14. März 2011

Fahrbericht Optische Verwandtschaft zum SL Mercedes SLK: Schlechte Zeiten für die Arzt-Gattin

Der Mercedes SLK hat an Männlichkeit zugenommen
Der Mercedes SLK hat an Männlichkeit zugenommen © Daimler

Mercedes führt die dritte Generation des SLK ein. 15 Jahre nach dem Marktstart hat der Roadster deutlich maskulinere Züge erhalten.




Von Thomas Flehmer

Die Ehefrauen von Ärzten und Apothekerinnen müssen in Zukunft sehr tapfer sein. Die Gattinnen der Arbeiter aus dem Weißkittel-Segment zählten seit der Markteinführung des Mercedes SLK zu den vermeintlich stärksten Liebhaberinnen des Roadsters mit dem Stern. Dank seiner Rundungen und eines eher femininen Auftritts blieb der Zweisitzer zumeist unter den Fittichen der Dame des Hauses, die männliche Hälfte zeigte dem SLK dagegen eher die kalte Schulter.


Präsente Frontpartie

Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Denn mit der dritten Generation ist aus dem Frauenschwarm ein Sportwagen mit deutlich maskulineren Zügen geworden. Das liegt vor allem an der Frontpartie, die eine Verwandtschaft zu den Traumwagen SL und SLS aufweist. In der Mitte des gewachsenen Kühlergrills prangt der Mercedes-Stern, flankiert von eckigen, nach hinten gezogenen Scheinwerfern.

In Kombination mit der langen Motorhaube werden Erinnerungen an den 190 SL aus den fünfziger Jahren sowie den aktuellen Flügeltürer SLS wach. Sie scheint den größten Teil des 4,14 Meter langen und 1,81 Meter breiten Roadsters für sich zu beanspruchen. Die Lüftungsschlitze an den Seiten sowie das kurze Heck komplementieren den sportlichen Anspruch des Roadsters.

Panoramadach zum Verdunkeln

Das Glasdach des Mercedes SLK kann verdunkelt werden
Das Glasdach des Mercedes SLK kann verdunkelt werden © Daimler

Die Ansprüche an den Komfort werden dabei zuerst Innenraum befriedigt. Gut konturierte Ledersitze und je nach Ausstattung Holzapplikationen in Wurzelnuss sowie eine übersichtliche Instrumententafel und mit Leder bezogene Oberflächen machen Appetit auf mehr. Und der Hunger wird gestillt. Erstmals wird im SLK das Magic Sky Control genannte und 2368 Euro teure Panorama-Glasdach angeboten. Auf Knopfdruck verdunkelt sich das Dach oder wird soweit durchsichtig, dass die Sonnenstrahlen empfangen werden können.

Die Sonnenanbeter aber warten lieber zwanzig Sekunden, bis das Dach im zwischen 225 bis 335 Liter fassenden Kofferraum verschwunden ist, und genießen dann die Sonne ganz direkt. Wem die Wärme noch nicht reicht, der schaltet den aus der zweiten Generation (2004) bekannten Airscarf ein und lässt sich von der Rückenlehne des Sitzes aus warme Luft in den Nacken pusten.

In 5,6 Sekunden auf 100

Die Kurven nimmt der Mercedes SLK sehr sportlich
Die Kurven nimmt der Mercedes SLK sehr sportlich © Daimler

Dann ist auch der Motorsound der drei zur Verfügung stehenden Benzin-Motoren zu hören. Am lautesten verkündet dabei der 225 kW/306 PS starke Sechszylinder im SLK 350 BlueEFFICIENCY, was unter der langen Motorhaube arbeitet. Röhrend sprintet der 1540 Kilogramm schwere SLK innerhalb von 5,6 Sekunden Tempo 100 entgegen. Die sieben Gänge der Automatik werden dabei lang ausgefahren und das Schalten ist eher hör- als spürbar.

Doch Gas geben allein reicht nicht, um sportlich unterwegs zu sein. Auch Fahrwerk und Lenkung müssen sich dem Package anpassen und leisten dabei ausgezeichnete Arbeit. Die Direktlenkung trägt ihren Namen zu Recht, die Federn und Dämpfer des Fahrwerks halten den Wagen stets in der Spur, sodass der Kurvenhatz nichts im Wege steht und der Fahrspaß beginnen kann. Natürlich müssen zunächst 2427 Euro für die Siebengang-Automatik, und 1416 Euro für das Fahrdynamik-Paket investiert werden.

7,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern

Den Mercedes SLK kann man mit vielen Sicherheitssystemen ausstatten
Den Mercedes SLK kann man mit vielen Sicherheitssystemen ausstatten © Daimler

Lediglich 7,1 Liter sollen dabei über 100 Kilometer durch die Schläuche fließen und für einen CO2-Ausstoß von 167 Gramm pro Kilometer sorgen. Wer aber häufig die Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h anpeilt oder die Kurven der Landstraße besonders sportlich angeht, sollte sich gleich zu Beginn von diesem Wert verabschieden.

Neue Assistenz-Systeme sollen dafür sorgen, dass die Fahrfreude nicht ausufert und Wagen und Fahrer heil und gesund bleiben. Für rund 3100 Euro werden der Abstandsregeltempomat, die Parkführung und das Pre-Safe-System mit Gurtstraffern für Fahrer und Beifahrer installiert.

Drei Varianten zur Auswahl

Die FRont und lange Motorhaube des Mercedes SLK erinnert stark an den SL
Die FRont und lange Motorhaube des Mercedes SLK erinnert stark an den SL © Daimler

Grundlage für die Sonderausstattungen, die noch erweitert werden können, sind aber zuerst 52.300 Euro für den Sechszylinder. Wer es nicht ganz so sportlich mag, wählt den SLK 250 BlueEFFICIENCY mit 150 kW und 204 PS, der ein ganz harmonisches Bild des Sportlers abgab. 44.256 Euro stehen hier als Anfangspreis für den ab dem 26. März erhältlichen SLK. 38.675 Euro müssen für den Basisbenziner SLK 200 BlueEFFICIENCY ausgegeben werden, der über 135 kW/184 PS verfügt.

Alle drei Varianten aber sind starke Argumente für den neuen SLK, der dank seines neuen Auftritts und der optischen Verwandtschaft zu SL und SLS auch von den Männern wahrgenommen wird, die gerne den Traumwagen fahren würden, ihn sich aber nicht leisten können. Nun können die Herren der Schöpfung mit dem SLK einige zehntausend Euro günstiger auf dem Boulevard posen, ohne schief angeschaut zu werden. Während die Männer sich die Hände reiben, müssen die besseren Hälften ihre Pfründe abgeben und sich künftig mit der neuen A- oder B-Klasse anfreunden






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