Der Greeny AC1: Die kleine Knutschkugel

Der Greeny AC1: Die kleine Knutschkugel
Reva Greeny © Foto: Press-Inform

Wie schon in London sollen in Zukunft auch durch deutsche Großstädte kleine Greeny ACs zockeln. Das Elektro-Autochen hat das nötige Potenzial, da ist sich Stefan Grundhoff sicher.

Was große Hersteller bisher nicht hinbekommen, versuchen zwei findige Potsdamer unter dem Label «Visiongreen». Die beiden bewohnen in einer ruhigen Potsdamer Wohnsiedlung im Hinterhof ein modernes Ökohaus. Karg möbliert, Ressourcen sparend und alles noch ganz neu - passt irgendwie zum elektro betriebenen Greeny. In der Megacity London krabbeln die Greenys zusammen mit zwei handvoll anderen Modellen bereits seit zwei Jahren über durch den Linksverkehr und umschiffen so Parkplatzprobleme und Citymaut. «Bisher wurden in England und insbesondere London rund 1000 Greeny verkauft», erzählt Geschäftsführer Stefan Eghbalian. «Jetzt kommen die ersten Autos in die Schweiz und nach Österreich.»

Metropolen-Fahrzeug

Auf dem Genfer Automobilsalon hatten die Potsdamer Frischlinge erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt laufen die letzten Vorbereitungen zum Marktstart des Greeny in Deutschland. Doch woher kommt das gerade einmal 2,64 Meter lange Wägelchen, der problemlos hinter einem Smart verschwindet? Produziert wird das winzige Elektromobil von der Firma Reva in Indien. Reva ist einer der größten Autozulieferer des Landes und ergänzend seit Jahren auf dem Markt der Elektromobile unterwegs. Nachdem man die ersten Fahrzeuge in Indien und England auf den Markt gebracht hat, kommt jetzt der zentraleuropäische Markt. Gerade in Deutschland hat das Projekt Visiongreen einiges vor, will den in rund 2000 Farbkombinationen erhältlichen Greeny in Metropolen wie Berlin, München, Hamburg und Köln bringen.

Wie in einem Renn-Cockpit

Es geht reichlich beengt zu Foto: Press-Inform

Mit seinen kugelrunden Scheinwerferaugen, dem kurzen Radstand und der hohen Dachlinie steht er in der Potsdamer Wohnsiedlung. Erinnerungen an die Mini-Bausätze im Überraschungs-Ei oder Comicautos kommen unweigerlich hoch - schon wegen der wilden Tigerlackierung, die sich bei näherem Hinsehen als Klebefolie entpuppt. Die ersten Meter fallen gerade groß gewachsenen Fahrern schwer. Die beiden Frontsitze sind zwar mit schwarzem Leder bezogen, bieten jedoch allenfalls Platz für Personen bis 1,75 Meter. Bein- und Schulterfreiheit sind für größere Insassen kaum vorhanden und das preiswert anmutende Armaturenbrett aus Plastik würde besser in einer indischen Oldtimer-Laster oder eine betagte Pistenraupe in den Schweizer Alpen passen. Doch der Greeny will schließlich nicht als Designikone glänzen, sondern einen im Citybereich als Ziel seiner Wünsche bringen. Tut er problemlos und ganz ohne Schadstoffe.

Kleines Knacken beim Start

Dünne 145er Reifen Foto: Press-Inform

Beim Starten des Motors ist nicht mehr als ein kleines Klacken zu vernehmen. Griff und Drehschalter an der linken Seite des Armaturenbretts und schon geht es zumindest motorisch lautlos über das holprige Pflaster. Die Saubermann-Knutschkugel beschleunigt zaghaft, ächzt, stöhnt, wankt und holpert hin und her. Dünne 145er Reifchen und der hohe Schwerpunkt setzen dem Greeny deutlich zu. Schließlich liegt das Leergewicht nicht zuletzt durch den schweren Akkupack unter den Sitzen bei 680 Kilogramm. Bleiben exakt 227 Kilogramm Zuladung für zwei Passagiere, zwei zusätzliche Kleinkinder auf der eher deklaratorischen Rückbank und das Gepäck. Die zwei schmalen Mini-Plätze in der zweiten Reihe kann man besser nutzen - wenn man die Lehnen gleich umklappt und als wertvollen Stauraum nutzt.

Fabelhafter Wendekreis

In der überfüllten Innenstadt spielt der Greeny von Reva seine Stärken kompromisslos aus und lässt damit selbst seinen ärgsten Konkurrenten, den Smart, im Regen stehen. Mit seinen winzigen Abmessungen und insbesondere durch den fabelhaften Wendekreis von gerade einmal 3,50 Metern presst er sich in jede noch so unscheinbare Lücke. Da vergisst man fast den nicht vorhandenen Innencharme, die schwachen Sitze und die wenig zeitgemäßen Schiebefenster, die kaum Luft in den Innenraum bringen.

80 Kilometer Reichweite

Ein Mal volltanken für 1,80 Euro Foto: Press-Inform

Der Greeny zeigt, wie wenig Power nötig ist, um in der Innenstadt mobil zu sein. Der Elektromotor leistet gerade einmal 13 kW/18 PS und maximales Drehmoment von 54 Nm. Reicht allemal um lautlos und unter den nervösen Blicken der Umgebung durch Berlin zu rollen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h - emissionslos. Maximal 80 Kilometer beträgt auch die Reichweite, bis der Greeny wieder an die Steckdose muss. Getankt werden kann an jedem beliebigen 220-Volt-Anschluss. Nach rund zweieinhalb Stunden hat das 260 Kilogramm schwere Akkupaket eine Kapazität von 80 Prozent. Wer die unter den beiden Vordersitzen befindliche Bleibatterie komplett aufladen will, muss jedoch bis zu sechs Stunden einkalkulieren.

Kein Schnäppchen

Ein mobiles Team soll die Serviceleistungen erbringen Foto: Press-Inform

Der Greeny würde prächtig auch in die deutschen Städte passen - wenn der hohe Preis nicht wäre. Ob er die Chancen zu einem Erfolgsmodell hat, wird der Markt zeigen. Denn 13.000 Euro sind auch für einen Saubermann kein Pappenstiel. Dass man die Selbstverständlichkeit einer Klimaanlage, Alufelgen und klimatisierte Sitze nochmals teuer extra bezahlen muss, sei nur am Rande erwähnt. Der 61 PS starke Basis-Smart kostet gerade einmal 9490 Euro. Der 45 PS starke Commonrail-Diesel Smart cdi mit einem CO2-Ausstoss von 88 g/km liegt mit 11.200 Euro ebenfalls deutlich unter dem Reva Greeny. So teuer der Inder in der Anschaffung auch ist - günstiger kann man jedoch kaum fahren. «100 Kilometer kosten angesichts der aktuellen Stromkosten derzeit gerade einmal 1,80 Euro», rechnet Borjana Eghbalian vor.

In Deutschland will Visiongreen bis 2010 so weit sein, jährlich mindestens 500 Fahrzeuge loszuwerden. Das Servicenetz wird derzeit aufgebaut. Neben dem Verkauf wird auch der Betrieb zentral aus Potsdam gesteuert. In den großen Zentren soll es Werkstätten mit einer A- und B-Lizenz für Inspektionen und Reparaturen geben. Geschäftsführer Stefan Eghbalian: «Der Großteil etwaiger Serviceleistungen soll jedoch von einem mobilen Team erledigt werden, das in ganz Deutschland unterwegs sein wird.»

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