2. November 2017

Fahrbericht Modellüberarbeitung für Kompaktmodell Peugeot 308: Vorsprung durch Technik

Der Peugeot 308 wurde vor allem technisch überarbeitet.
Der Peugeot 308 wurde vor allem technisch überarbeitet. © Peugeot

Peugeot hat den 308 gründlich überarbeitet – und das insbesondere unter dem Blechkleid. Das Kompaktmodell der Franzosen ist nun auch mit neuen Motoren unterwegs. Sie erfüllen die neue Abgasnorm.




Bei vielen sogenannten „Überarbeitungen“ begnügen sich die Autohersteller tatsächlich mit oberflächlicher Kosmetik an Stoßfängern, Leuchten oder Türinnenverkleidungen. Das kostet wenig, fällt dafür aber auf. Peugeot hat es anders gemacht: Die große Überarbeitung zur Lebensmitte des 308 setzt vor allem auf technische Neuerungen, dagegen muss man schon genau hinschauen, um den „neuen“ Kompakten vom alten unterscheiden zu können. Seit Anfang September steht der Franzose bei den deutschen Händlern, wie gehabt als fünftüriges Schrägheckmodell und als Kombi. Die Preise starten bei 18.700 Euro, der Kombi kostet immer 1100 Euro mehr.

Die optischen Änderungen sind schnell aufgezählt: schärfere Lichtkanten auf der Motorhaube, Tagfahrlicht immer in LED und der in den prägnanteren Kühlergrill gewanderte Logo-Löwe sind die offensichtlichsten. Eine weitere Veränderung deutet auf eine wichtige technische Neuerung hin: Der jetzt eckige statt runde Tankdeckel beherbergt einen AdBlue-Einfüllstutzen, womit die Dieselmotoren in Sachen NOx in der Praxis um einiges sauberer werden dürfen.


Peugeot mit neuen Aggregaten

Passend dazu gibt es auch einen neuen Selbstzünder und der ist durchaus was Besonderes. Das 1,5-Liter-Aggregat (96 kW/130 PS) erfüllt bereits genauso wie der 2,0-Liter-Diesel (130 kW/177 PS) mit Automatikgetriebe die sogenannte Euro-Norm 6d temp, bei der die Abgasmessungen nicht nur nach dem neuen WLTP-Zyklus vorgenommen, sondern auch bereits im realen Verkehr gemessen werden. Während einer kurzen Testfahrt überzeugte der 130 PS-Motor nicht nur durch guten Durchzug (300 Nm Drehmoment) ab etwa 2.000 U/min, sondern agierte auch ausgesprochen leise.

Blick ins Cockpit
Blick ins Cockpit © Peugeot

Erst bei höheren Drehzahlen, etwa auf der Autobahn, geht dem Vierzylinder die Luft aus. Trotzdem, der neue Diesel dürfte bei Flottenmanagern erste Wahl werden, so sie sich für einen Kompakten von Peugeot entscheiden, zumal die Franzosen einen Verbrauch von 3,6 Litern auf 100 Kilometern versprechen. Im kommenden Jahr wird das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe zudem durch ein Automatikgetriebe (1.800 Euro) mit acht Gängen ergänzt.

Bereits verfügbar ist der von Zulieferer Aisin gebaut Wandlergetriebe im 2,0-Liter-Topdiesel mit 177 PS, wo es alternativlos zum Einsatz kommt. Es überzeugt mit sanften, stets passend gewählten Gangwechseln und lässt die bisher zum Einsatz gekommene Sechsgang-Automatik alt aussehen. Die wird in allen Motorisierungen nach und nach durch den Achtgänger ersetzt. Eine Besonderheit des neuen Getriebes: Beim Ausrollen, etwa auf dem Weg zu einer roten Ampel, wird der Motor schon ab 20 km/h abgeschaltet.

Benziner mit Partikelfilter

Auch von den Benzinern gibt es Neues zu berichten: Peugeot rüstet sie nach und nach alle mit Partikelfiltern aus. Erstes Aggregat ist der 1,2-Liter-Turbo, dessen drei Zylinder 96 kW/130 PS Leistungen generieren und der als drittes Aggregat der Marke neben den zwei Dieseln die Euro 6d temp erfüllt. Im kommenden Jahr werden nach und nach alle Ottomotoren mit dem Filter ausgerüstet, womit die Franzosen im Volumensegment eine erfreuliche Vorreiterrolle einnehmen.

Geblieben ist dem 308 neben einem breiten Motorenangebot sein eher komfortabel abgestimmtes Fahrwerk und das flache, kleine Lenkrad; man schaut nicht durch die Speichen auf die Instrumente, sondern über das Volant hinweg. Eine zwar originelle Lösung, deren Vorteil sich aber dem Fahrer nicht erschließen mag. Verbessert wurde dafür das Infotainment, das nun mit der neuen Generation des Touchscreen-Multimedia-Systems kommt. Apple Car-Play, Android Auto und Mirror-Link funktionieren einwandfrei, allerdings ist die Bedienung nach wie vor alles andere als selbsterklärend. Zudem gibt es ein neues Navi vom TomTom mit Echtzeit-Angaben und inklusive Warnung vor stationären Radaranlagen.

Digitale Instrumente Fehlanzeige

Auf digitale Instrumente, wie sie für beiden neuen SUV 3008 und 5008 angeboten werden, muss der 308-Fahrer weiterhin verzichten. Das wäre dann wohl doch zu aufwendig gewesen. Andererseits: Uns haben die analogen Rundinstrumente im 308 nicht nur genügt, sondern auch gefallen. Lieber hätten wir an manchen Stellen weniger Hartplastik vorgefunden.

Was bei einer Überarbeitung nicht fehlen darf sind neue Assistenzsysteme. Der Peugeot bietet eine ganze Reihe davon, von der Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung über den aktiven Spurhalteassistenten und eine Einpark-Automatik bis hin zur Verkehrsschilderkennung, die das Tempolimit auf Wunsch direkt an den Tempomaten weitergibt. Auch einen Abstands-Tempomat hat Peugeot im Angebot. Allerdings sind alle Assistenten nur gegen Aufpreis in einigermaßen moderat kalkulierten Paketen zu haben.

Alles in allem darf man den 308 speziell auf dem vom Golf dominierten deutschen Markt durchaus als eine Art Geheimtipp betrachten. Das Fahrzeug wirkt solide, ausgereift und ist vor allem in Sachen saubere, zukunftssichere Motoren vielen Wettbewerbern deutlich voraus. (SP-X)






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