Toyota Verso-S: Lohnenswerter Dieselaufpreis

Mini-Vans

3,99 Meter langer Mini-Van von Toyota © Toyota

In der vom Opel Meriva dominierten Minivan-Klasse ist Toyotas Verso-S ein neuer ernstzunehmender Mitspieler. Wer sich für einen Diesel interessiert, sollte vorher nachrechnen.

Von Sabine Stahl

Kommt was Kleines, muss in der Regel was Großes her. Denn eine Familie braucht Platz, auch im Auto. Kinderwagen, Reisebett und kofferweise Windeln und Babybrei müssen verstaut werden. Das ist meist der Punkt, an dem Autokäufer dem Van-Sinn verfallen und sich eine klassische Familienkarosse mit hohem Dach und jeder Menge Platz vor die Doppelhaushälfte stellen. Doch es muss nicht immer ein großes Auto sein. Schließlich wird heutzutage alles kleiner: die Zahl der Parkplätze, die Familien mit immer öfter nur einem Kind und die Vans. Neuster Zuwachs in der Mini-Van-Riege ist der Toyota Verso-S, also die kleine Ausgabe des Medium-Vans Verso.

Verschiedene Vorzüge

Der Japaner vereint die Vorteile eines wendigen Kleinwagens mit dem Raumangebot eines Vans. So kann man in jede Tiefgarage fahren, findet schneller einen Parkplatz und kann dank der 40:60 teilbaren Lehne und des bis zu 1.388 Liter großen Gepäckabteils dennoch die Babyausrüstung befördern. Werden alle Sitzplätze benötigt, können hinter der niedrig angebrachten Heckklappe 430 Liter Gepäck auf dem ebenen Ladeboden verstaut werden. Darunter findet sich noch ein Geheimfach.

Laufruhiger Diesel

Die Breite A-Säule schränkt das Sichtfeld ein Foto: Toyota

Ein Dieselmotor für die Fahrt zum Einkaufen oder in den Kindergarten ist in der Regel nicht notwendig. Doch angesichts des angebotenen Vierzylinders mit 1,4 Litern Hubraum und 66 kW/90 PS (Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h, Preis: ab 17.300 Euro) sollten Eltern dies zweimal überlegen. Denn der Selbstzünder ist leistungsstark, laufruhig und erlaubt flinke Überholmanöver. Auf der Autobahn ist der Motor leise und mit einem Durchschnittsverbrauch von offiziell 4,3 Litern je 100 Kilometer auch überaus sparsam. Allerdings müssen im Vergleich zum Einstiegspreis von 14.950 Euro für den kleinsten Benziner 2.350 Euro an Aufpreis bezahlt werden. Um diese Summe wieder "hereinzufahren", muss der Verso-S in der kinderfreien Zeit schon von einem Außendienstmitarbeiter genutzt werden.

Genug Platz – nicht in den Türfächern

Leichte Anfälligkeit bei Seitenwind Foto: Toyota

Viel Platz bei einer Länge von unter vier Metern? Das kompensiert Karosseriebauer zwangsläufig in der Höhe. Und so wundert es nicht, dass der kleine Van hier und da ein wenig nachgibt, wenn ein kräftiger Seitenwind bläst. Aber alles in allem: Die Lenkung ist präzise und der Geradeauslauf sehr gut. Auch beim Fahrwerk hat sich Toyota Mühe gegeben, um die Insassen nicht allzu sehr mit Straßenunebenheiten zu nerven. Wenn es nicht gerade über eine Buckelpiste geht.

Auch wenn der Verso-S ein Mini-Van ist, muss man sich nicht bücken. Selbst auf der erhöhten hinteren Bank kann der 1,85-Meter-Papa neben dem Kind sitzen, während Mami auf dem bequemen Vordersitz das Steuer übernimmt. Für Rassel, Beißring und Co. gibt es ein allerdings sehr schmales Handschuhfach. Darüber befindet sich eine offene Ablage. Harte Gegenstände sollte man dort nicht hinlegen, denn sie fliegen einem in der nächsten Kurve um die Ohren. Auch in den Türen gibt es Fächer, in die leider keine großen Flaschen hinein passen.

Knappe Serienausstattung

Der Verso-S hateinen Wendekreis von 11,4 Metern Foto: Toyota

Die Serienausstattung des Verso-S ist vergleichsweise bescheiden: elektrische Fensterheber vorn und eine Zentralverriegelung sind zwar immer dabei, aber es fehlt eine Klimaanlage und ein Audiosystem. ESP und jede Menge Airbags sowie die einfache Entriegelung der stets teilbaren Rückbanklehne sind dafür immer an Bord, genau wie das Geheimfach unter dem Kofferraumboden. Soll dieser jedoch in der Höhe verstellbar sein, kostet das Extra. Die Start-Stopp-Automatik ist ebenfalls nur gegen Aufpreis zu haben und das auch nur in den höheren Ausstattungslinien.

Toyotas kleiner Familienzuwachs ist eine echte Kampfansage an Kia Venga, Hyundai ix20, Opel Meriva und Citroen C3 Picasso. Für diese Kandidaten heißt es nämlich: Anschnallen oder besser gesagt: Gas geben. Denn in der kleinen Klasse der Mini-Vans ist es mit dem geräumigen Verso-S nun etwas enger geworden. (mid)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.