Opel Astra Limousine: Der kleine Insignia

Baureihe komplett

Die Opel Astra Limousine.
Die Limousine des Opel Astra sieht ansprechend aus. © Opel

Opel komplettiert die Astra-Baureihe mit der Limousine. In Deutschland spielt sie zwar keine große Rolle, doch in anderen Ländern stehen die Kunden auf diese Karosserieform. Was das neue Modell zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.

Von Frank Mertens

Der Insignia ist das Flaggschiff des Autobauers Opel. Mit seinem innovativen Design haben die Rüsselsheimer gezeigt, wie man sich in der Mittelklasse behaupten kann. Nun komplettiert der Autobauer Opel die Astra-Baureihe mit der Limousine, die man selbst als "kleinen Insignia" bezeichnet.

Zumindest mit Blick auf Deutschland ist das eine mutige Entscheidung. Denn hierzulande erfreut sich diese Karosserieform bei den Kunden nur einer geringen Beliebtheit. So entfallen auf Limousinen im Mix gerade einmal fünf Prozent der Verkäufe. Das sieht außerhalb Deutschlands ganz anders aus. In Ost- und Zentraleuropa stehen die Kunden auf diese Karosserieform und entscheiden sich zu 75 Prozent dafür.

Astra-Limousine mit 460 Liter Kofferraum

Entsprechend hat Opel die Weltpremiere der Limousine auch in Moskau gefeiert, einem der wichtigen Märkte für das neue Opel-Modell. Die Resonanz sei glänzend gewesen, wie Opel-Vertriebsvorstand Alfred E. Rieck berichtet. Mit diesem Modell wollen die Rüsselsheimer Absatz machen. Doch was hat die Limousine nun zu bieten?

Das Cockpit der neuen Opel Astra Limousine.
Das Cockpit der Astra-Limousine Opel

Zunächst einmal für ein Auto mit Stufenheck eine ansprechende Form, die selbst von der Seite durchaus dynamisch ausschaut. Die Seitenlinie steigt leicht zum wohlgeformten Heck an – das verleiht dem Auto neben Eleganz auch einen Hauch Sportlichkeit. Von hinten braucht sich die Astra-Limousine auch nicht verstecken. Dass, was Opel-Designer Andrew Dyson da auf die Räder gestellt hat, sieht sehr gefällig aus. Und vor allem bietet sich unter der Heckklappe Platz, viel Platz sogar. Insgesamt 460 Liter Gepäck lassen sich im Kofferraum der 4,65 Meter langen Limousine unterbringen, das sind 90 Liter mehr als in der Steilheckversion. Für viele Kunden ist das ein wichtiges Kaufargument. Der Wettbewerb ist hier aber sogar noch besser unterwegs: so fasst beispielsweise der VW Jetta sogar 510 Liter. Was sich die Entwickler indes dabei gedacht haben, dass sich der Kofferraum nur per Funkschlüssel oder durch einen Knopf an der Mittelkonsole öffnen lässt, bleibt deren Geheimnis. Eine Griffmulde jedenfalls sucht man vergeblich.

Platz für Großgewachsene im Fond

Im Kofferraum der Stufenheck-Variante des Opel Astra lassen sich 460 Liter Gepäck verstauen.
Der Kofferraum der Astra-Limousine Opel

Für ausreichend Platz ist für Mitreisende auch im Fond gesorgt. Hier kann man auf der Rückbank selbst als Großgewachsener gut und bequem Platz nehmen, ohne mit dem Kopf an den Dachhimmel zu stoßen oder ein Beklemmungsgefühl zu bekommen. Die Kniefreiheit reicht auch aus, könnte aber für große Menschen jenseits der 1,85 Meter etwas großzügiger ausgefallen sein. Auch wenn Opel die Limousine als kleinen Insignia bezeichnet, reicht diese doch nicht an das Flaggschiff der Rüsselsheimer heran. Zwischen Kompakt- und Mittelklasse gibt es halt Unterschiede.

Wobei: Die Verarbeitung im Innenraum der Limousine ist grundsolide, so wie man es von den anderen Modellen der Astra-Baureihe bereits kennt. Die Materialien sehen gut aus und fassen sich auch so an. Und vor allem ist die Astra-Limousine nunmehr auch mit den Fahrassistenzsystemen ausgestattet, die man bereits aus dem anspruchsvollen Insignia kennt: So lässt sie sich beispielsweis mit einem optionalen Parklenkassistenten mit Rückfahrkamera, einem Toten-Winkel-Warner, einem adaptiven Geschwindigkeitsregler mit automatischer Gefahrenbremsung und einer Abstandsanzeige ausstatten. Natürlich kann auch das Adaptive Fahrlicht (AFL+) mit Bi-Xenon-Scheinwerfern bestellt werden. Alles Dinge, die das Fahren noch angenehmer machen.

Bemühter 1.4 Liter-Turbobenziner

Doch wie sieht es mit dem Vortrieb und der Fahrdynamik aus? Hier kann der Kunde zwischen vier Benzinmotoren mit einer Leistung zwischen 100 PS wie beim 1.4er und 180 PS beim 1.6 Turbo und drei Dieselaggregaten mit 1.7 Liter Hubraum und einer Leistung von 95, 110 und 130 PS, die mit einem gut funktionierendem Start-Stopp-System ausgestattet sind. So unterwegs bringt es der sparsamste Selbstzünder auf einen Verbrauch von gerade einmal 3,7 Litern auf 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von nur 99 g/km entspricht.

Opel bringt vom Astra eine Limousine auf den Markt.
Genügend Platz ist in der Opel Astra Limousine vorhanden Opel

Von uns getestet wurde der 1.4 Liter-Turbobenziner mit 140 PS und der Sechsgang-Automatik. 140 PS hört sich erst einmal anständig an, doch wer mit diesem Auto unterwegs ist, bewegt sich doch etwas gemächlicher dahin. Denn wenn man kräftig aufs Gaspedal drückt, setzt die Beschleunigung doch arg beschaulich ein. Vor allem dreht die Automatik dann phasenweise so hoch, dass das Motorgeräusch recht anstrengend wird. Entsprechend verleitet der Stufenheck-Astra den Fahrer dann doch zur Gelassenheit, was ja nicht schlecht ist. Denn dieses Auto, das wie alle anderen Astras über ein bekannt gutes Fahrwerk verfügt, lädt mit dieser Motor-Getriebe-Kombination zum gemächlichen Dahingleiten ein.

Warum auch nicht? Kunden, die sich für eine Limousine entscheiden, legen nun einmal auf andere Dinge wert als diejenigen, die mit einem OPC oder GTC liebäugeln. Opel bedient mit dem Astra-Stufenheck nun auch diese Klientel. Für einen Hersteller wäre es sträflich, sich diese Käuferschicht nicht zu erschließen. Der Einstieg in die Limousinen-Welt von Opel beginnt für den 1.4-Liter-Benziner übrigens bei 18.270 Euro. Nun bleibt abzuwarten, wie die Kunden in Deutschland auf den "kleinen Insignia" reagieren. Vielleicht sorgt er ja für eine kleine Überraschung.