Fiat Punto: Zurück zu den Wurzeln

6,5 Millionen mal verkauft

Der Fiat Punto wurde aufgefrischt
Auch der neue Fiat Punto konnte den Sturz des Unternehmens nicht aufhalten. © Fiat

Fiat hat sein erfolgreichstes Modell in Deutschland modernisiert. Der Punto soll besonders mit dem neuen Zweizylinder den Erfolg fortsetzen.

Von Peter Weißenberg

Der Punto ist für Fiat ungefähr das, was auf einem deutschen Frühstückstisch Brot und Butter darstellen: Kaum jemand wird der Ware überschwängliche Begeisterung entgegenbringen – aber ohne kann der Tag irgendwie gar nicht erst beginnen. Grundnahrungsmittel sind eben unentbehrlich. 6,5 Millionen Käufer denken seit der Erstauflage des kleinen Italieners ähnlich und machen ihn zum weitaus wichtigsten Modell in der Palette. Herziger Panda hin, schicker Cinquecento her.

Leichte Retuschen an Heck und Front des Fiat Punto

Dementsprechend aufmerksam gehen die Italiener an die Modellpflege. Denn zum ganz neuen Modell wollen sich die Turiner trotz harter Konkurrenz etwa des neuen Peugeot 208 noch nicht bequemen. Schließlich ist der Punto, seit 2005 in seiner jetzigen Form im Angebot, immer noch mit zuletzt 20.000 Verkäufen in Deutschland das erfolgreichste Modell.

Leichte Retuschen an Front und Heck werden wohl nur den echten Fans die neue Generation verraten. In Wagenfarbe lackierten Stoßfänger mit integrierten Blinkleuchten oder der jetzt in Wabenoptik gestaltete, tiefschwarze Kühlergrill etwa. Von außen fällt dem Normalinteressenten wohl vor allem auf, dass der Wagen nach den bisherigen Namen Grande Punto und Punto Evo nun schlicht nur noch Punto heißt. "Zurück zu den Wurzeln" heißt die Erkenntnis dahinter. Will meinen: Mit Sparsamkeit, Praktikabilität und einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis hat der Punto stets seine Interessenten überzeugt.

Mehr Gelassenheit im Fiat Punto

Der Fiat Punto wurde aufgefrischt
Gut konturierte Sitze im Fiat Punto Fiat

Könnte klappen. Denn beim Preis stehen die Italiener auch im Modelljahr 2012 wieder auf den Bremsklötzen. Selbst der im Punto brandneue 0,9-Liter-Zweizylinder ist bereits in einer Sonderaktion zum Marktstart wie alle anderen Modelle mit Nachlässen in zweistelliger Prozentzahl auf den Listenpreis zu haben. Der mit einem Sechsganggetriebe ausgerüstete TwinAir leistet 63 kW/85 PS und hat ein maximales Drehmoment von 145 Nm bei 2000 U/min. Es geht also bei Bedarf sehr zügig voran.

Ein bisschen Kurvenräuber-Gefühl kommt in den gut konturierten Sitzen auf. Ganz identisch mit dem Antriebskonzept im 500 ist der 0,9-Liter im Punto übrigens nicht. Die Ingenieure haben für ihn ein neues Zweimassenschwungrad entwickelt und die Motoraufhängung verändert. Dadurch kommt im Punto deutlich mehr Gelassenheit beim Fahren auf als im 500. Das ab Ausstattungsniveau Easy serienmäßige Tomtom-Navi auf dem Armaturenbrett zittert aber trotz Werkseinbau dennoch unentwegt bei auch nur leicht schlechterer Fahrbahn.

1.4er als Alternative für den Fiat Punto

Der Zweizylinder hat ein durchaus dynamisches Fahrgeräusch – und zusammen mit dem knackigen Durchzug und der gut abgestimmten Schaltung verführt dies zu einer Fahrweise, die hochtourig weit von den asketischen Läufen auf Europas Testständen entfernt ist. Die fatale Folge: Trotz Drosseln der Leistung per Eco-Taste von 85 auf 78 PS und Start-Stopp-System zeigt der Bordcomputer bei Fahrt über Land mehr als sechs Liter Verbrauch. Der Durchschnitt von 4,2 Litern dürfte schwer zu erreichen sein.

Da bietet sich auch der aufgepeppte 1.4 mit 57 kW/77 PS und serienmäßigem Start-Stopp-System als Alternative an, der zu weniger hochtourigem Fahren verleitet und unter sechs Litern bleiben dürfte – rund 1500 Euro billiger als der Downsizing-Benziner.

Sparsamer Turbodiesel im Fiat Punto

Der Fiat Punto wurde aufgefrischt
Der Fiat Punto 1.3 begnügt sich mit 3,5 Litern Diesel Fiat

Überlegensswert ist auch der Turbodiesel 1.3, der jetzt 63 kW/85 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 200 Nm bei 1500 U/min zur Verfügung stellt. Das sorgt auch für Fahrspaß und womöglich sogar für die versprochenen 3,5 Liter Durchschnittsverbrauch. Ein paar Tropfen Diesel mehr sparen die Italiener etwa dadurch, dass die Lichtmaschine elektronisch dem Leistungsbedarf und dem Ladezustand der Batterie angepasst wird. Auch den 1.3-Liter-Turbodiesel gibt es serienmäßig mit Start&Stopp-Automatik – und einem angenehm ruhigen Lauf.

Die Preise gehen nach einer Sonderaktion offiziell bei 12.000 Euro los – aber das wird wohl nur ein sehr ungeschickter Kunde zahlen müssen. Dafür gibt es den bewährten Fire-Motor mit 1,2 Liter Hubraum und 51 kW/69 PS in der Version Pop. Vier Airbags, ABS, ESP, Anfahrhilfe am Berg und die wichtigsten elektronischen Helferlein an Fenstern und Türen fahren dann schon mit.

Schrille Farben für den Fiat Punto

Der TwinAir ist – offiziell – erst ab 15.200 Euro zu haben, aber dann schon in der mittleren Version Easy mit Multimedia-Radio, Leichtmetallfelgen, Klima, Tomtom-Navi und gewohnt flottem Fiat-Innenraum. Die schrille Metallic-Farbe Lemon Grün gibt es nur für diesen Motor, stets mit schwarz lackiertem Dach oder dem Panorama-Glasdach SkyDome.

Die Topversion Fiat Punto Sport (Listenpreis ab 14.800 Euro) hat zusätzlich weichere Materialien im Innenraum und reichlich sportlichen Zierrat. An dieser Stelle zitieren wir noch mal Fiat selbst: "Der aus der Mehrausstattung resultierende Kundenvorteil beträgt im Vergleich zum Fiat Punto Easy 1050 Euro, in Relation zum Fiat Punto Pop sogar 2605 Euro." Den Satz zur Listen-Logik haben die Rabatt-Strategen indes schon überholt, als er zum Start der neuen Modellgeneration fällt. Aber vielleicht ist ja auch das ein Grund für den Erfolg von Fiats Brot-und-Butter-Auto. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.