WWF: Bericht zur Elektromobilität hat kafkaeske Züge

Kritik von Umweltverbänden, Lob vom ADAC

Das Podium mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (mitte) © dpa

Der ADAC zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen des zweiten Berichts der Nationalen Plattform Elektromobilität. Dagegen hagelte es vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und WWF Kritik.

Der ADAC hat mit Zufriedenheit die Ergebnisse des zweiten Berichts der Nationalen Plattform Elektromobilität aufgenommen. Der mit über 17 Millionen Mitgliedern auch in der Kommission vertretene Verkehrsclub unterstützt die ablehnende Haltung der Regierung zur Subvention für den Kauf von Elektrofahrzeugen.

Vertrauen in die Fähigkeiten der Industrie

"Ich finde es enttäuschend, dass das Vertrauen in die Fähigkeiten der Industrie relativ klein ausfällt. Ich glaube, dass Elektromobilität auch ohne Kaufanreize Erfolg beim Kunden haben wird", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer.

Zugleich betonte der Funktionär, dass bei der Weiterentwicklung der Maßnahmen die Interessen der Verbraucher an Gewicht müssen, so dass die Fahrer von Elektrofahrzeugen nicht höher belastet und die Halter herkömmlicher Fahrzeuge nicht eingeschränkt werden.

Ungestörte Branchen

Dagegen war der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) höchst unzufrieden mit der Arbeitsweise und den Ergebnissen. "Diese Empfehlungen sind nicht geeignet, den Verkehr durch die intelligente Nutzung der Elektromobilität umweltverträglicher zu gestalten", so Kerstin Haarmann, Bundesgeschäftsführerin des VCD. "Sie stellen das zwangsläufige Ergebnis dar, welches man erhält, wenn man die betroffene Automobil- und Strombranche relativ ungestört von externer Expertise ihren Subventionsbedarf für bislang unterlassene Investitionen selbst zusammenschreiben lässt."

Zwar war der VCD selbst in der Kommission vertreten, spielte jedoch nur eine Rolle am Rande. "Die Kommission war überwiegend mit Industrievertretern besetzt, zu denen sich wenige Vertreter aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft gesellten, unter ihnen der VCD", heißt es in einer Pressemitteilung.

"Griff in die Mottenkiste"

Während der ADAC die staatlichen Subventionen samt Sonderrechten für Elektroautos, die die Busspuren benutzen dürfen, begrüßten, tat Haarmann diese Empfehlungen als "ein Griff in die Mottenkiste der Subventionsinstrumente" ab.

Angesichts Deutschlands Alleinstellungsmerkmal, die flächendeckende Präsenz von Erneuerbaren Energien im Stromnetz, hätte zu einer frühzeitigen Förderung der Speicherfunktion von Elektroautos führen müssen. "Es ist ein Fiasko, das sich ein entsprechender Vorschlag von Mitgliedern der Unterarbeitsgruppe Netzintegration nicht durchgesetzt hat und stattdessen auf einer einzigen Seite im Anhang des Berichts abgehandelt wird. Die frühzeitige Weiterentwicklung der Speicherfunktion von Elektroautos wäre ein komparativer weltweiter Wettbewerbsvorteil anstatt des gängigen Subventionswettlaufs um Kaufprämien und Steuervorteile."

Kritik vom WWF

Scharf kritisiert wurde der NPE-Bericht vom WWF. „Wir können diesen Bericht nicht mittragen“, sagte Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF Deutschland. „Er ist fast ausschließlich ein Industriepapier, in dem sich die beteiligten Industriezweige ihren Subventionsbedarf selbst errechnet haben. Wir lehnen es entschieden ab, auf dieser Basis über die Förderung von Elektrofahrzeugen zu reden. Wir können der Bundeskanzlerin nur empfehlen, den Bericht nicht zur Grundlage politischer Entscheidungen zu machen“ so Günther.

Für Günther habe die Entstehung dieses Berichts "kafkaeske Züge. Wir haben während des gesamten Prozesses Vorschläge eingebracht, die in jeder neuen Berichtsversion wieder fehlten.“ (AG)