Oldtimer ab Werk

Mercedes-Benz G-Modell

Die G-Klasse von Mercedes ist seit 30 Jahren am Start © Foto: Daimler

Das Urgestein unter den Geländewagen wird seit über 30 Jahren gebaut: Das Mercedes-Benz G-Modell. Der Dinosaurier mit dem Stern kann auch heute noch mithalten, doch er hat seinen Preis.

Von Stefan Voswinkel

Deutschland im Jahr 1979: Helmut Schmidt ist Bundeskanzler, Privatfernsehen gibt es noch nicht und Mercedes-Benz präsentiert stolz den ersten Geländewagen seiner Geschichte. Das Modell heißt schlicht G und soll vor allem dem Militär als robuster Lastesel dienen. Über 30 Jahre später wird das G-Modell immer noch gebaut und von Förstern, Offroad-Fans und sogar vom Papst genutzt.

Kaum Unterschiede zum Ur-Modell

Äußerlich gleicht die aktuelle Version des Geländewagens bis auf wenige Ausnahmen dem Ur-Modell. Allerdings wurde in der langen Bauzeit nahezu jede Schraube am Urgestein verändert, um den Wagen auf der Höhe der Zeit zu halten. Weniger spartanisch als 1979 ist somit auch der Innenraum. Sämtliche Schalter und Anzeigen sind Mercedes-Kennern aus aktuellen Modellen ebenso bekannt wie das Navi-System. Dazu kommt eine Verarbeitung auf höchstem Niveau: Alles ist wie aus dem Vollen geschnitzt, die Türen schließen mit dem unnachahmlichen Tresor-Plopp früherer Tage.

Vor einer Fahrt mit dem Allrader ist zunächst der Einstieg zu bewältigen. In Sportwagen lässt man sich einfach fallen, in Vans und SUVs zieht man sich gemütlich auf die Sitze - der G muss dagegen erklommen werden. Mit einer Dachhöhe von 1,94 Meter überragt das Gefährt die meisten seiner Fahrer, auch klassische Garagen reichen platzmäßig zum Parken nicht aus.

Guter Überblick

Eine gute Übersicht ist garantiert Foto: Daimler

Einmal hinter dem Lenkrad angekommen, entschädigt jedoch die fürstliche Übersicht. Durch die steile Frontscheibe fällt der Blick über die herrlich kantige Haube mit den charakteristischen Blinkern. Egal welcher Statur die G-Klasse-Piloten sind, sie haben alles im Blick und dürfen die Parksensoren getrost vergessen. Der G lässt sich so gut parken, wie es vor 30 Jahren mit fast jedem Auto ging.

Im alltäglichen Straßenverkehr schlägt sich der "30 Jahre alte" Neuwagen gar nicht so schlecht, obwohl der G ursprünglich als Geländewagen für das Militär entwickelt wurde. Trotz Starrachsen geht der Komfort in Ordnung, aber von den luftgefederten und computergesteuerten Fahrwerken moderner Geländegänger à la Range Rover ist er meilenweit entfernt.

Keine Probleme über Stock und Stein

Der Innenraum wurde dem Zeitgeist angepasst Foto: Daimler

Und in zügigen Landstraßenkurven erinnert das G-Modell an einen außer Kontrolle geratenen Ozeandampfer. Immerhin profitiert die Fahrsicherheit vom serienmäßigen ESP. Es verhindert angesichts des hohen Schwerpunktes ein mögliches Umkippen des Geländewagens.

Die große Stunde schlägt dafür naturgemäß im Gelände. Bei der Fahrzeugkonzeption stand die Tauglichkeit für widriges Geläuf aller Art ganz oben auf dem Wunschzettel der Entwickler. Inzwischen hat das G-Modell permanenten Allradantrieb, Geländeuntersetzung und drei manuell zu 100 Prozent sperrbare Differenziale. Hinzu kommt das elektronische Traktions-System 4ETS, das zusätzlich durchdrehende Räder abbremst. Stock und Stein stellen kein Hindernis dar, die Erwartungen des Fahrers bezüglich der Geländetauglichkeit werden meist übertroffen.

Durstiger Diesel

Immer ein Hauch von Abenteuer dabei Foto: Daimler

1979 begann der G-Spaß mit 72 Diesel-PS. 30 Jahre später hat der Offroader einen Sechszylinder-Dieselmotor mit Common-Rail-Technik und 165 kW/224 PS unter der kantigen Haube. Wie gewohnt schlägt sich der Motor gut, allerdings mit leichten Abstrichen. Der Souveränität der üppigen 540 Newtonmeter Drehmoment steht das immense Fahrzeuggewicht im Weg. Etwas mehr als neun Sekunden für den Standardsprint von null auf 100 sind jedoch mehr als ausreichend. Die serienmäßige Siebengang-Automatik erledigt ihren Job dazu dezent, sie hat einfach stets den richtigen Gang parat.

Der G ist jedoch recht durstig, der Normverbrauch beträgt gemittelt elf Liter Diesel auf 100 Kilometern. Die günstigste Möglichkeit ein neues G-Modell zu fahren ist der G 320 CDI mit kurzem Radstand. Wobei günstig wie bei Mercedes-Benz üblich relativ ist, denn mindestens 71.341 Euro werden für den Gelände-"Einsteiger" fällig. Und bei dem Preis ist noch lange nicht Schluss: Buntes Designo-Leder kostet 4165 Euro, für das Navi-System werden 3046 Euro und für 18-Zoll-Räder weitere 1547 Euro fällig.

Sinnvolle Extras serienmäßig

Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass der G mit vielen sinnvollen Extras wie Xenonscheinwerfern, elektrischen Sitzen und Klimaautomatik bereits serienmäßig ausgestattet ist. Trotzdem: Mit dem Landrover Defender Station gibt es ein in Konstruktion und Design ähnlich knorriges Modell bereits ab 27.800 Euro, allerdings nur mit 90 kW/122 PS. Wahre Geländegänger zweifeln jedoch keine Sekunde an dem Urgestein mit dem Stern. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.