28. Januar 2015

Fahrbericht SUV emotionaler ausgefallen Kia Sorento: In Richtung Premium

Kia führt den Sorento an die Premiumklasse heran.
Kia führt den Sorento an die Premiumklasse heran. © Kia

Mit dem Kia Sorento schaffte Kia in Europa den Dreh zum etablierten Hersteller. Jetzt soll das SUV noch eine Klasse höher klettern.




Peter Schreyer hat wieder den Bleistift angesetzt. Dass die koreanische Automarke Kia in den letzten zwei Jahrzehnten einen beeindruckenden Wandel durchgemacht hat, liegt nicht zuletzt am deutschen Designer. Mit dem optischen Auftritt von Anfang der Neunziger, als Kia begann, den deutschen Markt zu beackern, haben die heutigen Modelle nicht mehr viel zu tun. Beim neuen, mindestens 34.990 Euro teuren Sorento haben die Gestalter nachgelegt und das SUV so richtig emotional gezeichnet: Der Kühlergrill wurde im Vergleich zum Vorgänger größer, und die tropfenförmigen Elemente innerhalb der spangenförmigen Maske sollen stylisch wirken – mit ähnlichen Spielereien haben die Kreativen auch den Mercedes CLA auf jugendlich getrimmt.


Drei PS mehr für den Kia Sorento

Doch was ist bloß mit der Heckpartie los? Die wirkt gegen die Front fast langweilig, geradezu so, als wollte das Gestalterteam auf Versöhnungskurs zu jenen Kunden gehen, die es doch gerne etwas sachlicher hätten. Sachlich dagegen ist der als einziges Triebwerk lieferbare Dieselmotor – wenn auch 147 kW/200 PS stark. Damit legte der Neue um 3 Pferdchen zu, doch den Verantwortlichen scheint es weniger um Performance als um Effizienz zu gehen. Und die ist mit 5,7 Litern je 100 km (149 g CO2/km) für die handgeschaltete Version mit Frontantrieb in Ordnung. Allerdings werden die allermeisten Kunden sich für Allradantrieb, der von Magna geliefert wird, und Automatik entscheiden. Hier liegen der Normverbrauch bei 6,6 Litern und der Einstiegspreis bei 38.990 Euro.

Zwar schafft der Premium-Wettbewerb aus Süddeutschland rund einen Liter weniger – erfordert dafür aber auch gut und gerne 20.000 Euro höhere Anschaffungskosten. Dennoch möchte sich Artur Martins, Marketingverantwortlicher bei Kia Motors Europe, gerne mit den Teuren aus unseren Gefilden messen und betont den Fortschritt in Sachen Qualität. Man muss jedenfalls neidlos anerkennen, dass der Sorento in puncto Dynamik und Komfort bereits richtig gut geworden ist. Der auf die Zahnstange gerückte Aktuator zwecks Servounterstützung hat eine recht direkte Lenkabstimmung zur Folge – und so wieselt der Zweitonner behände um die Kehren, wie man es von manchem Markenvertreter so gar nicht gewöhnt ist. Synthetisches Gefühl am griffigen Kranz? Mitnichten.

Kia Sorento macht auf gemütlich

Das Fahrwerk des Kia Sorento ist komfortabel ausgelegt
Das Fahrwerk des Kia Sorento ist komfortabel ausgelegt © Kia

Die Dämpfereinheit macht dagegen auf gemütlich und eliminiert selbst grobe Bodenwellen gekonnt. Bleibt der Selbstzünder. Er ist natürlich ein Vierzylinder, da darf man keinen allzu seidigen Lauf erwarten. Die Techniker kontern mit massiver Dämmung, so dass die Fahrgeräusche im Zaum bleiben. Bis Richtgeschwindigkeit laufen Unterhaltungen in Zimmerlautstärke ohne Probleme ab.

Aber wer schon Premium verspricht, sollte bei der Automatik ein oder zwei Gänge drauflegen. Dann könnte man den Konsum vielleicht auch noch etwas herunterbrechen. Doch der Sechsgang-Wandlerautomat, der immer mit Allradantrieb ausgeliefert wird, entschädigt mit butterweichen Schaltwechseln. Immerhin soll der Automatik-Anteil hierzulande bei 90 Prozent liegen, da darf man nicht patzen. Auch der überarbeitete 2,2-Liter macht einen guten Eindruck und wirkt kräftiger als die bisherigen Ausführungen. Dass die Beschleunigungszeit auf Landstraßentempo dennoch eher neun als siebeneinhalb Sekunden beträgt, ist nicht zuletzt dem hohen Leergewicht geschuldet.

Begrenzte Diät-Möglichkeiten für Kia Sorento

Zahlreiche Assistenten unterstützen den Fahrer des Kia Sorento
Zahlreiche Assistenten unterstützen den Fahrer des Kia Sorento © Kia

Da der taufrische Sorento nur auf einer weiterentwickelten statt grundlegend neuen Plattform basiert, waren die Diät-Möglichkeiten offenbar begrenzt. Der veränderte Materialmix mit einem größeren Anteil ultrahochfester Stähle zielte insbesondere auf die Erhöhung der Karosseriesteifigkeit. Dafür unterstützt das aufpreispflichtige Allradsystem den elektronischen Rettungsanker und greift bei Bedarf nicht nur passiv mittels Bremseingriffe, sondern auch aktiv über das Differenzial ein, um Hochachs-Korrekturen vorzunehmen.

Ein technischer Leckerbissen gesellt sich zum nächsten – mit Einparkautomatik, einem Querverkehr-Warner, Verkehrszeichen-Erkennung sowie einem aktiven Tempomat ist der Sorento auch bei den Assistenten auf der Höhe. Ein wirklich innovatives Feature beinhaltet das schlüssellose Schließsystem: Einfach mit der Fernbedienung in der Tasche einen Moment hinter dem Kofferraum stehenbleiben, und schon öffnet sich die Klappe elektrisch. Bei den bisherigen Systemen war immer noch ein Fußschwenk nötig.

Kia Sorento voll Langstreckentauglich

Doch nicht nur die Technik macht den Koreaner attraktiv. Die anschmiegsamen Sessel (die Rücksitze lassen sich einzeln längs verschieben) sind wirklich kommod und laden zur Langstrecke ein. Die braucht man allerdings auch, um der vielen Knöpfchen Herr zu werden. Es soll ja auch Kunden geben, die derartig vollgepackte Cockpits mögen. Die passende Begleitung dazu mimt der nicht bei allen Ausstattungsversionen serienmäßige Hightech-Tacho mit TFT-Fläche, um dem immer anspruchsvoller werdenden Infotainment-Gedanken Rechnung zu tragen.

Anspruchsvoll ist die Klientel auch bei Haptik und Optik, vor allem, wenn Vokabeln wie Premium fallen. Allerdings ist die Verarbeitungsqualität wirklich solide geraten und die Einrichtung stilsicher. Da könnten selbst eingefleischte Fans hiesiger Autobaukunst ins Grübeln kommen, denn auch der größte Kia-Hasser muss zugeben, dass der neueste Wurf des Herstellers mindestens ein bisschen Premium ist. (SP-X)






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