Alfa Romeo Giulietta TCT: Gelungene Premiere

Erstmals mit Doppelkupplung

Alfa Giulietta TCT
Auch die Giulietta von Alfa Romeo ist mit Doppelkupplung unterwegs © Alfa Romeo

Nach dem MiTo stattet Alfa Romeo auch die Giulietta mit einer Doppelkupplung aus. Neben einem weichen Anfahren ohne Zugkraftunterbrechung verbraucht die Giulietta TCT zudem auch weniger Kraftstoff.

Von Patrick Broich

Alfas mit Automatikgetriebe waren bislang eher die Ausnahme. Kein Wunder, schließlich galten sämtliche Markenvertreter eher als sportlich angehaucht. Aber die Zeiten ändern sich, und längst werden die drahtigsten Automobile nicht mehr mit manueller Schaltung ausgerüstet, sondern eben mit Automatik. Allerdings hat der hydrodynamische Drehmomentwandler, der lange Zeit als Standardtechnik zum Einsatz kam, mächtig Konkurrenz bekommen. Kompakt bauende Doppelkupplungsgetriebe nutzen in der Regel Lamellenpakete oder eine per Hydraulik-Aktuator betätige Trockenkupplung zum Anfahren.

Alfa Romeo Giulietta mit Stopp-Start-System

Die Alfa-Techniker entschieden sich für letztere Variante, zehn Kilogramm Gewichtsersparnis und der Verzicht auf eine energiezehrende Ölpumpe waren wohl Motivation genug. Freilich ist auch eine Start-Stopp-Vorrichtung enthalten. Mit Stolz erklärt Fiat-Technikexperte Klaus Schühle, dass die automatisch geschaltete Giulietta trotz ölfreier Kraftübertragung bis zu 350 Nm Eingangsdrehmoment wegsteckt, was den Einbau starker Selbstzünder erlaubt. Es gibt derzeit aber nur zwei Varianten für Schaltunwillige – den 2,0 Liter großen Diesel in der 170 PS-Ausführung sowie den gleich starken 1,4-Liter-Turbobenziner. Der Aufpreis für das TCT genannte Getriebe beträgt 1800 Euro.

Mit einem prognostizierten Anteil von etwa 15 Prozent Automatik-Giulietta wird die italienische untere Mittelklasse zwar kaum zum Massenphänomen für Schaltverweigerer, würde damit aber doch ein ansehnliches Ergebnis erzielen, zumal Kunden mit dem Wunsch nach einem Doppelkupplungsgetriebe bisher ja nach Hause respektive zum Wettbewerb geschickt werden mussten.

Weiches Anfahren in der Alfa Romeo Giulietta

Alfa Giulietta TCT
Keine Zugkraftunterbrechung in der Alfa Romeo Giulietta Alfa Romeo

Umso respektabler, dass der erste Wurf mit der Doppelkupplung wirklich gut gelungen ist. Dies war schon beim kleineren MiTo so und gilt auch für die Giulietta. Nach einem verhältnismäßig weichen Anfahren geht der Automat geschmeidig zur zweiten Stufe über. Eine Zugkraftunterbrechung bleibt erwartungsgemäß aus – nennenswert Zeit vergeht ebenso wenig, denn Zahnräder müssen nicht verschoben werden, die nächste Übersetzung war ja bereits in Lauerstellung.

Interessant ist die Kickdown-Reaktion, wenn man das Getriebe zuvor durch moderates Fahren dazu bewegt hat, sich schon bei niedrigem Tempo bis zum sechsten Gang vorzuarbeiten. Sobald das rechte Pedal dann mit einem Klacken Bodenblech-Kontakt aufnimmt, atmet die potent motorisierte Giulietta einmal durch, bevor die kleinstmögliche Stufe rastet, um den Fronttriebler mit aller Macht zu beschleunigen.

Diverse Fahrmodi in der Alfa Romeo Giulietta

Alfa Giulietta TCT
Dynamisch kann die Alfa romeo Giulietta auch Alfa Romeo

Die bestens bekannten Triebwerke sind über jeden Zweifel erhaben; wer mit einem Benziner liebäugelt, sollte eine kleine Probierrunde mit dem aufgeladenen 1.4er nicht scheuen. Das kleine Aggregat hängt süffig am Gas und dreht mit Vorliebe über das gesamte Band Richtung Begrenzer. Etwas mehr Biss gewünscht? Kein Problem, in diesem Fall den D.N.A.-Schalter einfach auf "D" (Dynamik) stellen. Dann ändern sich die Kennlinien von Gas und Lenkung – der Vierzylinder spricht zackiger an, außerdem unterstützt ein strafferes Lenkgefühl den Fahrspaß auf der Landstraße, wo Kurven nur darauf warten, den ausschließlich mit vier Türen lieferbaren Südeuropäer zum Untersteuern zu bringen.

Bekanntermaßen leidet die Übersicht, wenn ein Künstler sich austobt – analog zum MiTo fällt es auch bei der Giulietta schwer, beim Blick durch das Heckfenster abzuschätzen, wann und wo die 4,35 Meter enden. Also keinesfalls vergessen, die Parksensoren für 360 Euro zu bestellen. Ansonsten ist der Kompakte bereits ab Werk gut versorgt mit attraktiven Features – eine Offerte für Sparfüchse stellen die TCT-Ausführungen indes nicht dar, wenngleich die Verantwortlichen zehn Prozent Spritersparnis gegenüber den handgeschalteten Modellen versprechen.

Alfa Romeo Giulietta TCT ab 26.000 Euro

Alfa Giulietta TCT
Der 2.0 Diesel der Alfa Romeo Giulietta TCT kostet knapp 29.000 Euro Alfa Romeo

Der Bonus geht dann wohl ausschließlich an die Umwelt. Zu haben ist nämlich lediglich die Turismo-Version für 26.000 Euro (1,4 Turbobenziner) oder wahlweise 28.900 Euro (2,0 Diesel). Dann gibt es neben der vollen Sicherheitsausrüstung immerhin auch Klimaautomatik, 16-Zoll-Alus sowie Tempomat mit auf den Weg. Optisch macht sich die höhere Line durch den obligatorischen Chrom am Fensterrahmen und den Magnesium-Einlagen im Bereich der Armaturen erkennbar.

Der Innenraum präsentiert sich übrigens ordentlich verarbeitet und erscheint dem durchschnittlichen Mitteleuropäer angemessen geräumig. In Sachen Ladevermögen ist der Italiener seinem hiesigen Wettbewerb mit maximal 1045 Litern dicht auf den Fersen. Doch das wird den glühenden Fan nur am Rande interessieren. (SP-X)