Ford Mustang Mach-E: Er kann auch ganz schön wild

Ford Mustang Mach-E: Er kann auch ganz schön wild
Der Ford Mustang Mach-E hinterlässt einen stimmigen Eindruck. © Ford

Es hat lange gedauert, doch nun ist auch Ford ins Elektro-Zeitalter aufgebrochen. Mit dem Mustang Mach-E erfolgt der Start ziemlich überzeugend.

Dass der US-Autobauer ausgerechnet für sein erstes E-Auto den Mustang elektrifiziert hat, kommt dabei nicht von ungefähr. Schließlich steht kein anderes Modell von Ford derart für Emotionen wie der Mustang, der nunmehr seit 57 Jahren auf den Straßen unterwegs ist. Als Mustang Mach-E bricht das Crossover-SUV nun auf ins Zeitalter der E-Mobilität.


Dabei haben die Designer bewusst Anleihen beim Klassiker genommen, beispielsweise beim Kühlergrill und den extravaganten Rücklichtern. Statt des Ford-Logos prangt an der Front und dem Heck der galoppierende Mustang. Hier soll jedem gleich auffallen, dass hier nicht wieder eines dieser verwechselbaren und uninspiriert vorfahrenden SUVs unterwegs ist. Nein, das ist ein Mustang – und er fährt elektrisch. Und das ist auch gut so.

Nette Gimmicks zum Start

Das Volumen des vorderen Kofferaums im Mach-E kommt auf 81 Liter. Foto: Ford

Zwar hat Ford noch nicht wie zuletzt GM (ab 2035), Jaguar (ab 2025) oder Volvo (ab 2030) ein konkretes Datum für das Ende des Verbrennungsmotor bekannt gegeben, aber man hat die Weichen klar auf die E-Mobilität gelegt. So wurde gerade erst bekannt geben, dass das Kölner Ford-Werk zum Elektro-Hub in Europa aufgebaut wird. Dafür investiert der Autobauer eine Milliarde US-Dollar in seinen deutschen Standort. Das erste elektrische Volumenmodell aus Köln wird 2023 vom Band laufen und wird auf dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) des VW-Konzerns basieren. Derzeit laufen die Prüfungen, ob nicht auch ein zweites Modell in Köln gefertigt wird.

Doch jetzt gilt die Konzentration dem Ford Mustang Mach-E. Wer sich im Boom-Markt Elektromobilität behaupten will, der muss indes mehr bieten als nur ein schickes Aussehen. Es geht auch um Überraschungsmomente wie den beim Einsteigen. Denn die Tür lässt sich nicht einfach nur per Schlüssel öffnen, sondern per Knopfdruck an der B-Säule. Dort lässt sich auch ein individueller Code eingeben, mit dem man Zutritt erhält. Ein nettes Gimmick Die Öffnung des Fahrzeugs kann auch über das Smartphone erfolgen. Dafür gibt es auch eine eigene App. Mit ihr lassen sich auch andere Funktionen wie beispielsweise das Laden oder die Vorklimatisierung einstellen.

Neues Infotainment-System Sync4

Über ein großes Mittel-Display im Ford Mustang Mach-E lassen sich die meisten Funktionen bedienen. Foto: Ford

Hat man die Tür geöffnet, blickt man in einem schick gemachten Innenraum, der von einem 15,5 Zoll großen Mitteldisplay bestimmt wird. Der sieht nicht nur gut aus, sondern lässt sich per Druck- und Streichbewegungen auch problemlos bedienen. Die Befehle beispielsweise für Telefon, Navigation, Musik oder Fahrfunktionen erfolgen dank des neuen Kommunikationssystem Ford Sync 4 doppelt so schnell wie beim Vorgänger. Sollten Updates zur Verfügung stehen, lassen sie sich Over-the-Air einspielen.

Ansonsten ist der Innenraum des 4,71 Meter langen, 1,86 Meter breiten und 1,62 Meter hohen mach-E großzügig geraten. Fahrer und Beifahrer haben ausreichend Platz und auch im Fond können drei Erwachsene mehr oder minder gut sitzen. Der Kofferraum bietet Platz für mindestens 402 Liter Gepäck, im Frunk – dem Staufach unter der Motorhaube – stehen nochmals 81 Liter zur Verfügung.

Heck- oder Allradantrieb im Angebot

Doch kommen wir zu den Fahrleistungen des Mach-E, der mit zwei Batteriegrößen (68 kWh und 88 kWh) angeboten wird und entweder mit Heck- oder Allradantrieb bestellbar ist. Als Heckvariante mit kleinem Akku und einer Leistung von 269 PS bieten sie Reichweiten von 440 Kilometer in der Standard- und 610 Kilometer in der Extended-Version mit großer Batterie und 294 PS. Die Allradversionen bringen es auf Reichweiten von 400 bzw. 540 Kilometer bei einer Leistung von 269 bzw. 540 PS. Während die Einstiegsversion bei 46.900 Euro beginnt, steht die Topversion mit 62.900 Euro in der Preisliste – vor Abzug der staatlichen Kaufprämie.

Bevor es losgeht auf die Straßen Brandenburgs, suchen wir uns noch das richtige Fahrprofil aus. Werksseitig ist der Mustang mit drei Fahrmodi ausgestattet. Nein, sie heißen hier nicht Eco, Normal, Sport oder Komfort, sondern sie passen sich dem Mustang an. Im Display stehen „Zahm“, „Aktiv“, „Temperamentvoll“. Wir entscheiden uns zunächst für die zahme Gangart, schließlich wollen wir auch wissen, wie es mit dem Verbrauch ausschaut. Doch zunächst einmal ist dies die entspannteste Art, Mustang zu fahren. So unterwegs ist der Mach-E sehr zurückhaltend – und entsprechend leise. Entspanntes Cruisen ist garantiert. Bei umsichtiger Fahrweise über die Brandenburger Landstraßen stand am Ende übrigens ein Verbrauch von 21,3 kWh auf dem Bordcomputer. Freunde des Mustangs werden indes etwas überrascht über das Fahrwerk sein. Es dürfte ihnen nicht hart genug sein, doch für den Alltag bietet es einen guten Kompromiss von Komfort und Sportlichkeit.

Spitze bei 180 km/h

Je nach Batteriegröße liefert der Ford vernünftige Reichweiten von gut 400 Kilometern bis hin zu 610 Kilometern. Foto: Ford

Doch der Mach-E kann auch anders, nämlich recht temperamentvoll. Dann bietet dieser Stromer das Maximum an Dynamik. Lenkung und Beschleunigungspedal sprechen direkter an und der künstliche Motorsound vermittelt das Gefühl in einem Verbrenner mit V8 unterwegs zu sein. Was er kann, zeigt ein Blick auf die Leistungsdaten des Mach-E mit großer Batterie und Allrad: Unter sechs Sekunden beschleunigt er auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 180 km/h. Zwar werden Elektroauto-Fahrer nur selten und vor allem längere Strecken so schnell fahren, aber sie könnten, wenn sie wollten. Wollen sie, wird es indes nichts mit der Reichweite von bis zu 540 Kilometer. Bei unserer Tempofahrt bei Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn lag der Verbrauch bei 27 kWh. Angesichts dessen ist man dann doch lieber langsamer unterwegs.

Wer es dann doch einmal mit dem Tempo übertreibt, der muss sich nicht sorgen: Laden lässt sich der Mach-E mit einer Leistung von 150 kW. Damit kann man ihn von 10 bis 80 Prozent in 45 Minuten an einer Schnellladestation mit Strom betanken.

Doch auch im Modus „zahm“ so kann man mit dem Mach-E genügend Spaß haben. Dank seines niedrigen Schwerpunkts und des Allradantriebs kann man mit ihm gut und ziemlich souverän auf die Kurvenhatz gehen. Wenngleich man sich hier etwas mehr Seitenhalt von den ansonsten bequemen Sitzen wünschen würde. Doch das sind Marginalien, die den guten Gesamteindruck des Mach-E nicht schmälern. Jetzt ist zu wünschen, dass bald ein kleinerer Stromer von Ford folgt. Doch in zwei Jahren soll ja das erste E-Modell aus dem Kölner Elektro-Hub fahren.

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