Cadillac XLR-V: Moderner Robocop

Cadillac XLR-V © Foto: Cadillac

Cadillac drängt auf den europäischen Markt. Mit dem 450 PS-starken XLR-V lässt der GM-Ableger den American Dream wieder aufleben.

Von Stefan Grundhoff

Das Gesicht der Cadillac-Familie brennt sich ein. So sehen keine unscheinbaren Nebendarsteller, keine müden Krieger aus. Fest steht: der Pilot will ein Statement setzen. Mit dem nötigen Vitamin V gibt’s zusätzlich ein Ausrufezeichen.

Trend verschlafen

Die deutsche Konkurrenz hat es eindrucksvoll vorgemacht. Die Sportabteilungen der etablierten Autohersteller bringen Image, Prestige und Geld in die Kassen. Audi bedient sich der quattro GmbH mit bullig grollenden S- und RS-Modellen, Mercedes schwört auf AMG und BMW lässt auf seine M-GmbH seit Jahren ebenso wenig herankommen wie Opel an seinen noch juvenilen OPC-Spross.

Hersteller aus Japan und den USA haben sich die Trends lange Zeit aufmerksam angeschaut und fangen nunmehr an, sie ins eigene Portfolio zu übertragen. Neueste Vertreter sind Lexus und Cadillac. Der GM-Ableger war jahrzehntelang das Aushängeschild nordamerikanischer Automobilbaukunst.

Kontakt zu Käufern verloren

Das cockpit des Cadillac XLR-V Foto: Cadillac

«Die Marke hat trotz ihrer großen Historie gerade in den 80er und 90er Jahren den Kontakt zu sehr vielen Käufern verloren», räumt Cadillac-Deutschland-Geschäftsführer Arjen van Beek ein, «das gilt auch für die USA.» Doch mit müden Verkaufszahlen soll Schluss sein. Auf dem Heimatmarkt und besonders in Europa will man mit mehr Leistung und Einzigartigkeit neue Käufer gewinnen.

Doch zunächst gilt es, das Portfolio in die Köpfe der Kunden zu brennen. Wer sich für einen Audi, BMW, Mercedes oder Volvo entscheidet, dem soll die Cadillac-Konkurrenz zumindest kurz als coole Alternative in den Sinn kommen. Die beiden Imageträger STS und XLR sind ab sofort auch mit einer Leistungsspritze und mehr Vitamin V zu bekommen. Nicht, dass die Standardversion des Klappdach-Roadsters XLR mit seinen 326 PS allzu schwach auf der Brust gewesen wäre. Doch Lenkung, Fahrwerk und Getriebe lassen beim Exoten-Sonnenanbeter durchaus Potenzial nach oben.

Kurze Träume

Der 4,4 Liter-Achtzylinder Foto: Cadillac

Der kompressorgeladene XLR-V schöpft diese Möglichkeiten deutlich besser aus. Der 4,4 Liter große Achtzylinder leistet Dank seiner mechanischen Zwangsbeatmung 331 kW / 450 PS und 561 Nm Drehmoment bei 3.900 U/min. Damit klopft man deutlich vernehmbar bei Corvette, BMW M6 Cabrio, Aston Martin Vantage und Mercedes SL 55 AMG an.

Bullig und wild presst der Zweisitzer mit dem kantigen Transformers-Gesicht seine 1,7 Tonnen spielerisch über die Tempo-100-Marke. Die fliegt nach gerade einmal 4,7 Sekunden vorbei. Die abgeriegelte Spitze von 250 Km/h ist mehr als ausreichend. Die zu indirekte Lenkung, das wenig straffe Fahrwerk und die Windgeräusche lassen einen in dem 4,51 Meter langen Geschoss nur kurz davon träumen, wie schnell der Hecktriebler wäre, wenn man ihn von der Leine lassen würde.

Im Konzernregal herumgesucht

Dynamische Seitenlinie Foto: Cadillac

Die Bremsen hat man sich vom Vorzeige-Ami Corvette C06 ausgeliehen. Und auch im Innenraum gibt es eine Vielzahl von Elementen, die man in anderen Fahrzeugen aus dem Hause GM schon einmal gesehen hat. Die an der Hinterachse angeflanschte Sechsgang-Automatik könnte gerade unter Volllast etwas souveräner arbeiten.

Wirklich etwas aussetzen kann man an dem Paket jedoch nicht. Das Fahrwerk ist dank der idealen Gewichtsverteilung von 50:50 ausgewogen, die Leistung zu weich und das Heck kann bei einem Kraftausbruch schon einmal zickig austreten.

Mehr cruisen statt rasen

Karger Innenraum Foto: Cadillac

Der Innenraum des mobilen Robocops kann dagegen kaum überzeugen. Die Leder-Alcantara-Kombination sieht gut aus, kann sportliche Piloten jedoch allenfalls beim Weg zum Bäcker beeindrucken. Es fehlt an Seitenhalt, Kopfraum, Beinauflage und einem ordentlichen Verstellbereich für Lehne und Sitzfläche. Der Caddy macht keinen Hehl heraus, dass er eher unter kraftvoller Cruiser als unter Fahrmaschine firmieren will. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 16 Litern Super sollte man jedoch kalkulieren. Angesichts der Leistungswerte liegt man damit auf Augenhöhe mit potenten Konkurrenten aus Deutschland, Italien, USA und England.

Auch wenn der kantige XLR schon ein paar Jahre auf dem Markt ist - sein Design als Fortsetzung der Konzeptstudie Evoq ist nach wie vor ein Hingucker. Kein Gedanke an Heckflossen oder die verspielten Luxuskreuzer der 40er oder 50er Jahre. Der XLR-V ist Mainstream, zumindest nach Cadillac-Maßstäben. Denn beim Design sprechen die Modelle BLS, CTS, STS, SRX und Escalade eine klare Sprache. Kantige Leuchten, der eindrucksvolle Kühlergrill oder die klare Linienführung. Einen Cadillac dürfte im Straßenbild niemand verwechseln.

Karges Händlernetz

Auch die Fahrzeugtechnik ist mittlerweile auf der Höhe. Diesel- und Kombiversionen haben bzw. werden Einzug halten, dazu moderne Fahrwerke, Turbopower und europäische angehauchte Interieurs. Wenn es an etwas hapert, dann ist es das Händlernetz. Dass im vergangenen Jahr gerade einmal 600 Fahrzeuge an deutsche Kunden verteilt wurden, liegt insbesondere an der kargen Vertriebsstruktur. 25 Händler sind zu dünn, um im Premiumsegment eine erfolgreiche Alternative darzustellen. Bis zum Jahresende sollen es mindestens 35 Betriebe sein, bis man sich mittelfristig an die 50er-Marke herantastet.

Dass sich allzu viele für den neuen Cadillac XLR-V entscheiden, darf bezweifelt werden. «Sicher sind das keine Modelle die Volumen machen», so Patrick Herrmann, technischer Manager bei Cadillac, «aber sie bieten exzellente Fahrleistungen und eine Vollausstattung zu einem überaus günstigen Preis.»

Preis lässt aufhorchen

Offen und geschlossen Foto: Cadillac

Der Preis von 86.150 Euro lässt einen infolge der Vollausstattung zumindest aufhorchen. Allein die Lackierung kann man wählen, sonst ist alles drin. Dass das vollelektrische Dach zum Öffnen und Schließen müde 30 Sekunden benötigt, ist umso ärgerlicher weil es sich nur im Stand bedienen lässt. Hier ist die Cadillac nach wir vor nicht auf dem neuesten Stand der Cabriotechnik.

Doch man will mit den neuen Sportmodellen, den modernen Dieselmotoren und dem Neuling Cadillac BLS Kombi auch in Europa mehr Farbe zeigen. «Das alles soll dem Kunden zeigen, wie wichtig Cadillac den europäischen Markt nimmt», so Arjen van Beek, «wir bieten derzeit allein 38 Varianten. Und keine davon geht in der Masse unter.»