6. September 2017

Fahrbericht Exotischer Kombi Subaru Levorq: Entspannter Begleiter mit wildem Äußeren

Der Subaru Levorg fällt mit Lufthutze und Allradantrieb aus dem Kombi-Rahmen
Der Subaru Levorg fällt mit Lufthutze und Allradantrieb aus dem Kombi-Rahmen © Subaru

Der Subaru Levorq ist nicht nur aufgrund seiner Namensgebung ein Exot auf deutschen Straßen. Im Langzeittest wusste der Kombi der Allradspezialisten zu überzeugen - trotz manch ungewohnter Attitüden.




Der Subaru Levorg ist in Deutschland ein echter Exot. Allerdings keiner von der sperrigen Sorte. Im Dauertest erwies er sich ein halbes Jahr lang als praktischer und entspannter Begleiter. Sieben Erkenntnisse haben sich innerhalb der sechs Monate eingebrannt.

Als Erstes muss man zum Überholen nicht schnell sein. Lufthutze und silbern lackierte Außenspiegelkappen – wenn der Levorg hinter einem auf der Autobahn auftaucht, weicht man flott nach rechts aus. Doch das Überholprestige ist nur ergaunert, denn unter dem halbstarken Luftschacht arbeitet ein eher guterzogener Vierzylindermotor mit zwar gehobener, aber letztlich überschaubarer Leistung von 170 PS sowie einem Sprintvermögen über 8,1 Sekunden.

Die Hutze jedoch lässt an getunte US-Musclecars denken, an Drag Racer, die vor Kraft kaum durch die Kurve fahren können - oder an Subarus Rallye-Monster WRX STI. Letzterer ist wohl auch der Grund, warum der Staubsauger immer wieder Modelle der Japaner ziert. Leuten, denen zu viel Aufmerksamkeit schnell etwas peinlich ist, greifen daher wohl eher nicht zum Levorg. Alle anderen freuen sich, wenn sie deutsche Premium-Diesel trotz gemächlichen Tempos links überholen dürfen.


Praktische Autos müssen nicht groß sein

Für einen Mittelklassekombi eigentlich zu klein, für einen Kompaktwagen wiederum zu groß – der Levorg sitzt von den Abmessungen her ein wenig zwischen den Klassen. Eine Lücke, die aber ganz gut passt, vereint der Kombi doch einen recht üppigen Gepäckraum mit citytauglichen Abmessungen.

Was ihm an Ladevolumen fehlt, gleicht er durch ein durchdachtes Ladesystem aus. So lassen sich etwa die Rücksitzlehnen per Knopfdruck eben im Boden versenken, unter dem dann auch das Gepäckraumrollo noch Platz findet. Eine niedrige Ladekante und ein ebener Laderaum runden das praktische Gesamtpaket ab.

CVT-Getriebe müssen nicht nerven

Handschaltung gibt es für den Levorg nicht
Handschaltung gibt es für den Levorg nicht © Subaru

Stufenlose Getriebe sind für viele Autofahrer außerhalb Asiens so etwas wie das Gegenteil eines Kaufarguments. Das rührt zum einen von ihrer langährigen Anfälligkeit, zum anderen von ihrem gefürchteten „Gummiband-Effekt“. Weil die Drehzahl beim Tritt aufs Gas sofort hochschnellt, ohne dass unmittelbar eine Beschleunigung zu fühlen wäre, wirken Autos mit einem sogenannten CVT-Getriebe gerne mal lahm und angestrengt.

Prinzipiell ist das ungewohnte Phänomen auch beim Levorg zu spüren. Weil der Motor aber sehr kultiviert ist, fällt das akustisch nur wenig ins Gewicht. Und weil die Entwickler dem stufenlosen Getriebe per Software ein paar Stufen simulieren, ist das Gummiband nie lange Zeit gespannt. Wer es beim Fahren einigermaßen entspannt angehen lässt und es nicht auf blitzschnelle Gangwechsel anlegt, kann mit dem Subaru-Getriebe gut auskommen. Muss er auch, wenn er einen Levorg wählt – denn es ist wie auch der Motor die einzige Option. Nicht mal eine Handschaltung ist zu haben.

Es muss kein Porsche sein

Den Levorg mit einem 911 zu vergleichen, wäre in vielerlei Hinsicht absolut unpassend. Nicht aber bei der Motortechnik. Subaru ist neben dem Sportwagenbauer aus Zuffenhausen der einzige Hersteller, der noch Triebwerke mit den horizontal angeordneten und gleichmäßig arbeitenden Kolben anbietet. Der Vierzylinder der Japaner ist aber kein heiser sägender Sportmotor, sondern ein kultivierter Sanftfuß, der dank seiner 125 kW/170 PS Leistung aber auch energisch in den Zwischenspurt gehen kann.

So angenehm der 2,0-Liter-Motor aber vor allem auf der Langstrecke auch ist, seine Trinkgewohnheiten sind ein wenig ungezügelt. Weniger als acht Liter sind selbst bei gelassener Fahrweise kaum drin. Immerhin passt hier wieder der Porsche-Vergleich: Denn ein vorsichtig gefahrener 911er wäre wohl auch nicht viel durstiger.

Ohne Strom ist Konnektivität witzlos

Der Levorg bietet vier USB-Ports
Der Levorg bietet vier USB-Ports © Subaru

Die Vernetzung von Smartphone und Auto ist aktuell einer der großen Branchen-Trends. Auch Subaru bietet eine entsprechende Funktion an, die wie bei den meisten anderen Herstellern aber nur mit überschaubaren Vorteilen für den Nutzer aufwartet. Viel wichtiger – und vom Großteil der Konkurrenz immer noch ignoriert – ist eine ausreichende Zahl an USB-Anschlüssen.

Während selbst Billig-Fernseher mittlerweile einen ganzen Schweizer Käse an Speicher-, HDMI- und LAN-Buchsen mitbringen, haben selbst hochpreisige Neuwagen häufig gerade mal einen USB-Port für potentiell vier bis fünf hochvernetzte Passagiere an Bord. Der Levorg bietet immerhin vier: vorne zwei und im Fond zwei weitere. Selbst wer das ganze Auto voller twitternder Teenies hat, muss sich also nach Fahrtende keine Beschwerden über leere Handy-Akkus anhören.

Leder ist nicht immer leichter zu reinigen

Wer zuhause ein Designer-Ledersofa im Wohnzimmer stehen hat, wird jetzt vielleicht zucken. Aber im Auto ist die Kombination von Kindern und Ledersitzen eigentlich eine gute Idee. Denn im Vergleich mit stoffbespanntem Gestühl sind die Tierhautsessel in der Regel besser zu reinigen.

Das gilt allerdings nicht beim gelochten Leder des Subaru. Das sieht zwar edel aus, allerdings gilt das nur für die ersten paar hundert Kilometer. Dann nämlich haben sich die ersten Krümel und Flusen in den gestanzten Öffnungen festgesetzt. Entweder also „Lochleder reinigen“ googlen, die umfangreichen Pflegehinweise ausdrucken, an die Garagenwand heften und beherzigen - oder gleich Stoffsitze bestellen. Die gibt es beim Levorg standardmäßig in pflegeleichtem Dunkelgrau mit schicken blauen Ziernähten.

Namen sind Schall und Rauch

Der Levorg ist mit Boxermotor, permanentem Allradantrieb, Lufthutze und Subaru-Emblem ein veritabler Exot auf dem deutschen Automarkt. Prinzipiell wird so etwas von der geneigten Kundschaft ja durchaus gewürdigt, ein etwas klangvollerer Modellname hätte aber wohl nicht geschadet. Anders als „Outback“ oder „Impreza“ klingt das seltsame Akronym nämlich nicht nach Freiheit und Abenteuer, sondern eher nach akuten Rachenproblemen.

Immerhin hat man sich in Japan etwas bei der Komposition des Namens gedacht – er setzt sich aus dem Namen des Quasi-Modellvorgängers „Legacy“ sowie „Revolution“ und „Touring“ zusammen. Andererseits: Der Begriffs-Mix passt irgendwie ganz gut zu der ungewöhnlichen Mischung, die der Nippon-Kombi darstellt. (SP-X)






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