit des neuen Passat
Das Cockpit des neuen Passat © VW

Dass der Passat weiterhin bei den Kunden hoch in der Gunst steht, zeigen die Verkaufszahlen. Im Vorjahr, kurz vor dem Modellwechsel, entscheiden sich weltweit 1,1 Millionen Kunden pro Jahr für einen Passat. "Alle 29 Sekunden wurde ein Passat verkauft, 3000 Autos am Tag", rechnet Neußer zufrieden vor. Dabei steht vor allem, je nach Markt, der Variant bei den Kunden ganz oben auf der Liste. Die meisten Kombis werden in Europa in Deutschland gefolgt von Großbritannien verkauft. Mehr als die Hälfte aller weltweiten Verkäufe entfallen auf den Variant. In der Türkei stehen die Kunden indes auf die Limousine, so gehen ein Viertel dieser Modellvariante an den Bosporus.

Gros des Geschäfts machen Flottenkunden

Nach wie vor ist der Passat das klassische Vertreter-Auto, auch wenn die Marketingstrategen in Wolfsburg hier lieber von Key Account Manager sprechen. Nun ja. Klar ist: Das Gros des Absatzes entfällt auf Flottenkunden, für sie ist und dürfte der Passat das Maß der Dinge im Segment bleiben.

Die Länge des VW Passat ist fast identisch geblieben
Die Länge des VW Passat ist fast identisch geblieben © VW

Kein Wunder: Denn der Passat bringt alles mit, um sich auf langen Fahrten wohl zu fühlen. Zwar wurde die Gesamtlänge um zwei Millimeter auf 4,767 Meter minimal reduziert, dafür wuchs jedoch die Innenraumlänge mit 1,83 Metern um 3,3 Zentimeter. Dadurch ist für die Mitreisenden im Fond für deutlich mehr Beinfreiheit gesorgt. Zugelegt hat auch die Kopffreiheit, die um 2,6 Zentimeter auf 97,7 Zentimeter anstieg, obwohl die Karosseriehöhe mit 1,45 Meter um 1,4 Zentimeter gesenkt wurde. Die flachere Form lässt den Passat nun noch sportlicher erscheinen. Ohnehin ist der Passat ein sehr praktikables Auto, das jeden Vertreter, pardon, Key Account Manager, erfreut: Das Kofferraumvolumen wuchs um 47 auf 650 Liter an und die Rücksitzlehne lässt sich im Verhältnis 40:20:40 umklappen.

Gewicht wurde um bis zu 85 Kilo reduziert

Damit die Effizienz des Passat gesteigert werden konnte, wurde auch das Gewicht um bis zu 85 Kilogramm reduziert. So wiegt der 1.4 TSI nur noch 1387 Kilogramm. In der Folge konnte der Verbrauch auch um bis zu 20 Prozent abgesenkt werden. So begnügt sich der 2.0 TDI mit BlueMotionTechnology mit vier Litern auf 100 Kilometer. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 106 g/km.

Der Zweiliter-Diesel mit 240 PS, Allradantrieb und Siebengang-DSG (ab 43.625 Euro) begnügt sich laut Hersteller mit 5,4 Litern. Und dabei erweist sich der Vierzylinder als kleines Kraftpaket: das maximale Drehmoment von 500 Nm (es liegt zwischen 1750 bis 2500 Touren an) sorgt für einen sehr kräftigen Antritt und gibt sich dabei ausgesprochen sportlich. So vergehen bis Tempo 100 gerade einmal 6,3 Sekunden und die Spitzengeschwindigkeit ist bei 238 km/h erreicht. Doch Volumen wird mit dieser Motorisierung nicht gemacht. Dafür ist eher der 150 PS-Diesel zuständig, der über ein maximales Drehmoment von 340 Nm verfügt. Er reicht vollkommen aus, um komfortabel von A nach B zu kommen. Vor allem kostet er mit 6-Gang-DSG als Limousine "nur" 32.450 Euro.

Das Heck des neuen Passat von VW
Das Heck des neuen Passat von VW © VW

Das Fahrverhalten des Passat ist unaufgeregt, aber in jeder Lage souverän. Aber das macht in der Summe auch den Erfolg des Passat auf. Er regt weniger die Emotionen als den Verstand an. Das Paket, das die Wolfsburger geschnürt haben, ist überzeugend. Die Key Account Manager können sich schon einmal auf ihren nächsten Dienstwagen freuen. Er wird sie nicht enttäuschen. Und Konkurrenzmodelle wie beispielsweise die Mercedes C-Klasse müssen sich auf einen ernsthaften Konkurrenten einstellen.






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