29. Februar 2016

Fahrbericht Mit Front- oder Allradantrieb Toyota RAV4 Hybrid: Gegen den Plugin-Trend

Toyota hat dem RAV4 einen Hybridantrieb spendiert.
Toyota hat dem RAV4 einen Hybridantrieb spendiert. © Toyota

Toyota hat den RAV4 erstmals mit einem Hybridantrieb ausgestattet – und das gleich mit zweierlei Möglichkeiten. Der SUV-Veteran erhielt zudem Nachhilfe bei den Sicherheitsassistenten.




Von Thomas Flehmer

Der Plugin-Hybrid wird derzeit als das neue Allheilmittel besonders derjenigen Hersteller angesehen, die eher größere Fahrzeuge in ihrem Portfolio bereitstellen. Mit der auf bis zu 40 bis 50 Kilometer limitierten rein elektrischen Kraft lassen sich auf der Rolle Verbräuche von 1,8 bis 2,8 Liter erzielen, die den immer strenger werdenden CO2-Grenzen auf der Spur bleiben. Hybrid-Vorreiter Toyota bleibt seiner vor fast 20 Jahren eingeschlagenen Linie treu und setzt nun auch beim RAV4 auf den reinen Hybriden - ohne Plugin.

Wie der SUV-Veteran hat sich innerhalb der letzten beiden Dekaden auch der Hybridantrieb weiterentwickelt. So ist es keine Überraschung, dass gerade bei den beiden Pionieren – dem RAV4 als Segmentgründer und Toyota als Hybrid-Vorreiter an sich – erstmals im Unternehmen ein Hybrid mit Allrad in Europa zum Einsatz kommt. Dabei haben beide Systeme – Allrad und Hybrid – deckungsgleiche Aufgaben: Sie kommen nur zum Einsatz, wenn sie gebraucht werden.


Toyota RAV4 Hybrid mit zwei Antriebsarten

Während der Fronttriebler lediglich auf den 2,5 Liter großen VVT-i Benziner mit 114 kW/155 PS sowie den permanent erregten Synchron-Elektromotor mit 105 kW/143 PS zurückgreift, gesellt sich beim E-Four genannten Allradantrieb noch ein 50 kW/68 PS starker Elektromotor an der Hinterachse hinzu. Je nach Anforderungen rechnet das System den günstigsten Mix aus Verbrenner und Elektro aus. Denn auch wenn der RAV4 Hybrid zwei Kilometer rein elektrisch zurücklegen kann, wirkt sich die anschließende Fahrt nur im Benzinvortrieb so lange negativ aus, bis die Nickel-Metallhydrid-Batterie wieder aufgeladen ist.

Ebenso wie sich der Elektromotor nur dann zuschaltet, wenn er gebraucht wird, aktiviert sich beim Allradantrieb der Elektromotor an der Hinterachse. Immer dann, wenn Traktion benötigt wird, variiert die Kraft variabel zwischen 60:40 bis zu 40:60. Bei der reinen Fahrt geschieht dieses ohne dass die Insassen etwas merken. Wird keine Traktion benötigt, ist auch der Allradler als sparsamer Fronttriebler unterwegs. Sowohl der Hybride als auch der Allrad-Hybride greifen jeweils auf eine Systemleistung von 145 kW/197 PS zurück.

Toyota RAV4 als hybrider Lasteesel

Die Sicherheit beim Toyota RAV4 Hybrid wurde erweitert
Die Sicherheit beim Toyota RAV4 Hybrid wurde erweitert © Toyota

Trotzdem bietet das Allradsystem einen Mehrwert. Zum einen kann der 4WD durch die hohe Traktion bis zu 1650 Kilogramm an den Haken nehmen, zum anderen bietet der Vierradantrieb in bergigen Regionen sowieso, aber auch auf rutschigen Untergründen ein Plus an Sicherheit – und erhält dabei weitere Unterstützung.

Denn Toyota hat das Safety Sense-Paket erweitert. Per Kamera und Radar kommen nun neben dem Notbrems-, dem Spurhalte-, Verkehrszeichen- und Fernlichtassistenten erstmals auch eine Fußgängererkennung, die adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie ein Totwinkel- und Rückfahrassistent mit Erkennung des Querverkehrs zum Einsatz. Bei den Hybridversionen kostet dieses Paket sehr faire 750 Euro.

Toyota RAV4 Hybrid in 8,3 Sekunden auf 100

Der Innenraum des RAV4 Hybrid ist modern eingerichtet
Der Innenraum des RAV4 Hybrid ist modern eingerichtet © Toyota

Ob mit oder ohne Sicherheits-Paket ist man im Toyota RAV4 komfortabel unterwegs. Unebenheiten des Untergrundes schlagen sich nicht bis in den Innenraum durch, auch die Personen in der zweiten Reihe sitzen bequem. Die Lenkung ist ebenso auf Komfort ausgelegt ohne dabei schwammig zu wirken – der RAV4 ist auch als Hybrid kein Sportler, auch wenn der Sprint in 8,3 Sekunden erledigt ist und 180 km/h sicher ausreichen.

Die Cruisereigenschaften des 4,61 Meter langen SUV unterstreicht das stufenlosen Multidrive S, das traditionell beim Beschleunigen sehr angestrengt klingt und dadurch den Fahrer mehr als in Versuchung führt, das Gaspedal nicht zu schnell und stark nach unten zu drücken. Außerdem kommt dann in manchen Situationen in der Stadt, aber auch über Land, der rein elektrische Modus zum Tragen und trägt somit eine beruhigende Stille in den Innenraum.

Toyota RAV4 Hybrid ab 31.990 Euro

Zudem tut es dem Geldbeutel gut, da durch einen langsamen Druck auf das Pedal der Verbrauch geschont wird. 4,9 Liter gibt Toyota als Verbrauch für den hybriden Fronttriebler an. 0,3 Liter mehr sind es beim Allradantrieb. Das sind zwar mindestens zwei Liter mehr als beim Plugin-Hybrid, dafür müsste der Hybride mit dem Stecker schnell wieder an die Dose, um die Verbrauchsvorteile des rein elektrischen Fahrens genießen zu können. Ist der Saft alle, muss sich das System mit mehr Gewicht als beim normalen Hybriden herumschleppen – und das erhöht wieder den Verbrauch und zwar über den Verbrauch des Hybriden ohne Stecker.

Hinzu kommt, dass die meisten Plugin-Hybriden gut 10.000 Euro über den Preisen des Toyota RAV4 Hybrid liegen, der mit einem Basispreis von 31.990 und der schon gut ausgestatteten zweiten Variante „Comfort“ auch nicht zu den Schnäppchen zählt. Wer den Allradantrieb favorisiert muss weitere 3000 Euro investieren und hält dann trotzdem die trendigen Plugin-Hybriden in Schach.






Mehr zur Marke Toyota

Mehr Reichweite, höheres TempoToyota Prius kommt auch als Plug-in-Hybrid

Toyota wird den Prius auch als Plug—in-Hybrid anbieten. Das meistverkaufte Hybridauto der Welt soll dann nicht nur über mehr Reichweite verfügen, sondern auch ein höheres Tempo.


Mini-SUV der JapanerToyota C-HR: Mut beim Design

Es geht doch. Toyota zeigt bei seinem Mini-SUV C-HR etwas, was man bei den Japanern nur selten sieht: Mut beim Design. Natürlich wird es den kleinen Bruder des RAV4 auch mit Hybridantrieb geben.


USA von Rückruf ausgeschlossenToyota leidet weiter unter Airbag-Debakel

Toyota muss weltweit 5,8 Millionen Autos in die Werkstätten zurückbeordern. Erneut sind Modelle von defekten Airbags betroffen – rund 20.000 Fahrzeuge müssen bereits zum zweiten Mal wegen des identischen Defekts erneuert werden.



Mehr aus dem Ressort

Der neue 5er BMW kommt Anfang Januar 2017
Siebte Generation der Business-LimousineBMW 5er: Verdammt nah am 7er

BMW bringt Anfang kommenden Jahres die neue Generation des 5ers. Die Business-Limousine ist dabei nicht nur spritziger, sparsamer oder vernetzter wie nie, sondern kommt auch dem Flaggschiff der Münchner sehr nahe.


Dacia hat den Sandero weiter modernisiert
Aufgefrischter Kleinwagen Dacia Sandero SCe 75: Günstig besser gestaltet

Dacia verschafft dem Sandero einen neuen Einstieg. Mit lediglich drei Zylindern unterstreicht der auch optisch aufgefrischte Kleinwagen den Erfolgszug der Marke.


Suzuki kehrt nach zehn Jahren mit einem neuen Ignis zurück
Aus Mini-SUV Micro-SUVSuzuki Ignis: Noch eine Stufe tiefer ins Gelände

Suzuki hat den Ignis wieder auferstehen lassen. Diesmal fährt der Kleinstwagen mit knallbunten Farben als Gründer des Segmentes der Micro-SUV vor – auf Wunsch sogar mit echten Geländegenen.