Range Rover Sport: Ein Quantum Mehr

400 Kilogramm leichter

Ab September rollt der neue Range Rover Sport nach Deutschland.
Ab September rollt der neue Range Rover Sport nach Deutschland. © Axel F. Busse

James Bond-Darsteller Daniel Craig hatte den neuen Range Rover Sport in einem aufwendigen Event in New York präsentiert. Die neue Generation soll mehr Range Rover und mehr Sport bieten.

Von Axel F. Busse

Acht Jahre nach der Erstvorstellung präsentiert Land Rover nun die Zweitauflage des Range Rover Sport. Das bullige SUV funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Mehr von allem - außer bei Gewicht und Verbrauch.

Mehr Range Rover und mehr Sport

Um den Geschmack der Käufer künftig noch besser zu treffen, hatte Land Rover Kundenbefragungen nach den gewünschten Eigenschaften des nächsten Modells vorgenommen. So richtig wussten die Interessenten aber nicht, was sie eigentlich wollten. Die einen plädierten für "mehr Range Rover", die anderen wollten lieber "mehr Sport". Den einen schien folglich ein Zugewinn an Komfort und ein Heranrücken an das Topmodell der Marke erstrebenswert, den anderen war zusätzliche Dynamik und Agilität wichtig. "So haben wir einfach ein Auto gebaut", erklärt Craig Carter, Ingenieur in der Entwicklungsabteilung, "das mehr Range Rover und mehr Sport bietet."

Wenn es denn alles so einfach wäre: Das Verbrauchsdiktat der EU ist unerbittlich. Auch die als Spritschleudern verschrienen SUV müssen sukzessive weniger Kraftstoff konsumieren, sonst zahlt der Hersteller Strafe. Aber die wuchtigen Geländeriesen haben ein Maß an Komfort erreicht, das man nicht mehr zurückdrehen kann. Schwere Ledersessel, diverse Assistenz- und Entertainment-Systeme, dazu am liebsten die schicken 22-Zöller statt der leichteren 19-Zoll-Felgen – das kann man denen, die bereit sind, es zu bezahlen, schlecht wegnehmen. Also muss woanders gespart werden.

Range Rover Sport speckt ab

Ab September rollt der neue Range Rover Sport nach Deutschland.
Über ein paar PS mehr verfügt der Range Rover Sport Axel F. Busse

Land Rover tut dies mit einer Monocoque-Karosserie aus Aluminium. Ist erst mal ein Anfang gemacht, kann eine Abwärtsspirale genutzt werden. Ein leichterer Rohbau kommt mit kleineren Bremsen oder Dämpfern aus, eine elektrische Lenkung spart die Hydraulikanlage – wieder Gewicht gewonnen. Am Ende der Rechnung, so Land Rover, stand eine Ersparnis von mehr als 400 Kilogramm. Die im Datenblatt für das Einsteigermodell genannten 2115 Kilogramm sind tatsächlich ein respektabler Wert, auch wenn die Messmethode ein gutes Ergebnis begünstigt: Das Fahrzeug ist "trocken", d.h. ohne Sprit und Schmierstoffe, ohne Werkzeug und natürlich ohne Insassen.

Im September sollen die ersten deutschen Kunden in ihren neuen Range Rover Sport steigen. Es haben, so Geschäftsführer Peter Modelhart, schon "hunderte" eine Blindbestellung abgegeben. Das noch aktuelle Modell wurde im ersten Halbjahr 2013 rund 1000 Mal neu zugelassen, das waren fast so viel wie im Vergleichszeitraum 2012. Die leichte Zurückhaltung der Kunden dürfte dem bevorstehenden Modellwechsel geschuldet sein.

95 Prozent bevorzugen Diesel im Range Rover Sport

Ab September rollt der neue Range Rover Sport nach Deutschland.
Zwei Diesel zum Start des Range Rover Sport Axel F. Busse

Anders als in den USA oder China, wo die Ottomotoren bevorzugt werden, machen in Europa Dieselantriebe das Gros der SUV aus. Beim Range Rover Sport waren es in der Vergangenheit rund 95 Prozent und weil die Nachfrage auch so bleiben wird, besteht das deutsche Angebot überwiegend aus Selbstzündern. Zur Markteinführung werden zwei drei Liter große Diesel angeboten, der eine mit 258 PS, der andere mit 292.

Anfang nächsten Jahres ergänzt der 4,4-Liter-V8-Diesel mit 339 PS das Angebot. Die Freunde uriger V8-Romantik werden mit einem Fünfliter-Kompressor-Aggregat abgefunden, das 510 PS an die beiden Achsen wuchtet. Allen Ausführungen gemein ist die bewährte Achtgang-Automatik von ZF, mit deren Hilfe sämtliche Ausführungen auch eine Stopp-Start-Automatik realisieren und so in Fahrpausen immer einen Schluck Sprit einsparen können.

Range Rover Sport mit mehr Platz und dritter Sitzreihe

Ab September rollt der neue Range Rover Sport nach Deutschland.
Der Innenraum des Range Rover Sport ist gewachsen Axel F. Busse

Auch wenn das "Sport"-Modell respektvoll Abstand vom Range Rover halten muss, ist es doch um 62 Millimeter in der Länge und in der Breite gewachsen. Die Karosserie ist 55 mm flacher als die des großen Bruders, was auf 1,78 Meter Höhe hinausläuft. Eine sich V-förmig verengende Fenstergrafik in der Seitenansicht ruft die Verwandtschaft mit dem Modell Evoque in Erinnerung, das die Keilform zum Kult erhoben hat. Fast 180 Millimeter mehr Radstand gegenüber dem Vorgängermodell illustrieren das Bemühen um eine verbesserte Raumaufteilung und mehr Platz für die Fondpassagiere. Vierundzwanzig gewonnene Millimeter für die Passagiere in der zweiten Reihe lassen eine bessere Neigungsverstellung für deren Sitzlehnen zu. Auf Wunsch kann der Range Rover Sport mit einer dritten Sitzreihe geliefert werden, von der man Platz für Erwachsene allerdings nicht erwarten sollte.

Im Innenraum wird nach bewährter Manier die sachliche Strenge englischer Land-Aristokratie mit dem Wohlfühl-Ambiente einer Business-Lounge kombiniert. Nicht ganz gelungen erscheint die Platzierung des Startknopfes an der Seite oberhalb des Lenkrades sowie die starke Neigung des Navi-Bildschirms in Fahrrichtung, was zu schlechter Ablesbarkeit unterm Panoramadach führen kann. Während an den meisten Konsolen und Verkleidungen die Tasten bündig eingesetzt sind, ragen sie am Multifunktionslenkrad wie aufgesetzte Applikationen heraus – ein Designclou, dessen ästhetischer Nutzen sich nicht gleich jedem erschließt. Ganz einleuchtend ist dagegen, dass man sich vom versenkbaren Drehsteller für die Fahrstufenwahl verabschiedet hat: Ein Schaltknauf wie ein Joystick passt zum sportlichen Anspruch einfach besser.

Sensoren messen Wassertiefe des Range Rover Sport

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Auch Onroad macht der Range Rover Sport eine gute Figur Axel F. Busse

Obwohl Berichte über Schwächen im Gelände für den Range Rover Sport nicht bekannt sind, setzten die Ingenieure allerhand Ehrgeiz daran, die Offroad-Qualitäten noch zu verbessern. Die Luftfederung kann den Wagen nun weitere 58 Millimeter in die Höhe pumpen und so die Bodenfreiheit auf maximal 292 Millimeter bringen. Die größtmögliche Achsverschränkung wurde mit 546 mm gemessen, da ist auch ein anerkannter Geländewagen wie der VW Touareg mit 476 mm abgeschlagen.

Getriebe-Untersetzung und sperrbare Differenziale bleiben obligatorisch, gewählt wird die passende 4x4-Technik über den Terrain-Response-Regler auf der Mittelkonsole. Ohne einen Schnorchel ansetzen zu müssen, rollt der "Sport" durch eine Wassertiefe, in der Grundschüler Schwimmunterricht nehmen könnten: 850 mm sind es jetzt – ein Zuwachs um 150 mm. Der Clou: Sensoren an den Außenspiegeln können die Wassertiefe messen, das Ergebnis wird innen auf dem Navi-Monitor angezeigt. 350 Euro extra kostet der nasse Spaß.

Range Rover Sport spurtet als Diesel souverän

Zu den Überraschungen der ersten Testkilometer gehörte die Souveränität, mit der das nicht ganz 300 PS starke Diesel-Aggregat mit dem 2,3-Tonnen-Fuhrwerk (also inklusive Kraftstoff und zwei Insassen) umgeht. Über 600 Newtonmeter Drehmoment kann der Fahrer schon ab 2000 Touren verfügen, mit beherztem Antritt sind Überholvorgänge im Handumdrehen erledigt. Für den Spurt von Null auf Hundert werden 7,2 Sekunden benötigt, ein Wert, der auch gut motorisierten Kompaktwagen zur Ehre gereichte. Der Unterschied: Die wiegen in der Regel eine Tonne weniger. Gleichzeitig herrscht im Innern eine Ruhe wie im Mädchenpensionat nach dem Lichtlöschen. Man muss schon aussteigen, um den Diesel bei der für ihn typischen Klangentfaltung zu erwischen.

Einen ordentlichen Zacken bissiger geht das V8-Topmodell zu Werke, das vor allem Kunden außerhalb Europas reizen dürfte. Die bis zu 275 mm breiten Gummiwalzen krallen sich mit einer solchen Energie in den Untergrund, dass man selbst auf nassem Asphalt aus dem Stand auf 160 km/h und wieder auf Null in weniger als 18 Sekunden sprinten kann. Doch wer das allzu oft ausprobiert, muss das Fünfliter-Triebwerk mit 16 Litern Super auf 100 Kilometern speisen. Der 292-PS-Diesel begnügte sich dagegen auf rund 300 Testkilometern mit etwas mehr als der Hälfte.

Zu haben ist der neue Range Rover Sport ab 59.600 Euro. Bei Land Rover Deutschland herrscht nur geringe Sorge, dass viele Kunden sich darauf beschränken werden. In der Vergangenheit lag der Durchschnittspreis der hierzulande ausgelieferten Modelle jenseits von 70.000 Euro. Für 99.800 Euro steigt man in das Top-Modell V8-Supercharged und bekommt dafür die komfortabelste Serienausstattung. In etwa einem halben Jahr wird die Preisliste um zwei Positionen ergänzt: Dann stehen der V8-Diesel und ein Selbstzünder mit Elektro-Unterstützung bereit.