Chrysler Sebring: Dieseln in der Nische

Chrysler Sebring: Dieseln in der Nische
Chrysler Sebring © Foto: Werk

Chrysler besetzt das D-Segment neu. Die Erfolgsaussichten der Limousine sind trotz des erstmaligen Einsatzes eines Dieselmotors arg begrenzt, glaubt Thomas Flehmer.

Chrysler startet einen neuen Anlauf im D-Segment. Mit dem neuen Sebring soll laut dem Unternehmen die Passat-Klasse neu belebt werden. «Die Sebring Limousine bietet viele Ausstattungsdetails, die man bei anderen Mitbewerbern in dieser Klasse vergeblich sucht», sagt Radek Jelinek, der in der DaimlerChrysler-Geschäftsleitung für die Marken Jeep, Dodge und Chrysler verantwortlich ist. Doch die ersten Testfahrten lassen Zweifel aufkommen, ob der Sebring zum ansteigenden Erfolg der ChryslerGroup, die im ersten Quartal 2007 einen Anstieg von 33,4 Prozent und 4418 verkauften Einheiten verzeichnete, signifikant beitragen kann.

Pfiff der Studie fehlt

Denn während die zuletzt präsentierten Modelle wie Dodge Avenger oder Caliber schon vom Design sehr kraftvoll auftreten, reiht sich der Sebring, der sich die Plattform mit dem Avenger und Mitsubishi teilt, in die Reihe der ganz normalen Limousinen ein. Das ist doppelt bedauerlich, denn das 2003 auf dem Genfer Autosalon vorgestellte Concept Car Airflite präsentierte sich viel attraktiver und machte Appetit auf mehr. Auch wenn einzelne Attribute von der Studie übernommen wurden, fehlte doch der Mut zur schöneren Umsetzung.

Selbst das ansonsten kraftvoll wirkende «Chrysler-Gesicht» entfaltet bei der Limousine kaum Charisma. Der große Grill und die langgezogenen Frontscheinwerfer, die den Auftritt des 300C potent ankündigen, bleiben eine Nummer kleiner doch farbloser. Auch die wie beim Crossfire skulpturierte Motorhaube fällt beim Sebring nicht so sehr auf.

Eintritt in die Plastikwelt

Das Heck des Chrysler Sebring Foto: AG/Flehmer

Das gilt ebenso für die Seitenlinie. Anstatt wie bei den Schwestermodellen dynamisch anzusteigen, wird beim Sebring auf die konventionelle Methode gesetzt. Zwar ist das Heck etwas höher angesetzt als bei den Mitbewerbern, doch kann sich der 4,85 Meter lange Amerika-Import nicht entscheidend absetzen.

Das gilt nicht für den Innenraum. Dieser ist rein nach amerikanischem Gusto konzipiert und hat somit keinen Platz für europäische Vorlieben. So tritt man wieder in eine Plastikwelt ein. Graue Hartplastik gepaart mit Aluminium-Oberflächen an der Mittelkonsole versprühen kaum Charme. Darin ändern auch die in Schildpatt-Design gehaltenen Applikationen an den Türgriffen sowie am Handschuhfach und Lenkrad nur wenig. Zudem wurde an manchen Stellen wenig sorgfältig gearbeitet.

Mit Humphrey auf Verbrecherjagd

Innenraum in amerikanischem Design Foto: AG/Flehmer

Die in der Topausstattung Sebring Limited enthaltenen Bicolor-Sitze mit Dark- und Light Slate Gray sowie den exklusiven Farben Cream und Medium Pebble Beige laden zur Reise in die amerikanische Vergangenheit ein, in der Humphrey Bogart als Philipp Marlowe in großen Ami-Schlitten auf Verbrecherjagd ging - fast schon sofaartig weich und ohne großen Seitenhalt. Mein Beifahrer, der eine härtere Federungen ablehnt, fühlte sich vom Sitzkomfort sehr wohl.

Unterstützt wurde sein Komfort-Empfinden durch eine weiche Fahrwerksabstimmung. Die Lenkung vermittelte nicht unbedingt den direkten Kontakt zur Straße und war etwas schwammig. Der Radstand von 2,77 Metern und die breite Spur von 1,57 Metern vermittelte aber genug Fahrsicherheit.

Bekannte Motoren

Der Chrysler Sebring Foto: AG/Flehmer

Trotz des langen Radstandes bekommen vier erwachsene Personen im Innenraum Platzprobleme. Vor allem, wenn Personen über 1,90 Meter mitreisen, geht es im Fond enger zu. Hier sollen das Festplatten-Navi mit 20 Gigabyte und CD-/DVD-Kombination für 2620 Euro die Fahrt ebenso erquicklicker machen wie die bereits aus den Schwestermodellen bekannten Goodies wie beheizbarer und kühlbarer Getränkehalter, ein Glas-Schiebe-Hubdach und die Sitzheizung vorn, die im Luxury-Paket der Limited-Version enthalten ist und einen Wert von 1460 Euro aufweist.

Ebenso bekannt ist der Dieselmotor, den Chrysler nun auch im Sebring einsetzt. Der 2.0 CRD mit 103 kW/140 PS entstammt von VW und brachte den Caliber beim Markteintritt von Dodge in Europa vor einem Jahr in Schwung. Auch im Sebring verrichtet der Selbstzünder zuverlässig seine Arbeit. 310 Nm, die zwischen 1750 und 2500 U/min anliegen, reichen aus, um den bis zu 1,7 Tonnen schweren Sebring in 11,1 Sekunden bis zur 100 km/h-Marke zu bringen. Bei 203 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Commonrail-Diesel fehlt

Ledersitze mit Retro-Charme Foto: press-inform

Doch für den Sebring reicht eine Geschwindigkeit von 160 bis 170 km/h völlig aus. Bei höheren Geschwindigkeiten macht sich das Fehlen eines Commonrail-Diesel bemerkbar. Die Lautstärke ist bei der Pumpe-Diesel-Technik zwar noch annehmbar, aber wer schon mit einem Commonrail-Selbstzünder chauffiert wurde, möchte die neue Technik nicht missen.

Wer den neuen Sebring nicht missen möchte, muss mindestens 26.590 Euro bereit liegen haben. Dafür steht der Sechsgang-Schalter in der Basisversion bereit. Die von uns gefahrene Limited-Version beginnt bei 29.100 Euro. Wie bei allen DaimlerChrysler-Modellen ist das Fünf-Sterne-Paket, die Garantieleistungen für vier Jahre oder 50.000 Kilometer beinhaltet, enthalten.

Wie Pressesprecher Markus Hauf mitteilte, wurden diese Leistungen in den vergangenen Jahren immer weniger in Anspruch genommen, da die Qualität sich kontinuierlich gesteigert habe. Diese Aura der gesteigerten Qualität wird auch dem Sebring nicht aus dem Außenseiterdasein im D-Segment verhelfen.

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