Citroen DS4: Premiumgefühle in der Kompaktklasse

Keine Reise in die Vergangenheit

Der Citroen DS4 lässt sich in keine Klasse eingliedern. © Citroen

Mit dem DS4 präsentiert Citroen mehr als nur einen Hauch von Premium in der Kompaktklasse. Der edle Bruder ist im Vergleich zum C4 aber auch mehr im Lifestyle-Bereich angesiedelt als im Alltag.

Von Thomas Flehmer

Nein, nein, nein, die Begriffe "Hydropneumatik" und "Deesse" kommen in diesem Artikel nicht vor. Für viele sind auch heute noch ein Synonym für die individuelle Technik von Citroen. Doch die göttliche DS und das spezielle Federungssystem gehören mittlerweile der Vergangenheit an – die neue DS-Reihe des französischen Herstellers dokumentiert die Gegenwart und will gar keine Vergleiche nach einstmals Bewährtem und Schönen aufkommen lassen.

DS als eigene Citroen-Marke in China

DS – das steht mittlerweile für den Premiumableger, den Citroen in China gar als eigenständige Marke aufgebaut hat. Mit dem DS3, DS3 Cabrio, DS4 und DS5 sind die ersten Vertreter auf dem Markt und können den Ritt in die Vergangenheit zunächst so schnell nicht verdrängen. Denn das Karosseriedesign des Quartetts ist so individuell gestaltet, wie man es von den Franzosen kennt. Im Falle des DS4 geht der Hersteller sogar soweit, dass nicht erkennbar ist, in welchem Segment der von der Länge von 4,28 Metern zu den Kompakten zählende DS4 überhaupt gehört. Zwischen Limousine, Kompakt-SUV und Crossover-Coupé könnte der DS4 alles besetzen.

Vergleichbar geht es im Innenraum zu. Hier kann nicht zwischen Premium- und Kompaktklasse unterschieden werden. Edle Ledersitze mit Massagefunktion – auch für den Beifahrer, eine äußerst schicke Anmutung des Innenraums und gut ablesbare Instrumente, bei denen zudem die Hintergrundfarbe nach Gusto in Blau oder Weiß eingestellt werden kann. Das Lenkrad lässt sich gut anfassen und hat die notwendigsten Funktionen parat, ohne dabei überfrachtet zu wirken.

Versteckte Hintertüren des Citroen DS4

Aufgrund der coupéartigen Form haben es die Insassen hinter Fahrer und Beifahrer etwas schlechter erwischt – wenn sie es überhaupt nach hinten schaffen. Denn die versteckt liegenden Türgriffe gaukeln dem Unbedarften vor, es handele sich um einen Dreitürer – der Unbedarfte muss deshalb draußen bleiben, weil er es nicht schafft, die Vordersitze nach vorn zu klappen, um dann nach hinten einsteigen zu können.

Doch auch diejenigen, die die hinteren Türen öffnen können, haben es etwas schwerer als Fahrer und Beifahrer. Zwar ist der DS4 als Fünfsitzer ausgelegt, doch dann geht es sehr, sehr eng zu. Und auch das Kofferraumabteil mit 385 Litern ist dann schnell gefüllt, auch wenn die Ladekante sehr hoch ausgefallen ist und man sich lieber am schönen Design des Hecks erfreuen möchte.

Beschränkte Sicht nach hinten im Citroen DS4

Das Lenkung des Citroen DS4 arbeitet sehr präzise Citroen

Dem Fahrer ist es letztendlich egal, ober drei oder vier Personen hinten sitzen. Durch das kleine Heckfenster mit dem putzigen Scheibenwischer, das dem des DS5 sehr ähnelt, ist die Aussicht auch ohne Kopf der mittig sitzenden Person stark eingeschränkt. Die Außenspiegel, die zudem mit einem Totwinkelassistenten ausgestattet sind, reichen aus. Und beim Einparken kommt der Einparkassistent zu Hilfe.

Zuvor allerdings kann die Fahrt mit dem DS4 Hdi 165 genossen werden. Der 120 kW/163 PS starke und zwei Liter große Vierzylinder bringt den 1,5 Tonner innerhalb von 9,8 Sekunden auf Tempo 100 und wird erst bei 208 km/h eingebremst, auch wenn die Sechsgang-Automatik etwas von der Kraft zu nehmen scheint.

Citroen DS4 zwischen Fahrspaß und Komfort

DEr Citroen DS4 HDi 165 erreicht 100 km/h nach 9,8 Sekunden Citroen

Doch nicht nur die Autobahn beherrscht der Edel-Citroen. Dank einer direkten Lenkung und einem festen Fahrwerk können auch Kurven der Landstraße sportlich genommen werden. Sollte der DS4 dabei etwas zu weit nach außen schieben, greift das ESP ein. Der DS4 bietet einen gelungenen Mix aus Fahrspaß und komfortablen Reisen.

Überraschend gut ist auch der Verbrauch des Selbstzünders. Wer auf der Autobahn hauptsächlich mit 120 km/h unterwegs ist, bleibt aber von den angegebenen 4,7 Litern mit 6,6 Litern weit entfernt. Dafür sind die 8,1 Liter für die Fahrt in höheren Geschwindigkeitsbereichen nicht schlecht. Auch in der Stadt sind 6,4 Liter – bei einem hohen Stadtautobahnanteil – ebenfalls nicht zu verachten. Hier rechnet Citroen mit 7,4 Litern.

Ebenfalls nicht zu verachten sind die mindestens 30.550 Euro, die Citroen für den DS4 HDi 165 in der höchsten Ausstattungsvariante Sportchic einfordert, knapp 10.000 Euro mehr als der Einstiegspreis. Allerdings ist der DS4 damit sehr gut ausgestattet und bietet bereits Premiumgefühle in der Kompaktklasse – auch ohne den noch heute bekannten Citroen-Merkmalen der Vergangenheit.

Vorheriger ArtikelSpritpreise seit Silvester auf Tiefflug
Nächster ArtikelNeuer Innenraum für den Audi TT
Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.