15. Mai 2015

Fahrbericht Oberklasse-SUV kommt im Juni Audi Q7: Leichtgewicht unter den Dickschiffen

Der neue Audi Q7 ist um über 300 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Fotos ▶
Der neue Audi Q7 ist um über 300 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. © Audi

Man muss SUVs wie den Audi Q7 nicht mögen. Doch wer erst einmal Platz im neuen Oberklasse-SUV der Ingolstädter genommen hat, weiß schnell, warum sich diese Fahrzeuge solcher Beliebtheit erfreuen.




Von Frank Mertens

Vielen sind SUVs ein Graus. Was, bitteschön, haben Autos mit einem Gewicht von zwei Tonnen und den gefühlten Ausmaßen eines Einfamilienhauses in der Stadt zu suchen? Geländewagen gehören, wie der Name schon sagt, ins Gelände – doch dort sieht man sie selten. Gerade einmal fünf Prozent der Fahrer eines SUVs verirren sich irgendwann einmal ins Gelände. SUV gelten als Lifestyle-Vehikel – sehr zur Freude der Autobauer. Während dieses Segment insgesamt um 22 Prozent zugelegt hat, sind es bei den Premiumherstellern sogar 34 Prozent. Tendenz steigend.

Keine schlechten Voraussetzungen also für ein Fahrzeug wie den Audi Q7, den die Ingolstädter im Juni zu einem Einstiegspreis von 60.900 Euro für den 3.0 TDI Quattro mit 272 PS und 62.900 Euro für den 3.0 TFSI (333 PS) auf den Markt bringen. Preise, die natürlich nur als Anhaltspunkte dienen.


Hohes Ausstattungsniveau im Q7

Denn die Kunden eines SUV geben doppelt so viel Geld für zusätzliche Ausstattungsfeatures aus wie der beispielsweise eines Audi A4. Das freut natürlich Audi-Chef Rupert Stadler, auch mit Blick auf China, den wichtigsten Absatzmarkt der Marke. Denn auch hier werden SUVs bei den Kunden immer beliebter, wie Stadler bei der Vorstellung des neuen Q7 im schweizerischen Verbier sagte. Doch auch in den USA und in Europa will Stadler mit dem Q7 punkten, von dessen erster Generation weltweit über eine halbe Million Einheiten verkauft wurden.

Dass das gelingen wird, davon ist man bei Audi überzeugt. Schließlich ist man hier der Meinung, das beste Auto im Segment anbieten zu können. An Selbstbewusstsein mangelte es den Ingolstädtern ja noch nie. Doch schaut man auf die Daten des neuen Q7, kann man verstehen, weshalb man so optimistisch ist:

Gewicht um 326 Kilo reduziert

Das Cockpit des Q7 von Audi
Das Cockpit des Q7 von Audi © Audi

So wurde das Gewicht des Q7 durch konsequenten Leichtbau um 325 Kilogramm auf 2045 Kilogramm reduziert. „Damit ist der neue Q7 das leichteste Auto im Segment“, stellte Projektleiter Steffen Scheunemann zufrieden fest.

In der Folge der Gewichtseinsparung, aerodynamischer Maßnahmen und optimierter Motoren konnte der Verbrauch dieses Trumm auf Rädern um bis zu 28 Prozent reduziert werden. So kommt der 3.0 TDI gerade einmal auf einen Verbrauch von 5,7 Litern auf 100 Kilometern, der Effizienzdiesel mit 218 PS (er kommt zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt) begnügt sich sogar mit nur 5,5 Litern. Das ist schon eine Ansage für ein Auto dieser Größe – immerhin bringt es der Q7 auf eine Länge von 5,05 Metern.

Schul-Express als Siebensitzer

Der serienmäßig mit Allradantrieb ausgerüstete Q7 kann optional für einen Aufpreis von 1390 Euro auch von einem Fünf- in einen Siebensitzer umgewandelt werden. Damit avanciert er auch gleich zum Schul-Express. Doch wer zum Marktstart mindestens 60.900 Euro für einen Q7 ausgibt und damit zu den Besserverdienenden zählt, will natürlich auch ein Gespann hinter sich herziehen. Sei es nun ein Pferdeanhänger oder schlicht ein Boot, wo halt die persönlichen Präferenzen liegen. Wer für die Anhängevorrichtung 1350 Euro bezahlt, bekommt dann als Dreingabe einen Rückfahrassistenten mit dazu, damit auch wirklich nichts schief geht.

Damit wären wir bei den Fahrassistenzsystemen, die der Q7 zu Hauf bietet. Da ist neben den bekannten Totwinkelwarner und aktiven Spurhalteassistenten auch ein Ein- und Ausparkassistent im Angebot , der einen beim Rückwärtsfahren auch vor Querverkehr warnt. Zugleich warnen die Sensoren mittels eines Lichtes in der Türinnenverkleidung beim Aussteigen vor dem Öffnen der Türen davor, ob ein Auto naht.

Doch der Audi kann noch viel mehr: So verfügt er über eine Fußgängererkennung, von Audi Pre Sense City genannt. Sie ist in der Lage im Geschwindigkeitsbereich bis ca. 85 km/h Fußgänger zu erkennen und das Tempo auf dann 40 km/h zu reduzieren – und damit die Schwere von Unfällen reduzieren hilft. Wer nur mit Tempo 40 unterwegs ist, kommt vor dem Fußgänger zu stehen, wie Tests eindrucksvoll zeigten. Dank dieses Sicherheitsfeatures wird der Audi Q7 auch eine Versicherungsklasse niedriger eingestuft,

Prädiktiver Effizienzassistent eine feine Sache

Eine feine Sache ist der Effizienzassistent, der die Daten des Navigationssystems nutzt, um verbrauchsoptimiert unterwegs zu sein. So antizipiert das System den Streckenverlauf, passt die Geschwindigkeit der Topografie an und nutzt dazu auch die adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC. Ist der Fahrer beispielsweise zu schnell unterwegs, wird er vom Fahrzeug ermahnt, den Fuß vom Gas zu nehmen. Mit diesem System kann man phasenweise auch teilautonom unterwegs sein, was bei den Fahrten im Wallis auch wirklich gut funktionierte.

Daneben können Kunden auch einen Stauassistenten ordern, der bis 65 km/h den Fahrer im Stop-and-Go-Verkehr durch automatisches Anfahren und Abbremsen entlastet. Glaubt man den Audi-Entwicklern, sei mit dem Effizienzassistenten eine Ersparnis von bis zu zehn Prozent möglich. So viel jedenfalls hätten Probanden auf einer 70 Kilometer langen Strecke im Altmühltal bei Testfahrten eingespart.

Agil dank Allradlenkung

Das Heck des Audi Q7
Das Heck des Audi Q7 © Audi

Und wie fährt sich der neue Audi Q7? Erstaunlich agil. Agiler jedenfalls, als man es von einem Auto mit zwei Tonnen Gewicht erwartet. Selbst in flotter gefahrenen Kurven erweist er sich als ausgesprochen wankstabil, lässt sich nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Sein Einlenkverhalten ist gut, mit der optionalen Allradlenkung (1150 Euro) sogar hervorragend. Sie bietet bei niedrigen Geschwindigkeiten eine zusätzliche Lenkbarkeit der Hinterachse. Derart ausgestattet kann man mit dem 3.0 TFSI in 6,1 Sekunden auf Tempo 100 sprinten – und das dank eines maximalen Drehmoments von 440 Nm ausgesprochen vehement. Der Verbrauch des 333 PS starken V6 wird mit 7,7 Litern angegeben.

Der neue Q7 mag vielleicht mit Blick auf das Design nicht allzu große Sprünge gemacht haben, aber technisch bringt er alles mit, die Oberklasse der Premium-SUV aufzumischen. Und um die Kritiker solcher Autos zumindest ein wenig zu beruhigen: der Q7 kommt auch als Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 50 Kilometern. Damit kann man morgens die Kinder dann zumindest mit einem etwas besseren Gewissen zur Schule bringen, wenn man denn dafür unbedingt einen Q7 braucht.






Mehr zur Marke Audi

Weltpremiere in IngolstadtAudi A7: Anders sein als die Geschwister

Audi hat in Ingolstadt den neuen A7 vorgestellt. Im Gegensatz zu früheren Modellen ist er auch wieder deutlich von anderen Modellen der Marke zu unterscheiden.


Supersportler in begrenzter AuflageAudi Sport erfindet sich neu

Stefan Winkelmann bringt frischen Wind in die Audi Sport GmbH. Nach der Namensumbenennung bringt er nach und nach Supersportler in limitierter Stückzahl auf den Markt.


Aufsteigende Tendenz in China und den USAAudi hinkt Vorjahres-Bestwerten hinterher

Audi hat auch dank der neuen Tendenz in China den September im Plus abgeschlossen. Nach neun Monaten aber hinkt die VW-Tochter aus Ingolstadt dem Rekordjahr 2016 noch etwas hinterher.



Mehr aus dem Ressort

Die neue Mercedes X-Klasse.
Marktstart am 4. NovemberMercedes X-Klasse: Premium für die Arbeiterklasse

Es hat gedauert, doch nun bietet auch Mercedes mit der X-Klasse einen Pick-up an. Mit ihm will man Premium in ein Segment bringen, in dem bislang andere Aspekte im Vordergrund standen. Kann das gelingen?


Auch der kleinste Maserati Levante bewältigt die Pfade abseits des Asphalts
Luxus-SUV mit neuem EinstiegsbenzinerMaserati Levante: Vom warmen Ostwind zum Wüstensturm

Maserati erweitert das Angebot beim Levante. Das innerhalb eines Jahres zum unternehmenseignen Bestseller aufgestiegene Luxus-SUV bewältigt selbst als neuer Einstiegsbenziner wildes Terrain.


Hyundai steigt mit dem Kona spät in das Segment der B-SUV ein
Erstes B-SUV der KoreanerHyundai Kona: Ironman als Vorbild

Als Spätstarter schickt Hyundai den Kona ins Rennen. Das B-SUV bietet bei der Aufholjagd einige Optionen, die die Mitbewerber aus Frankreich, Deutschland oder Japan nicht im Angebot haben.