Wenn Luigi träumt

Fiat 500 Abarth

Der Fiat 500 Abarth © Foto: Fiat

Spezielle Händler und ein spezieller Stil prägen den Auftritt des Fiat 500 Abarth. Ab dem 19. Juli strickt der knuddelige Kleinwagen auch in Deutschland an seiner eigenen Legende.

Von Martin Woldt

Immer ein wenig blass und übernächtigt. Ein Typ mit eigenem Stil und Auftreten. Verbal sicher, aber immer auch mit einer wenig typischen Unlust am italienischen Palaver, das ist Luca De Meo, Chef von Fiats Spezial-Marke Abarth. Man darf ihn sich ein wenig wie Giovanni di Lorenzo vorstellen und deshalb auch zutrauen, dass er seine Sachen ähnlich hartnäckig verfolgt. Neben Fiats Rekonstruktion im Allgemeinen zählt die Wiedererweckung der Rennsportmarke Abarth im Besonderen zu seiner Agenda.

Vom Retrozwerg zum Retrostar

Und da hat er jetzt einen aufstrebenden Newcomer im Programm. Gerade haben die Italiener mit dem 500er einen ziemlichen Bestseller aufgelegt. Jetzt soll aus diesem Retrozwerg auch ein Retrostar werden. Ab 19. Juli ist der Fiat 500 Abarth auch in Deutschland zu haben und kann gewiss noch von dem Fieber zehren, das der Fiat 500 mindestens in seinem Heimatland entzündet hat. Luigi, wie er ja auch gerne genannt wird, träumt seinen Traum, als Ferrari über die Piste zu düsen. Man kann es ziemlich clever nennen, dass De Meo ihn das unter der Marke Abarth tun lässt. Steht sie doch für eine ruhmreiche Rennsporttradition, die in Italien noch ziemlich gegenwärtig ist, auch wenn ihre Höhepunkte schon Jahrzehnte zurückliegen.

Wenn Luigi das Feld aufrollt

500 Abarth Foto: Fiat

Nun aber darf Lugi wieder hoffen. 205 km/h sind drin. Es dauert keine acht Sekunden bis er aus dem Stand über die 100 km/h-Marke hetzt und es klingt, als wollte der Vierzylinder mit seinem T-Jet Turbolader allen Ernstes das Feld aufmischen. 99 kW/135 PS stehen ihm dafür zur Verfügung, die sich erst bei 5500 Kurbelwellenumdrehungen so richtig entfalten. Aber schon bei 2500 Touren stemmen die Zylinder 180 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Und wenn Luigi richtig böse wird, bringt er es im Sportmodus gar auf 206 Newtonmeter, die dann bei 3000 Touren anliegen.

Auf dem Handlingkurs

Abarth 500 Foto: Fiat

Was dann auf der Straße passiert, darf man sich so ähnlich vorstellen, wie seinerzeit, als sich der Mini Cooper an die Stoßfänger des Audi TT klebte und nicht eher von der Lichthupe ging, als dass er freie Bahn hatte.

Rasen kann jeder

Gewiss ist das nicht als Aufforderung zu verstehen, sondern nur die Umschreibung sportlicher Ambitionen, die in einem Auto mit besonderem Potential stecken. Wie wir auf einem Handlingkurs in Bocarollo, der Abarth-Heimat, nahe Mailand, selbst erfahren konnten. Und im Zweifelsfall ist es ja so: rasen kann jeder.

Aber sich auf schwierigem Kurs sicher auf der Straße zu halten, steht schon wieder auf einem ganz anderen Blatt. Dafür ist der 500 als Abarth mit einer elektronischen Regelung ausgerüstet, die das Drehmoment auf beiden Vorderrädern so verteilt, dass es auch bei Kurvenfahrten nicht abreißt und für Fahrstabilität sorgt. Das ist in einem Kleinwagen naturgemäß etwas einfacher zu bewerkstelligen.

Aber wie Luigi durch die Kurven steigt, ist gewiss dazu angetan, seinen großen Traum zu träumen. Der 500er klebt am Asphalt und man muss ihn mit dem Lenkrad schon ordentlich provozieren, dass er dann doch über die Vorderräder schiebt. Das Steuer liegt im Übrigen gut in der Hand und dürfte dem mehrheitlichen Empfinden gut entsprechen, dass sportliches Fahren nicht in schwere Arbeit ausarten muss. Der Straßenkontakt ist da und lässt sich gut beherrschen. Weil Luigi macht, was man ihm am Steuer vermittelt.

Wenig knackige Schaltung

Cockpit des Abarth 500 Foto: Fiat

Das hätte man in der Deutlichkeit auch von der Schaltung erwartet. Nur macht sie es dem Fahrer fast ein wenig zu einfach. Bei einer sportlich ambitionierten Rennkanone darf man die Druckpunkte ruhig ein wenig deutlicher spüren. Es muss nicht komfortabel zugehen wie auf der Fahr zum nächsten Supermarkt. Auch wenn man über die Schaltpunktanzeige beim Wechsel zwischen den fünf Gängen nicht böse ist. Die auf dem Prüfstand ermittelten 6,5 Liter Super muss man in der Praxis erstmal erreichen. Dankbar stimmt auch der Komfort des Bremsassistenten, der die Entschleunigungskräfte allzeit so präpariert, dass auch ein 900 Kilogramm-Auto jederzeit sicher zum Stehen kommt. Dafür hat der 500er vorn größere innenbelüftete Bremsscheiben bekommen.

Unvermeidlicher Schnickschnack

Rennkanone Abarth Foto: Fiat

16- oder 17 Zoll Leichtmetallfelgen, natürlich das Abarth-Skorpion-Logo auf der Motorhaube oder rote Bremssättel und ein Doppelrohr am Heck zählen zu den unvermeidlichen Äußerlichkeiten, die Luigis Traum auch nach außen sichtbar werden lassen. Innen gibt es ergonomisch geformte Sitze (Was Wunder, auch in rotem Leder?!), Dreispeichenlenkrad, Alupedale und sonstigen Rennsport-Schnickschnack. Und wer sein Gefühlen nicht so richtig traut, sollte sich noch das neue Navigationsgerät Blue und Me Map zulegen, das neben der Funktion des elektronischen Lotsen, und als Freisprecher fürs Handy via Bluetooth auch diverse Borddaten parat hat, etwa eine individuelle Rennstreckenanalyse (Rundenzeiten, Momentangeschwindigkeit, Drehzahl usw.)

Ach ja. Mindestens 18.100 Euro muss einem Luigis Traum dann auch wert sein. Aber da muss man sich wohl nicht allzu viele Sorgen machen